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Decathlon verspricht hochwertige Produkte zu Discounterpreisen. Wie gut sind Wanderschuhe, Zelte und Fahrräder tatsächlich? Und wie fair ist das Unternehmen? Wir machen den Check.

Sport für jedermann zu günstigen Preisen - das war die Geschäftsidee von Michel Leclercq. Leclercq gehört zur Association Familiale Mulliez einer der wohlhabendsten Familiendynastien Frankreichs. Sie beherrscht ein ganzes Handelsimperium: unter anderem die Einzelhandelskette Auchan sowie die Bekleidungsketten Orsay und Pimkie.

1976 eröffnet die erste Decathlon-Filiale in Nordfrankreich. Zunächst sind 10 Sportarten im Programm, daher auch der Name "Decathlon" – auf deutsch "Zehnkampf".  

Decathlon (Foto: SWR)
Decathlon ist zum Sporthändler Nummer Eins in Deutschland geworden.

1986 eröffnet die zweite Filiale und zwar außerhalb Frankreichs, in Dortmund. Heute gehören mehr als 2.100 Filialen in 57 Ländern zu Decathlon, 83 davon liegen allein in Deutschland, vier weitere Eröffnungen sind für dieses Jahr geplant. Der Deutschlandsitz des Unternehmens liegt im schwäbischen Plochingen.

Check 1: Qualität bei Decathlon

Können Decathlon-Produkte mit teureren Markenprodukten in Punkto Qualität mithalten? Das wollen wir wissen und nehmen Zelte, Wanderschuhe und Fahrräder unter die Lupe. Lesen Sie hier die ausführlichen Checks mitsamt den Ergebnissen nach:

Wie schafft es Decathlon qualitativ mit der teureren Konkurrenz mitzuhalten und trotzdem so viel günstiger zu sein? "Der große Vorteil ist, dass wir von A bis Z alles in unseren eigenen Händen haben, also Forschung und Entwicklung, Design, die Konzeption, Produktion, Logistik bis hin zum Vertrieb", erklärt Decathlon-Deutschland-Chef André Weinert.

Decathlon im Test (Foto: SWR)
Lagerhallen-Charme bei Decathlon - die Filialen sind jeweils tausende Quadratmeter groß.

Eine weitere Stellschraube, um Preise niedrig zu halten, ist die Aufmachung der Filialen. Hier herrscht der Charme von Lagerhallen, auf teures Mobiliar wird verzichtet. Wie effizient Decathlon seine Produkte herstellt und vermarktet, zeigt ein Blick auf die Preiszusammensetzung:

  • Herstellung: 40 Prozent
  • Steuern: 25 Prozent
  • Gewinn: 25 Prozent Gewinn
  • Logistik: 10 Prozent

Die Kosten für Marketing sind zu vernachlässigen – sie sind für einen Sportartikelhersteller auffallend gering.

Naturgemäß wenden Discounter einer Branche wenig Budget für Werbung auf, erklärt Marketing-Experte Professor Markus Voeth. Sie überzeugen durch gute Preise und ein breites Produktsortiment.

Check 2: Image von Decathlon

90 Prozent des Decathlon-Sortiments sind Eigenmarken, diese Produkte stellt der Discounter selbst her. Nahezu jede Sportart hat ihr eigenes Brand: mittlerweile gibt es 85 verschiedene Eigenmarken.

Decathlon (Foto: SWR)
Decathlon umfasst eine unübersichtliche Vielzahl an Eigenmarken.

Die Marke Decathlon steht bei den Verbrauchern in erster Linie für preisgünstige Ware. Dadurch tauge sie eher nicht dazu, mit ihr anzugeben, meint Markus Voeth. "Decathlon hat verstanden, dass der Kunde funktionsfähige, günstige Sportartikel kaufen will. Aber er will nicht unbedingt zu erkennen geben, dass er sie bei Decathlon gekauft hat", so Voeth. Die vielen verschiedenen Marken, die unter Decathlon laufen, würden dabei helfen, dies zu verstecken, so die Meinung des Experten.

