Ein Flugticket von Lufthansa (Foto: dpa Bildfunk, Malte Christians)

Reisen in der Corona-Krise

Die Rückflug-Garantie der Lufthansa - alles Marketing?

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Die Bundesregierung will aufgrund der Corona-Pandemie keine Urlauber mehr aus dem Ausland zurückfliegen. Jetzt bemüht sich die Lufthansa mit einer Rückflug-Garantie um Kunden.

Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr hat erklärt: „Wer zurück will nach Deutschland, den bringen wir zurück – sei es, weil er wegen erhöhter Temperatur am Zielort nicht einreisen darf, er dort in Quarantäne müsste oder im Gastland das Virus ausbricht.“

Auf SWR-Nachfrage, wie diese Rückflug-Garantie in der Praxis umgesetzt werden soll, antwortete die Lufthansa, man arbeite aktuell die letzten Details der Rückflug-Garantie aus und werde bald weitere Informationen kommunizieren. „Wir werden voraussichtlich bis nächste Woche auf mehr Informationen warten müssen“, erklärte ein Lufthansa-Sprecher.

Das Lufthansa-Versprechen im Realitäts-Check

SWR-Wirtschaftsredakteurin Jutta Kaiser hält die Rückhol-Garantie für ein sehr gewagtes Versprechen. Es sei alles andere als sicher, dass die Lufthansa es halten könne. Schließlich sei nicht einmal klar, ob der Konzern überhaupt gerettet werde. „Der Wille der Bundesregierung ist da, das neun Milliarden Euro schwere Rettungspaket steht, auch die EU Kommission hat zugestimmt, unter der Voraussetzung, dass die Lufthansa Start- und Landerechte abgibt – aber das letzte Wort haben die Aktionäre der Lufthansa.“


Lufthansa-Rettungspaket fehlt noch die Zustimmung

Die Aktionäre müssen dem Paket bei einer außerordentlichen Hauptversammlung Ende Juni noch zustimmen. „Es gilt als wahrscheinlich, dass die Aktionäre zustimmen werden, aber eine Garantie dafür gibt es nicht. Die Insolvenz des Luftfahrt-Unternehmens ist deshalb auch nicht ausgeschlossen“, erklärt Jutta Kaiser.

Lufthansa wirbt mit allen Mitteln um Kunden

Die Lufthansa versucht alles, damit die Menschen Flüge bei ihr buchen. Und zwar möglichst Touristen, weil Firmen Dienstreisen seit der Corona-Krise sowieso auf ein Minimum heruntergefahren haben. Die SWR-Redakteurin ergänzt: „Für die Lufthansa war es eine Katastrophe, als Bundesaußenminister Heiko Maas klipp und klar sagte, dass keine zweite staatliche Rückholaktion für Urlauber mehr geben werde.“

Große Verunsicherung unter Urlaubern

Wer ins Ausland fliegt, kann nach der Absage von Maas jetzt nicht mehr davon ausgehen, dass er wieder nach Deutschland zurückgebracht wird. Das verunsichert viele Menschen, und sie fragen sich, ob sie den gebuchten Urlaub wie geplant durchziehen sollen. Diejenigen, die noch nicht gebucht haben, dürften ebenfalls aufmerksam werden und erstmal abwarten.

Lufthansa lehnt sich weit aus dem Fenster

Wenn ab 15. Juni Reisen vor allem innerhalb Europas wieder stattfinden können, werde sich zeigen, wie der Reiseverkehr unter Corona-Bedingungen anläuft, meint SWR-Wirtschaftsredakteurin Jutta Kaiser. Es sei noch vollkommen unklar, wie sich die Zahl der Buchungen entwickeln werde: „Von daher ist der Vorstoß der Lufthansa zwar verständlich, weil sie absolut auf die Buchungen angewiesen ist, aber sie lehnt sich damit aus meiner Sicht auch sehr weit aus dem Fenster.“

Reise-Verhalten derzeit schwer vorhersehbar

Die wirtschaftlichen Aussichten für die Lufthansa sind derzeit so gut oder schlecht wie die Chancen bei einem Pokerspiel. Auch wenn die Lufthansa gerettet wird, kann niemand sagen, wie sich die Corona-Situation weiter entwickelt. Wird es eine zweite Welle geben oder nicht? Und wie beeinflusst sie das Reiseverhalten? Es gibt bereits Untersuchungen, dass die gesamte Branche damit rechnet, dass sie Jahre brauchen wird, um sich von dieser Krise zu erholen. Es wird also alles andere als leicht werden.

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