Ein Flugzeug mit Kondensstreifen ist am blauen Himmel zu sehen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa)

Krise im Luftverkehr

Klima, Pandemie, Transformation: Welche Route nimmt die Luftfahrt?

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Wohin führt die Zukunft des Luftverkehrs: Werden Tickets teurer? Flugzeuge umweltfreundlicher? Die Krise verändert viel. Gleichzeitig starten neue Airlines - Flugreisen sind wieder gefragt.

Die Flugbranche ist vorsichtig optimistisch, aber noch in Wartestellung: Am Frankfurter Flughafen wurde das erste Teilstück des neuen Vier-Milliarden-Euro-Terminals erst einmal sozusagen eingemottet. Das Terminal gilt als das größte privat-finanzierte Infrastrukturprojekt Europas.

Der Stuttgarter Flughafen machte das Beste aus der Pandemie und erneuerte früher als geplant einen Teil seiner Start- und Landebahn. Für das Personal sieht es besser aus als am Frankfurter Flughafen.

Das EU-Klimapaket und die Folgen für den Flugverkehr

Die EU-Kommission nimmt mit ihrem Klimapaket maßgeblich Einfluss auf die Entwicklungen. Für den Klimaschutz soll nicht nur der Treibstoff teurer werden. Ursula von der Leyen redet nicht lange darum herum. „Der Ausstoß von Kohlendioxid muss einen Preis haben“, sagt die EU-Kommissionschefin. Und zwar einen Preis, „der Verbrauchern, Herstellern und Entwicklern den Anreiz gibt, sich für saubere Technologien zu entscheiden.“

Auch auf die Fluggesellschaften kommen mit dem Klimapaket der EU höhere Kosten zu:

  • Erstens durch die Reform des Emissionshandels: Bisher bekommen die Airlines die Hälfte ihrer Zertifikate kostenlos - damit soll es schon bald vorbei sein, und die Verschmutzungsrechte dürften schnell teurer werden.
  • Zweitens müssen die Luftfahrtkonzerne dem Kerosin künftig einen steigenden Anteil umweltfreundlicher Kraftstoffe beimischen, die (noch) deutlich mehr kosten als das herkömmliche Flugbenzin.
  • Drittens ist eine Kerosinsteuer für innereuropäische Flüge geplant, die bis 2030 schrittweise angehoben werden soll. Bisher ist Flugbenzin von Abgaben befreit.

Fairness im Konkurrenzkampf mit anderen Verkehrsmitteln

Das darf so nicht bleiben, sagt die grüne Verkehrsexpertin Anna Deparnay-Grunenberg, auch wenn das zu höheren Ticketpreisen führt. „Das wird wahrscheinlich die Folge sein, aber die Umweltbelastung durch den Flugverkehr ist sehr klar, und ich begrüße den Vorschlag der Kommission, da mehr Wettbewerbsneutralität `reinzubringen im Vergleich zu den anderen Verkehrsträgern, die alle ihre Steuern zahlen. Das heißt ja nicht, dass wir nicht mehr fliegen können. Aber wir können wahrscheinlich nicht mehr spottbillig fliegen.“

Preise für Flugtickets werden steigen

Die Lufthansa hat schon mal gerechnet: Sollten die EU-Pläne Wirklichkeit werden, müsste ein Flug mit der deutschen Airline von Madrid nach Tokio über den Flughafen Frankfurt 58 Euro mehr kosten als heute.

Internationale Konkurrenten dagegen könnten diese Reise günstiger anbieten, etwa über ihre Drehkreuze Istanbul oder Dubai, weil die Beimischungspflicht nur für Anbieter aus der EU gelten soll. Bei ihnen würde es - so das Rechenbeispiel der Lufthansa - nur 8 Euro mehr kosten.

Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Airlines

Der CDU-Europaabgeordnete Jens Gieseke hält das für falsch. „Man müsste ein System finden, wo nicht die Airline, sondern der Passagier bepreist wird, mit einer Art Nachhaltigkeitsabgabe, egal mit welcher Gesellschaft man fliegt. Die Vorschläge der Kommission sehen diese Wettbewerbsneutralität allerdings nicht vor.“

Da muss dringend nachgearbeitet werden, findet der Verkehrspolitiker der CDU. Die Warnungen der europäischen Fluggesellschaften hält er für begründet. „Es ist natürlich technisch Lobbyarbeit, aber ich glaube, es ist von der ernsthaften Sorge getragen, dass die Wettbewerbsfähigkeit leidet und dass am Ende tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Wir als Politik sollten das sehr ernst nehmen.“

EU-Kommission beschwichtigt: Passagiere wenig belastet

Allerdings ist längst noch nicht klar, was aus den Plänen am Ende wird. Für die Kerosinsteuer etwa wäre Einstimmigkeit nötig, was Stand heute wenig wahrscheinlich ist – unter anderem, weil Urlaubsländer im Süden Europas um ihre Feriengäste fürchten. Dabei dürften sich nach Einschätzung der EU-Kommission die Mehrbelastungen für die Passagiere durch das Klimapaket in überschaubaren Grenzen halten. Die Brüsseler Behörde rechnet damit, dass die höheren Kosten für das Flugbenzin die Ticketpreise bis zum Jahr 2050 um gerade mal acht Prozent steigen lässt.

SPD-Verkehrsexperte Ismail Ertug: „Wenn man sich diese Werte aus der Folgeabschätzung der EU-Kommission vor Augen führt, dann ist das ein moderater Anstieg, und es ist noch keine ausgemachte Sache, dass sich die Preise so erhöhen werden, dass sich am Schluss keiner mehr oder kein Privatmensch mehr die Reise leisten kann.“

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