An einem Bahnhof warten viele Züge an Bahnsteigen, schemenhaft sind Passanten zu erkennen. (Foto: SWR, Symbolbild)

Immer mehr Angriffe auf Bahnmitarbeiter Bespuckt und beleidigt: Lokführer im Fadenkreuz

Lokführer ist für viele Kinder ein Traumjob. Doch die Realität ist oft brutal: Die Zahl der Angriffe gegen Bahnmitarbeiter hat sich in den vergangenen Jahren fast vervierfacht.

Dauer

Roland Schaub ist Lokführer aus Leidenschaft. Der 61-Jährige aus Singen ist seit fast 40 Jahren im Süden von Baden-Württemberg unterwegs. Der Job als Lokführer macht ihm Spaß – meistens zumindest. Die Technik, das Beschleunigen der Züge, das Fahren von A nach B – für Roland Schaub ein wunderbares Erlebnis.

Allerdings musste der Lokführer in den vergangenen Jahren auch die Schattenseiten seines Berufs kennen lernen: Von Fahrgästen wurde er schon mehrfach beleidigt, bespuckt und bedroht. In Singen wartete er einmal nach einer Pause im Zug, als am Bahnsteig ein Mann auf ihn zukam und ihn vulgär beschimpfte – angeblich, weil er ihn einmal nicht mitgenommen habe.

„Der Mann spuckte in meine Richtung und bedrohte mich: Ich solle ja nicht aus dem Zug aussteigen, sonst würde etwas passieren.“

Roland Schaub, Lokführer aus Singen

Schwindender Respekt vor Bahnmitarbeitern

Roland Schaub hat Anfang der 80er-Jahre als Lokführer angefangen. Damals sei der Respekt der Fahrgäste gegenüber dem Bahnpersonal noch deutlich größer gewesen. Mittlerweile gehören Beleidigungen und Bedrohungen zum Tagesgeschäft, sagt er. Dass die Gewalt gegen Bahn-Beschäftigte stark zugenommen hat, zeigen auch offizielle Zahlen.

In einem Graphen ist die Anzahl der Übergriffe auf Bahnmitarbeiter seit dem Jahr 2012 abgetragen. 2012 wurden noch weniger als 1000 Übergriffe registriert, im Jahr 2018 waren es 2624. (Foto: SWR)
Steiler Anstieg: Die Zahl der registrierten Übergriffe auf Bahnbeschäftigte seit 2012.

Waren es 2010 noch knapp 700 Übergriffe auf Lokführer, Zugbegleiter und Co., waren es im vergangenen Jahr fast viermal so viele: 2018 wurden mehr als 2.600 Attacken auf Bahn-Beschäftigte gezählt – ein trauriger Rekord.

Die Bahn will ihre Mitarbeiter besser schützen

Dabei steht das Thema Sicherheit der Mitarbeiter bei der Bahn dem Konzern zufolge ganz oben auf der Tagesordnung. Die Beschäftigten werden regelmäßig geschult, um mit Angriffen oder Bedrohungen umzugehen. Außerdem wurde die Videoüberwachung an Bahnhöfen und in Zügen ausgeweitet.

Holger Bajohra von der Deutschen Bahn glaubt, dass diese Maßnahmen sich bewähren werden. Dennoch gesteht er ein: „Eine hundertprozentige Sicherheit werden wir natürlich nirgendwo und niemals erreichen.“

Roland Schaub aus Singen reichen die Maßnahmen der Deutschen Bahn nicht. Er fordert mehr Sicherheit für das Zugpersonal. Und er würde sich auch über mehr Respekt von den Fahrgästen freuen. Denn der Lokführer aus Leidenschaft will seinen Beruf auch weiterhin gerne machen: „Ich würde mir wünschen, dass die Gesellschaft nicht weiter so verroht und man wieder stärker aufeinander Rücksicht nimmt.“

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