Decathlon-Deutschland-CEO Weinert widerspricht: "Decathlon ist die Marke und ich denke, das ist mittlerweile auch jedem bekannt und aussprechbar."

Check 3: Nachhaltigkeit bei Decathlon

In einer Decathlon-Einkaufstüte landen schnell Produkte aus der ganzen Welt. Das Unternehmen hat Produktionsstandorte rund um den Globus. Insbesondere Textilien werden zum großen Teil in sogenannten Niedriglohnländern wie Bangladesch, Sri Lanka oder China produziert. 

Decathlon (Foto: SWR)
Viele Textilien von Decathlon kommen aus Billiglohnländern.

Doch wie sind die Arbeitsbedingungen in den Fabriken von Decathlon? Nayla Ajaltouni arbeitet für die internationale "Kampagne für saubere Kleidung". Sie bemängelt, dass in der Branche weltweit nach wie vor massiv gegen das Arbeitsrecht verstoßen werde. Faire Löhne, die die Existenz der Arbeiter sichern, sind in vielen Ländern nicht vorgeschrieben. Viele Unternehmen kämen ihrer moralischen Verpflichtung, faire Löhne zu zahlen, nicht nach, so Nayla Ajaltouni.

Decathlon (Foto: SWR)
Aktivistin Nayla Ajaltouni: Viele Unternehmen der Textilbranche gewährleisten keine fairen Löhne.

"Das Geschäftsmodell großer Marken wie Decathlon, die zu niedrigen Kosten in sehr großen Mengen produzieren, verbreitet sich derzeit stark", erklärt die Aktivistin. "Die Frage ist doch: Ist es möglich, mit so vielen billigen Arbeitskräften zu produzieren und trotzdem eine verantwortungsvolle Lieferkette zu garantieren? Unsere Antwort lautet nein."

Standards der IAO und OECD sind nicht bindend

Auf Nachfrage, was Decathlon konkret unternimmt, um faire Arbeitsbedingungen und Löhne zu gewährleisten, antwortet man uns: "Wir kommen unserer Verantwortung nach, die Menschenrechte in allen Produktionsstätten unserer direkten Lieferanten und Sublieferanten gemäß internationaler Standards der IAO und OECD einzuhalten." Solche Standards sind für die Unternehmen aber nicht bindend, sondern freiwillige Selbstverpflichtungen. Sie werden weder unabhängig kontrolliert noch werden Verstöße sanktioniert.

Wie stark belastet Decathlon die Umwelt?

Nicht nur die Arbeitsbedingungen sind in der Textilindustrie oft problematisch - auch die Umweltbelastungen durch Abwasser und den CO2-Ausstoß sind enorm. Wie geht das Unternehmen damit um?

Decathlon (Foto: SWR)
Die Textilindustrie belastet die Umwelt teils schwer.

Decathlon verweist auf das markeninterne Label "Ecodesign". Für Kleidungsstücke mit dieser Kennzeichnung wurden beispielsweise recycelte Rohstoffe verwendet. Mehr erfährt der Kunde durch die Kennzeichnung der Produkte aber nicht. Außerdem sind nur sehr wenige Artikel mit diesem Label in den Decathlon-Läden zu finden.

Nachhaltiger Umgang mit Retouren

Ein weiterer Kritikpunkt, insbesondere bei Online-Händlern, ist der Umgang mit Retouren: Oft landen sie im Müll. Decathlon fährt eine andere Strategie. Alle Retouren werden zunächst kontrolliert und, wenn es sein muss, sogar repariert.  

96 Prozent der Produkte gehen sofort zurück in den Verkauf, weil sie noch in Ordnung sind. drei Prozent kommen zu uns, hier werden sie geprüft, auch auf Sicherheitsaspekte. Nur ein Prozent landet tatsächlich im Müll. 

Max Wilsdorf, Leiter Service Center Decathlon

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