Eine volle Kaffeetasse und Kaffeebohnen auf einem dunklen Tisch. Säurearmer Kaffee ist besser verträglich. (Foto: Unsplash/ Julia Florczak)

Geschmack und Inhaltstoffe

Filterkaffee - Welche milde Sorte kann überzeugen?

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Mehr als drei Tassen pro Tag – so viel Kaffee trinken wir Deutschen im Schnitt. Nach wie vor am liebsten gefiltert. Viele Kaffees versprechen, "sanft", "mild" oder sogar "spezialmild" zu sein. Aber steckt da mehr als nur Marketing dahinter? Und schmeckt es?

Im Vergleich sind diese sechs Produkte:
Kaffee-MarkePreis pro 500g
Aldi Süd3,59 Euro
LIDL3,59 Euro
Jacobs4,99 Euro
Tchibo4,99 Euro
Dallmayr6,49 Euro
GEPA10,58 Euro
Die getesteten Kaffeesorten nebeneinander. (Foto: SWR)
Diese Kaffeesorten werden von uns verglichen.

Geschmacksverkostung

Den Geschmack der Kaffees beurteilt Kaffee-Sommelier Michael Gliss. Dafür schlürft er den Kaffee oben ab, Profis nennen das "Cupping". Die Aromen des Schonkaffees von GEPA nimmt der Sommelier als zu zitronig wahr. Der LIDL-Kaffee dagegen riecht für ihn eher modrig. Der Geschmack des ALDI-Kaffees kann da eher überzeugen, Kaffee-Sommelier Gliss beschreibt ihn als säurearm, kaum fruchtig und harmlos. Und die sanfte Auslese vom Marktführer Jacobs hat für Michael Gliss etwas von Olive, ist aber gleichzeitig der "samtigste" Kaffee für ihn.

Die Gewinner im Geschmackstest sind für den Kaffee-Sommelier also Aldi und Jacobs, der Verlierer ist LIDL.

Verschiedene Kaffeesorten nebeneinander in Tassen. Welcher überzeugt den Experten? (Foto: SWR)
Welcher Kaffee überzeugt den Kaffee-Sommelier geschmacklich?

Labortests

Was in den milden Kaffees steckt, lassen wir im Labor überprüfen.
Die Ergebnisse zeigen:
Der milde Kaffee von Aldi enthält am wenigsten Chlorogensäure. Diese Säuren stecken von Natur aus in Kaffeebohnen und bauen sich bei der Röstung zum Teil ab. Chlorogensäure steht im Verdacht Magenreizungen auszulösen - wissenschaftlich belegt ist dieser Zusammenhang jedoch nicht.

Wir prüfen außerdem den Acrylamid-Gehalt. Dieser Schadstoff entsteht leicht bei zu heißer Röstung. Lebensmittelchemikerin Lena Hermes berichtet: "Wir haben bei allen Kaffee-Proben Acrylamid nachgewiesen. Das ist aber auch nicht überraschend, weil Acrylamid beim Rösten entsteht. Somit lässt sich auch nicht vermeiden, dass Acrylamid nachzuweisen ist. Die Gehalte in unseren Proben waren aber so gering, dass es unbedenklich ist." Beim GEPA-Kaffee hat das Labor von allen Kaffees den geringsten Acrylamid-Gehalt gemessen.

Transparenz bei der Erzeugung

Wo kommt der Kaffee her? Zu welchen Konditionen arbeiten die Kaffeebauern vor Ort? Auch das wollen wir wissen und fragen die Hersteller: Wie viel vom Ladenpreis landet bei den Kaffeebauern?

Die ehrliche Antwort von Aldi Süd lautet: "Ein Mindestpreis für die Erzeuger besteht nicht."
Jacobs erklärt, nicht in die Bezahlung der Kaffee-Bauern eingebunden zu sein.
Und Dallmayr gibt zu: "Der Erzeuger-Erlös ist uns weder im Einzelfall noch in der Summe bekannt."
Wirklich konkret wird nur GEPA: Die Erzeuger bekommen mindestens 22 Prozent vom Ladenpreis, rechnet das Unternehmen vor.

Gesamtergebnis

Den einen Gewinner oder Verlierer gibt es in unserem Test nicht. Beim Geschmack liegen für den Kaffee-Sommelier die milden Kaffees von Aldi und Jacobs vorn. Am wenigsten Acrylamid fand das Labor bei den Proben von Dallmayr und GEPA. Und auch in puncto Transparenz überzeugt der Fair-Trade-Kaffee. Alle getesteten Kaffees enthalten außerdem nur sehr wenig Säure, sind also wirklich mild und halten damit das Versprechen auf der Verpackung ein.

Übrigens: Milch im Kaffee soll durch ihren Eiweiß- und Fettgehalt als Puffer für Säuren wirken, das soll Kaffee milder und bekömmlicher machen.

Und was ist mit der Umweltbilanz von Kaffee?

Leider wirkt sich hoher Kaffeekonsum auch auf die Umwelt aus. Eine kleine Tasse schwarzer Kaffee soll etwa 45g Kohlenstoffdioxid verursachen. Dabei entfällt fast die Hälfte des Fußabdrucks auf die Zubereitung, also das Kochen des Kaffees. Wer hier einen Handfilter statt einer Filtermaschine nutzt, kann hier noch selbst beeinflussen, wie viel Energie verbraucht wird.

Die andere Hälfte der Emissionen entfällt hingegen fast ausschließlich auf den Anbau. Der Transport macht nur fünf Prozent des CO2-Fußabdrucks einer Tasse Kaffee aus. Hinzu kommt, dass Kaffee-Anbau auch Regenwaldabholzung bewirkt: Schätzungen gehen von mindestens 100.000 ha Regenwald im Jahr aus. Im Vergleich zu Ölpalme, Soja oder Viehzucht ist das noch recht wenig, trotzdem ist Kaffee unter den Top 7.

Abgeholzte Landschaft. Kaffee-Anbau hat Folgen für die Umwelt. (Foto: Unsplash/Gryffyn M)
Kaffee-Anbau hat Folgen für die Umwelt. Unsplash/Gryffyn M

Ein weiteres Problem: Für den Anbau von Kaffee wird sehr viel Stickstoffdünger verwendet. Das daraus entstehende Lachgas ist noch schädlicher als CO2. Dadurch ist auch biologisch angebauter Kaffee nicht klimafreundlich: Denn Bio-Anbau bringt auf der gleichen Fläche oft nur die Hälfte des Ertrags ein. Das macht seine Stickstoffbilanz nicht besser als die von konventionell angebautem Kaffee. Dass für die Erzeugung derselben Menge Kaffee mehr Fläche benötigt wird, könnte zudem auch noch zu mehr Abholzung führen.

Die Artenvielfalt und die Biodiversität des Bodenlebens auf der Anbaufläche sind jedoch beim Bio-Anbau besser. Denn Fakt ist: Bio-Kaffee wird unter deutlich geringerer Pestizid-Belastung hergestellt.

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