Wasser und Mineralwasser (Foto: Getty Images, Thinkstock - Montage SWR)

Führt ein Wassertest die Verbraucher in die Irre?

Mineralwasserhersteller wehren sich gegen Stiftung Warentest

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Mineralwasser seien belastet, Leitungswasser hingegen einwandfrei – so Stiftung Warentest. Der Verband Deutscher Brunnen hält dagegen – mit eigenen Gutachten und scharfer Kritik

32 Stille Mineralwasser wurden von Stiftung Warentest für Heft 7/2019 untersucht, das Ergebnis wird gleich zu Beginn des Testberichts zusammengefasst: „Nicht einmal jedes zweite ist gut“, heißt es dort, „einige haben ein Problem mit Keimen, andere mit bedenklichen Stoffen.“ Zwei Stille Wasser seien sogar mangelhaft.

Mineralwasser schneidet deutlich schlechter ab

Dieses Fazit stieß – mehr als ein halbes Jahr und zwei Gegengutachten später – dem Interessenverband VDM, Verband Deutscher Brunnen, erwartungsgemäß übel auf, bezeichnet den Test als „wissenschaftlich nicht haltbar“. Der VDM mit Sitz in Bonn vertritt die Interessen von ungefähr 200 Brunnenbetreibern in Deutschland, die Mineralwasser und Erfrischungsgetränke abfüllen. Verärgert ist der Verband aber weniger über die teilweise schlechten Bewertungen der eigenen Produkte, sondern über etwas anderes: Neben Mineralwasser wurde auch Leitungswasser untersucht. Und bereits die Überschriften zeigen die Ergebnisse: „Kritisches aus der Flasche“, heißt es zum Mineralwassertest, „Gutes aus dem Hahn“ zum Leitungswassercheck. Jedoch sei – anders als beim Mineralwasser – beim Leitungswasser gar keine ausführliche mikrobiologische Analyse durchgeführt worden. Ob also auch Leitungswasser Keime enthalte, sei von Stiftung Warentest gar nicht erst untersucht worden.

„Für die Mineralbrunnenbetriebe in Deutschland ist es unerträglich, dass die Stiftung Warentest durch wissenschaftlich nicht haltbare Vergleiche Verbraucher in die Irre führt beziehungsweise die Desinformation der Verbraucher billigend in Kauf nimmt. Das mag zwar der Erhöhung der Auflage der Zeitschrift zugutekommen, hinterlässt allerdings bei den nahezu ausschließlich familiengeführten Mineralbrunnenbetrieben einen existenzgefährdenden wirtschaftlichen Schaden.“

Besonders sauer ist der Verband, weil sich die Testberichte so lesen würden, als sei mit identischen Verfahren getestet worden. „Stiftung Warentest suggeriert dem Verbraucher, dass die Qualität von Leitungswasser mit der Qualität von in Flaschen abgefülltem Mineralwasser verglichen werde“, kritisiert VDM-Chef Karl Tack.

Ein Gegengutachten belastet Leitungswasser

In einem Gegengutachten sollte nun festgestellt werden, ob Leitungswasser tatsächlich besser ist als Mineralwasser aus der Flasche. In Auftrag gegeben und getestet vom Institut Fresenius. Das Ergebnis: In einem Drittel der Proben konnten Keime nachgewiesen werden. Anders als von Stiftung Warentest wurde auch die sogenannte „letzte Meile“ berücksichtigt, also der Weg zum Wasserhahn. So war die Hälfte der insgesamt 40 Proben belastet, wenn das Wasser sofort vom Hahn ins Glas kam. Wenn das Wasser zunächst 30 Sekunden lang in den Abfluss lief und erst dann ins Glas, sank die Kontaminierung auf 13 Prozent.

Das testende Institut Fresenius ist vielen Mineralwassertrinkern ein Begriff, denn auf den Etiketten vieler Anbieter sind die regelmäßigen Analysen des Instituts zu den im Wasser enthaltenen Mineralien aufgedruckt. 

In einem zweiten Gutachten der Hochschule RheinMain in Wiesbaden wird untermauert, dass Mineral- und Leitungswasser auf unlautere Weise durch die Stiftung Warentest verglichen wurden, mit einem eindeutig besserem Ende fürs Leitungswasser.

„Das ist reine Irreführung, da werden Äpfel mit Birnen verglichen.“

Stiftung Warentest gibt sich zu der harschen Kritik eher kleinlaut: „Wir haben lediglich Teilprüfungen durchgeführt“, heißt es aktuell auf der Homepage, „außerdem müssen Trinkwasser nach der Trinkwasserverordnung beurteilt werden. Diese sieht für manche Parameter strengere Grenzwerte vor als die Mineral- und Tafelwasserverordnung. Einen 1:1-Vergleich kann es also nicht geben.“

Ein Mann trinkt im Sonnenschein aus einer Perlenflasche sprudelndes Mineralwasser. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
Für Stiftung Warentest ist Mineralwasser kein Lichtblick. picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Testmethoden der Stiftung Warentest schon öfter in der Kritik

Es ist nicht das erste Mal, das Stiftung Warentest heftigen Gegenwind von einem Getesteten bekommt. So war der Schokoladenhersteller Ritter Sport vor sieben Jahren ganz und gar nicht einverstanden mit der Note „mangelhaft“ für seine Voll-Nuss-Schokolade. Ritter Sport zog vor Gericht – und gewann in allen Instanzen.

Damals hatte Stiftung Warentest behauptet, in der mit mangelhaft benoteten Voll-Nuss-Schokolade den chemisch hergestellten Aromastoff Piperonal nachgewiesen zu haben, obwohl Ritter Sport mit ausschließlich natürlichen Aromen werbe. Die Schokoladenmacher aus Waldenbuch hielten dagegen, dass auch Piperonal ein natürliches Aroma sei und die Verbraucherschützer das Gegenteil auch gar nicht hätten nachweisen können. Dieser Argumentation folgten die Richter am Oberlandesgericht München.

Die Verbraucherschützer mussten im Anschluss an das für Stiftung Warentest verheerende Urteil die entsprechenden Stellen in ihren Heften schwärzen. Viel schlimmer aber war der Imageschaden für Deutschlands bekannteste Stiftung, die vielen Verbrauchern seit über einem halben Jahrhundert ein in der Regel sehr zuverlässiger Lotse in der unübersichtlichen Warenwelt ist. Sollte Stiftung Warentest jetzt in der Auseinandersetzung mit dem Verband Deutscher Mineralbrunnen den Kürzeren ziehen, wäre das mehr als nur ein „Wasserschaden“.

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