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Säue stehen meist in so engen Gattern, dass sie sich kaum drehen können. Wie es mit dieser Kastenhaltung weitergehen soll, darüber streiten Tierschützer und Landwirte und eine Bundesratesentscheidung wurde verschoben.

Zwei Meter lang und 65 bis 70 Zentimeter breit: Etwa so groß ist derzeit ist der Kastenstand von Sauen. Ein Käfig aus Eisenstangen in dem das Tier zwar stehen oder liegen kann – aber sonst nichts. Sauen, die gut zweimal im Jahr Ferkel werfen, verbringen die Hälfte ihres Lebens in solchen Kästen. Zum einen, damit Rangkämpfe vermieden werden und die Tiere vom Eber besamt werden können und zum anderen, wenn sie die Ferkel bekommen. Dadurch soll verhindert werden, dass sie ihren Nachwuchs aus Versehen erdrücken.

Sau im Stall mit Ferkeln (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Friso Gentsch/dpa)
Biohöfe bieten Sauen und Ferkeln mehr Platz. Doch solche Alternativen zum konventionellen Kastenstand brauchen viel mehr Platz und deutlich mehr Betreuung. picture alliance/Friso Gentsch/dpa

Doch vor allem geht es um Wirtschaftlichkeit, also eine Arbeitserleichterung für die Bauern und eine höhere Produktion – und das auf Kosten des Tierschutzes. Nicht nur Tierschützer sehen das so. Das Kuratorium für Technik und Bauwesen und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit haben festgestellt, dass die Tiere in ihren Grundbedürfnissen eingeschränkt sind und eher krank und verhaltensgestört werden.

Bundesverwaltungsgericht: Sauen haben bislang zu wenig Platz

Das Bundesverwaltungsgericht hat deshalb bereits 2016 entschieden, dass die Tiere eigentlich nur noch in Kastenständen gehalten werden dürfen, in denen sie liegen können, ohne an die Stangen zu stoßen. Doch die Alternativen brauchen viel mehr Platz und deutlich mehr Betreuung.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat deshalb eine angepasste Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vorgelegt, der der Bundesrat noch zustimmen soll. Darin ist unter anderem geregelt, dass die Kastenstände größer werden sollen, nämlich mindestens 2,20 Meter lang und bis zu 85 Zentimeter breit. Den Bauern sollen 15 Jahre Zeit für die Umstellung gegeben werden. Der Agrar-Ausschuss des Bundesrats hatte allerdings zahlreiche Verschärfungen gefordert. Auch der Deutsche Tierschutzbund kritisiert den Verordnungsentwurf.

Deutschland schneidet beim Tierschutz vergleichsweise schlecht ab

In den meisten Nachbarländern ist die Kastenhaltung ganz verboten oder auf wenige Tage beschränkt, etwa auf die Paarungszeit der Tiere. Sauen werden in rund 7.400 Betrieben in Deutschland gehalten. Aber 85 Prozent der Tiere stehen in den Großbetrieben mit mehr als je 1000 Sauen. Die Ferkelerzeuger in Baden-Württemberg und vor allem in Rheinland-Pfalz sind im Schnitt deutlich kleiner. Im Osten Baden-Württembergs – vor allem in Hohenlohe – hat dieser Produktionszweig für etwa 100 Höfe eine hohe Bedeutung.

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20:15 Uhr
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