STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Viele Tiefkühl-Fische tragen mittlerweile ein Siegel, beispielsweise das MSC-Siegel für nachhaltigen Fischfang. Doch Experten kritisieren, Fische mit diesem Siegel seien nicht immer nachhaltig.

Viele Verbraucher lassen sich beim Einkauf von Siegeln leiten. "Das MSC-Siegel zeichnet Produkte aus nachhaltiger Fischerei aus. Wir glauben an Weltmeere voller Leben und unterstützen die Bemühungen von Fischereien und Verarbeitern, die wertvolle Ressource Fisch nachhaltig zu nutzen," heißt es auf der Webseite von Marine Stewardship Council (MSC).

Auf den Verpackungen von Fisch müssen immer Fanggebiet und Fangmethode angegeben werden. Daran kann der Verbraucher erkennen, woher der Fisch kommt und wie er gefangen wurde.

Umweltschützer kritisieren MSC-Siegel

Doch Umweltschützer und Wissenschaftler kritisieren das MSC Siegel als nicht immer nachhaltig. Es würden auch überfischte Bestände oder Fischerei mit Grundschleppnetzen, die den Meeresboden und Korallen beschädigen, zertifiziert werden.

"Als das Siegel neu war, da haben sie überwiegend gute, nachhaltige Bestände zertifiziert. Und ich bin auch irgendwo im Fernsehen zu sehen, wo ich sage Ihnen so ne Packung hochhalte , sage die kann man guten Gewissens essen. Das war damals in Ordnung. Aber als die guten Bestände zertifiziert waren, haben sie mehr und mehr problematische Bestände zertifiziert. Und heute ist es so, dass fast zwei Drittel der Bestände, die das MSC-Siegel tragen, entweder zu klein sind oder zu hart befischt werden oder mit nicht nachhaltigen Methoden, also Grundschleppnetzen, befischt werden."

Dr. Rainer Froese, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Geomar

Das Marine Stewardship Council (MSC) weist die Vorwürfe zurück

"Der MSC-Umweltstandard lässt KEINE Zertifizierung von Fischereien zu, deren Zielartbestände nach international anerkannten Definitionen überfischt sind. Nach den Anforderungen des MSC muss ein Bestand so groß sein, dass eine gesunde Vermehrung gewährleistet ist – nur dann ist er zertifizierbar. (...) . Es ist richtig, dass Grundschleppnetze Gefahr laufen, den Meeresboden zu zerstören. Wo dies der Fall ist, kann eine Fischerei, die Grundschleppnetze einsetzt, nicht MSC-zertifiziert werden! Es gibt jedoch auch Grundschleppnetzfischereien, die keine nachhaltigen Schäden am Meeresboden verursachen."

Stellungnahme Marine Stewardship Council (MSC)

Fisch aus Aquakulturen nicht immer nachhaltig

Auch Fisch aus Aquakulturen, der etwa das ASC oder GNN Siegel trägt, hält Rainer Froese für nicht immer nachhaltig. "Wolfsbarsche, Doraden, Lachs aus Norwegen etwa - alles Raubfische. Die muss ich mit anderen Fische füttern. Und ich muss mehr Fisch reinwerfen als rauskommt. Diese anderen Fische, Sprotten Heringe, Sardinen, Makrelen. Die können wir auch gerne direkt essen. Das wäre viel nachhaltiger und schonender für die Umwelt."

Nachhaltige Fischzucht So unterschiedlich sind Siegel für Fisch aus Aquakultur

Aquakultur - wichtig, um Fischbestände im Meer zu schonen, oder einfach nur Massentierhaltung? Die Siegel verraten einiges dazu.  mehr...

Es gebe aber auch Fisch, den man mit gutem Gewissen essen könne, sagt der Ozeanforscher. "Kabeljau aus der Barentssee zum Beispiel. Der Bestand ist groß und in Ordnung und dehnt sich aus. Und das, weil das Wasser wärmer wird, den kann man guten Gewissens essen. Andere Fische, die man essen könnte, wäre etwa der Seelachs aus der Nordsee, der Alaska - Seelachs aus dem Pazifik oder auch Wildlachs aus Alaska. Das wären alles sehr schöne, sehr gute Fische, die man guten Gewissens essen kann."

Frisch, gesund und ökologisch vertretbar Tipps rund um den Fischgenuss

Ist Fisch aus der Tiefkühltruhe oder Dose gesund? Ist Frischfisch wirklich frisch? Und welchen Fisch kann ich mit gutem Gewissen essen? Das und mehr in unseren 10 Fakten zum Fisch.  mehr...

Marktcheck SWR Fernsehen

Fischrezept für Fischskeptiker Seelachs oder Zander in Panade

Für alle, die gerne Fisch probieren wollen, aber mit dem Fischgeschmack fremdeln, bietet es sich an, den Fisch zu tarnen, also in Panade verschwinden zu lassen: als Backfisch.  mehr...

Marktcheck SWR Fernsehen

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG