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Olymp ist die größte Hemdenmarke Europas – mit Sitz in Schwaben. Die Kleidung gilt als hochwertig. Stimmt das Image? Und unter welchen Bedingungen werden die Hemden hergestellt?

Inhalt:

Geschichte von Olymp
Qualität der Hemden
Image der Marke
Fairness des Unternehmens
Nachhaltigkeit

Geschichte der Marke Olymp

Die Firma Olymp wird 1951 von Eugen Bezner in der Waschküche seines Wohnhauses in Bietigheim gegründet. Drei Jahre später wird die Produktion nach Großingersheim verlegt. Schon damals wird mit dem "Original-Bezner-Kragen" geworben – ein besonders stabiler Hemdenkragen.   

Nach dem plötzlichen Tod des Firmengründers übernimmt dessen Sohn Eberhard die Geschäfte. Olymp eröffnet Ende der 60er Jahre die erste ausländische Produktionsstätte im damaligen Jugoslawien. 1980 verkauft Olymp sein letztes eigenes Werk im Allgäu. Seitdem arbeitet das Unternehmen nur noch mit externen Produktionsfirmen zusammen.  Als einer der ersten vertreibt Olymp bügelfreie Hemden in großen Stückzahlen. 2010 kauft Marc Bezner den Münchner Strickspezialisten März.

Marktcheck checkt Olymp-Hemden (Foto: dpa Bildfunk, Tom Weller)
Der Firmensitz von Olymp liegt in Bietigheim-Bissingen. Tom Weller

Olymp-Firmensitz in Bietigheim-Bissingen

Der Firmensitz von Olymp liegt nach wie vor in Bietigheim-Bissingen. Vom Schwäbischen aus gehen die Herren-Hemden der Firma in die ganze Welt. In mehr als 40 Ländern kann man die Kleidung kaufen. Zwölf Millionen Hemden verkauft Olymp pro Jahr. Mit der Inbetriebnahme des neuen Olymp-Logistikzentrums 2013 besitzt das Unternehmen das weltweit einzige automatische Hemdenlager. Fassungsvermögen: 265.000 Warenkartons.

Qualität: Wie gut sind die Hemden von Olymp?

Zunächst wollen wir wissen: Wie teuer oder billig ist Olymp im Vergleich zur Konkurrenz? In einem der bundesweit 60 eigenen Stores kaufen wir:

  • ein ganz normales Businesshemd für 49,95 Euro
  • ein buntes Freizeithemd für 59,95 Euro
  • ein Kurzarmhemd für 49,95 Euro
  • und als Accessoire eine Krawatte für 29,95 Euro

Kleidung für 189,80 Euro landet in der Tüte. Was verlangen die Konkurrenten Seidensticker und Eterna für vergleichbare Produkte? Auch hier kaufen wir in den jeweiligen Stores ein. Die Überraschung: Alle unsere Test-Tüten haben fast denselben Preis, mit Abweichungen im Centbereich.

Marktcheck checkt Olymp-Hemden (Foto: SWR)
Business-, Freizeit- und Kurzarmhemden sowie Krawatten von Olymp, Seidensticker und Eterna.

Ähnliche Preise bei Olymp, Eterna und Seidensticker

Es gebe keinerlei Preisabsprachen zwischen den Unternehmen, sagt Olymp-Chef Marc Bezner. "Wir haben vergleichbare Beschaffungskosten, sei es im Bereich der Gewebe-Herstellung und Gewebe-Beschaffung oder auch in der Konfektion", so Bezner. "Die Handelsspanne, die der Handelspartner von uns erwartet, ist auch gleich. Von daher kommen wir alle auf eine ähnliche UVP."

Aber gibt es Unterschiede in der Qualität? Im Textilprüflabor der Hochschule Niederrhein lassen wir fünf Hemden von Olymp, Seidensticker und Eterna plus ein teureres von Tommy Hilfiger und ein günstiges Westbury-Hemd von C&A untersuchen.

Wie stabil ist der Stoff der Olymp-Hemden?

Als erstes wird geprüft, wie das Material auf Scheuern reagiert – damit werden Abnutzungserscheinungen simuliert. Hier schneiden alle Hemden ähnlich gut ab.

Marktcheck checkt Olymp-Hemden (Foto: SWR)
Welches Hemd ist nach 10 Wäschen noch glatt?

Welches Hemd ist wirklich bügelfrei?

Alle fünf Hemden werden als "bügelfrei" verkauft. Für einen Knittertest lassen wir die Hemden zehn Mal waschen. Welches wird hinterher wieder glatt?

Hemden von Olymp und Tommy Hilfiger bleiben glatt

Das Hemd von Olymp und das teurere von Tommy Hilfiger schneiden in diesem Check am besten ab - sie sind nach dem Trocknen wirklich bügelfrei glatt. Überraschend gut schlägt sich außerdem das günstige Hemd von C&A, welches nur an der Naht leichte Kräuselungen aufweist. Eterna und Seidensticker schneiden hier weniger gut ab - die Selbstglätte ist schlechter als bei den Vergleichsmodellen und vor allem die Nähte kräuseln sich.

Marktcheck checkt Olymp-Hemden (Foto: SWR)
Gekräuselte Nähte deuten auf mindere Qualität hin.

Übrigens gehört auch die günstigere Marke Marvelis zu Olymp. Zwischen Hemden der beiden Marken gibt es jedoch deutliche qualitative Unterschiede, stellt Professor Lutz Vossebein im Textillabor der Hochschule Niederrhein fest - dies zeigt sich zum Beispiel bei der Bügelfreiheit. Nach 10 Wäschen ist das Marvelis-Hemd (35,95 Euro) deutlich weniger glatt, als das Olymp-Hemd (49,90 Euro).

Image: Wie modisch ist Olymp?

Eine Marktcheck-Straßenumfrage zeigt: Unter Passanten gilt die Marke Olymp als hochwertig und seriös. Auf der anderen Seite werden auch Begriffe wie langweilig, altmodisch und spießig mit ihr verbunden. Daran will Olymp etwas ändern, die Marke soll jünger, moderner und internationaler werden. Dafür hat die Firma unter anderem den Schauspieler Gerard Buttler als Werbefigur verpflichtet. Der neue Slogan heißt: "My Style, my Statement".

Marktcheck checkt Olymp-Hemden (Foto: dpa Bildfunk, Tom Weller)
Die Marke Olymp will jünger und moderner werden. Tom Weller

Doch wie neu und modern ist Olymp wirklich? In einem Blindtest legen wir Design-Dozentin Birgit Ludwig-Fischer und drei ihrer Schülerinnen T-Shirts, Poloshirts und Hemden von Olymp, H&M und Gant vor - die Etiketten wurden abgeschnitten, die Logos übernäht, um die Marken unkenntlich zu machen.

Hemden, Poloshirts und T-Shirts von H&M, Olymp und Gant im Vergleich

Alle drei Hemden haben einen dieses Jahr angesagten Blumenprint. Das H&M-Hemd kostet 15 Euro. Das von Olymp 50, das von Gant das Doppelte. Welche ist modisch gesehen das beste?

Marktcheck checkt Olymp-Hemden (Foto: SWR)
Das Hemd von Olymp (rechts) hat den Mode-Expertinnen besser gefallen als die Waren von Gant (links) und H&M (Mitte).

Die Schnitte sind bei allen drei Hemden sehr ähnlich. Die Details machen den feinen Unterschied. Ohne die Marken zu kennen, finden die Expertinnen das Hemd von Olymp mit einzelnen, filigranen Blumen auf blauem Grund am modischsten.

Marktcheck checkt Olymp-Hemden (Foto: SWR)
Die Polohemden im Check: H&M, Olymp und Gant (von links nach rechts).

Als nächstes sind die Poloshirts im Blindtest dran. Das H&M-Shirt kostet knapp 30 Euro, das von Olymp rund 50, das von Gant rund 90. Wieder macht Olymp den ersten Platz. Und auch bei den drei Streifen-T-Shirts von H&M (8 Euro), Olymp (40 Euro) und Gant (rund 50 Euro) suchen sich die Expertinnen das Olymp-Shirt als die Nummer Eins in Sachen Mode heraus.

Marktcheck checkt Olymp-Hemden (Foto: SWR)
Welches T-Shirt gefällt den Mode-Expertinnen am besten? Von links nach rechts: H&M, Gant, Olymp.

Wir alle waren eigentlich ziemlich erstaunt, wie hochmodisch Olymp ist. Wir hätten hohe Qualität schon mit Olymp in Verbindung gebracht, aber nicht unbedingt trendige Mode.

Birgit Ludwig-Fischer, Designerin

Fairness: Wie geht Olymp mit Mitarbeitern und Zulieferern um?

Laut Betriebsrat und Gewerkschaft sind die Mitarbeiter im Stammwerk in Bietigheim-Bissingen zufrieden. Sie erhalten Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und 30 Urlaubstage. Überstunden werden bezahlt, das Betriebsklima sei gut.
Produziert wird in der Zentrale aber schon lange nichts mehr, es gibt nur noch eine Muster-Näherei.

Produktion in China, Bangladesch, Indien, Indonesien

Herstellen lässt Olymp seine Kleidung von Zulieferer-Firmen - wie viele andere Unternehmen der Branche - in acht verschiedenen Ländern, darunter China, Bangladesch, Indien, Indonesien und Nord-Mazedonien.

Marktcheck checkt Olymp-Hemden (Foto: SWR)
Bernd Hintzmann vom Netzwerk für Saubere Kleidung.

Wir wissen, dass die Länder China, Bangladesch, Indien, aber auch Kroatien, attraktiv sind, weil die Löhne niedrig sind, weil bestimmte Arbeitsrechte eingeschränkt sind, weil Überstunden, verkürzt gesagt, obligatorisch sind und oftmals nicht vernünftig abgegolten werden. Diese attraktiven Standortvorteile nutzt Olymp genauso wie andere Unternehmen der Fashion-Industrie.

Bernd Hintzmann, Netzwerk für Saubere Kleidung

Arbeitsbedingungen bei Orljava in Kroatien

Wir fahren nach Pozega in Kroatien. In der Fabrik Orljava lässt Olymp seit mehr als 50 Jahren produzieren. 2019 feiern Mark Bezner und sein Vater Eberhard das Jubiläum mit dem ältesten Olymp-Produktionspartner. Vor Ort zeigt man uns bereitwillig den Betrieb. Etwa 300 Näherinnen sind bei dem staatlichen Unternehmen beschäftigt. Es ist eng und heiß, eine Klimaanlage gibt es nicht. Rund 70 Prozent der hier produzierten Ware sind Hemden für Olymp. Jasna Beslic hat 28 Jahre bei Orljava gearbeitet, sie war lange Zeit Gewerkschaftsleiterin. Vor zwei Jahren hat sie hingeschmissen - sie hat es nicht mehr ausgehalten.

Marktcheck checkt Olymp-Hemden (Foto: SWR)
Jasna Beslic hat als Näherin unter anderem für Olymp produziert.

"Man wusste keinen Monat, ob man den Lohn erhält oder nicht", berichtet Jasna Beslic. "Es kommt der 30ste im Monat, die Frauen kommen zu dir und wissen nicht, ob sie genug für ihr täglich Brot morgen haben werden." Die ehemalige Näherin spricht von hohem Druck und niedriger Bezahlung. Gezahlt wird der Mindestlohn: umgerechnet 405 Euro. Das entspricht nur etwa einem Drittel der Lebenshaltungskosten in Kroatien. Überstunden seien an der Tagesordnung, bezahlt würden sie aber nicht. Bei den Kontroll-Besuchen von Olymp sei das aber nie ein Thema gewesen.

"Der hat nie die Arbeitsbedingungen kontrolliert"

"Der kontrolliert, ob die Hemden in Ordnung sind.", berichtet die ehemalige Näherin von den Besuchen des Olymp-Kontrolleurs. "Der hat nie die Arbeitsbedingungen kontrolliert." Es sei auch nie jemand von Olymp gekommen, der Kroatisch sprach - auch wenn die Frauen sich beschwert hätten, seien sie nicht verstanden worden. Gewerkschafter Mario Ivekovic erzählt uns: Olymp habe sich bislang nie für die Arbeiter in Kroatien interessiert.

Marktcheck checkt Olymp-Hemden (Foto: dpa Bildfunk, Tom Weller)
Olymp-Chef Marc Bezner. Tom Weller

Konfrontiert mit den Vorwürfen der unbezahlten Überstunden und der mangelnden Kontrollen sagt Olymp-Chef Marc Bezner: "Das höre ich jetzt von Ihnen wirklich zum allerersten Mal. Das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen." Olymp hat mittlerweile eine Vor-Ort-Prüfung der Arbeitsbedingungen bei Orljava durchgeführt und will mögliche Probleme schnellstmöglich abstellen.

Plastikverpackung der Hemden - ist das nachhaltig?

Olymp sieht sich selbst als nachhaltiges Unternehmen. Trotzdem werden die Hemden noch immer in Plastikverpackungen verkauft. Zählt man alle Verpackungsteile eines Hemdes zusammen, inklusive der Klammern und Nadeln, kommt man auf 12 Teile: ziemlich viel für ein einziges Hemd.

Marktcheck checkt Olymp-Hemden (Foto: SWR)
Die Hemden von Olymp sind aufwändig verpackt - ist das noch zeitgemäß?

Dazu Olymp-Chef Marc Bezner: "Die Verpackung ist heute so, wie sie ist, um die Hochwertigkeit des Produktes rüber zu bringen." Würden einzelne Verpackungsteile weggelassen, lasse sich das Hemd im verkauf nicht mehr so perfekt in die Regale oder auf die Ladentheken legen. Er räumt aber ein: "Dennoch haben Sie Recht, das Thema ist auch bei uns im Fokus und ein Mega-Projekt." Olymp will schon bald eine ökologischere Alternative auf den Markt bringen.

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