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Essen oder Getränke zum Mitnehmen verursachen viel Müll. Die Bundesumweltministerin plant nun ein Gesetz, dass die Gastronomen dazu verpflichtet, Mehrweg-Verpackungen anzubieten.

Die Meinungen zu dem Thema gehen weit auseinander. Auch bei unseren beiden Redakteuren Alice Thiel-Sonnen und Michael Wegmer.

Der Coffee-to-go-Becher hatte ja schon lange vor Corona-Zeiten einen schlechten Ruf. 2,8 Milliarden Becher landen pro Jahr im Müll. Dabei sind längst Alternativen auf dem Markt – in vielfältigem Design. Aus Bambus, Kunststoff, Edelstahl oder Porzellan. Entweder man bringt seinen eigenen Becher zum Abfüllen mit, oder man nutzt einen Mehrweg-Pfand-Becher, der wieder zurückgegeben wird.

Mehrweg-Systeme gibt es auch für Essen-to-go.

Einige Gastronomen benutzen bereits Mehrweg-Schalen oder Becher aus stabilerem Kunststoff, in die das Essen für unterwegs abgefüllt wird. Das muss nicht nur Eintopf sein, es gibt auch Schalen mit Kammersystemen für verschiedene Zutaten. Plastik durch Plastik ersetzen – klingt zunächst nicht sinnvoll. Aber „Mehrweg“ ist hier das ökologische Plus. Die Gefäße sind langlebig. Sie können mindestens 200 mal gespült werden. Eine Mehrweg-to-go-Schale ersetzt also 199 Einwegverpackungen – und das macht sich bei der Müllmenge bemerkbar. Für Umwelt und Klima lohnt sich so ein Mehrweg-System schon ungefähr ab der zehnten Befüllung.

Schadstofffreie und wiederverwertbare Boxen stehen auf einem Tisch. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Franziska Kraufmann/dpa)
In Stuttgart wurde bereits ein Mehrwegsystem in Restaurants getestet. picture alliance / Franziska Kraufmann/dpa

To-go ganz ohne Plastik – das geht mit Edelstahl. Früher gab es den Henkelmann, in dem Gruben- oder Feldarbeiter ihr Mittagessen von zu Hause mitnahmen. Heute gibt es die kleinen Töpfe mit Deckel, praktisch übereinander stapelbar, in der Gastronomie zum Mitnehmen. Die Systeme funktionieren im Straßenverkauf und auch im Lieferservice.

Je mehr mitmachen, desto besser

Mehrwegsysteme funktionieren nur, wenn für die Behälter ein Pfand hinterlegt wird. Dieses muss hoch genug sein, dass die Schalen auch wieder zurückgegeben werden, gängig sind fünf bis zehn Euro. Das bedeutet auch: je mehr Betriebe mitmachen, die sich auf ein einheitliches Pfandsystem einigen, desto mehr Rückgabestellen gibt es, umso praktischer wird es für Kundinnen und Kunden. Für die gastronomischen Betriebe hingegen ist es zunächst eine Investition: auch wenn die Nutzungsgebühr für die Mehrwegschalen vergleichbar mit der Anschaffung von Einweggeschirr ist, es bedarf es einer Spülmaschine und zusätzlichem Arbeitsaufwand.

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