Alkohol, Zucker & Kohlenhydrate

Fettleber – warum die Erkrankung auch schlanke Menschen treffen kann

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Von einer Fettleber sind ein Viertel aller Menschen betroffen. Zuviel Alkohol, Zucker und Kohlenhydrate sind die Auslöser. Auch schlanke Menschen können an der Leber erkranken.

Die Leber ist das größte innere Organ des Menschen und nimmt im Körper wichtige Aufgaben wahr: Sie ist für die Entgiftung zuständig, speichert Energie und Vitamine und regelt den Gerinnungsfaktor des Blutes.

Die Leber wächst mit ihren Aufgaben

Im gesunden Zustand ist die Leber zuständig für den Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsel. Außerdem baut sie Giftstoffe, Alkohol und Medikamente ab. Je mehr die Leber gefordert wird, desto größer wird sie, denn sie verfettet. So kann sie bis auf das Doppelte ihrer eigenen Größe anwachsen. Eine gesunde Leber wiegt etwa 1,5 Kilogramm. Wenn sie dieses Gewicht stark überschreitet, sprechen Mediziner von einer Fettleber. Etwa ein Viertel aller Deutschen hat eine Fettleber und viele wissen nicht einmal, dass sie davon betroffen sind.

Eine Fettleber entsteht durch zu viel Alkohol oder einer ungesunden Ernährung. Denn auch zu viel Fett, Zucker und Kohlenhydrate belastet die Leber stark. Zwischen den einzelnen Leberzellen entstehen dann Einschlüsse aus Fett und die Leber schwillt an. Betroffen sind oft stark Übergewichtige und Diabetiker. 85 Prozent der Menschen dieser Personengruppe haben eine Fettleber. Menschen mit einer Fettleber haben aber auch ein höheres Risiko, Typ-2-Diabetes überhaupt zu entwickeln.

Die Leber liegt im rechten Oberbauch unmittelbar unterhalb des Zwerchfells. (Foto: SWR)
Die Leber liegt im rechten Oberbauch unmittelbar unterhalb des Zwerchfells.

Fett, Zucker und Kohlenhydrate schaden der Leber

Morgens ein fertiges Müsli, dazu ein Glas Saft und ein Stück Obst – was auf den ersten Blick gesund klingt, ist es leider nicht. Denn in vielen fertigen Müslis sowie in Fruchtsäften steckt viel Zucker. Auch zu viel Fruktose, etwa aus Säften, schädigt die Leber.

Wie viel Alkohol ist okay?

Mediziner empfehlen Männern nicht mehr als 0,6 Liter Bier oder 0,25 Liter Wein am Tag zu trinken. Für Frauen gilt die Hälfte der täglichen Menge als Richtwert. Zudem sollten mindestens zwei Tage pro Woche alkoholfrei sein.

Fettleber und Leberzirrhose

Wird die Leber permanent etwa durch übermäßigen Alkoholkonsum oder eine fett-, zucker- und kohlenhydratreiche Ernährung beansprucht, verfettet sie. Auch schlanke Menschen können davon betroffen sein. Eine verfettete Leber kann vernarben und sich entzünden. Eine solche Entzündung geschieht bei etwa jedem dritten Patienten mit Fettleber. Beides sind schwerwiegende Erkrankungen.

Der Zustand der Fettleber lässt sich durch eine Umstellung der Ernährung sowie durch weniger Alkoholkonsum verbessern – und sogar auf den normalen Zustand zurücksetzen. Auch Bewegung kann einen großen Einfluss auf eine Fettlebererkrankung haben. Welcher Sport sich am besten dafür eignet, ist individuell stark unterschiedlich und kann in speziellen Zentren sport-medizinisch untersucht werden. Generell sollte man eine möglichst hohe Fettverbrennung durch die gewählte Sportart erreichen und eine moderate Gewichtsreduktion anstreben, um der Leber zu helfen. Mit Medikamenten lässt sich eine Fettleber nicht behandeln.

Die sportliche Belastbarkeit kann z. B. auf einem Ergometer gemessen werden. (Foto: SWR)
Die sportliche Belastbarkeit kann z. B. auf einem Ergometer gemessen werden.

Das gefährlichste Stadium ist die Leberzirrhose, bei der auch das Risiko für Leberkrebs wächst. Die Leber hat dann bereits begonnen, ihr Gewebe umzuwandeln.

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Weil Lebererkrankungen über einen längeren Zeitraum entstehen, gibt es viele Möglichkeiten, die Fettleber rechtzeitig komplett zu vermeiden oder wenigstens ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium zu verhindern. Beispielsweise hilft es, gezuckerte Getränke gegen Wasser oder Tee auszutauschen. Bei Übergewicht sollte das Körpergewicht reduziert werden und generell hilft es, wenn die Energieaufnahme durch Essen und Trinken etwas unter dem Energieverbrauch durch Sport und Bewegung liegt. Durch regelmäßige Bewegung lässt sich sogar eine Lebervernarbung wieder abbauen.

Symptome

Meist merken Patienten nichts, da entweder keine Symptome auftreten oder diese unspezifisch sind. So sind Betroffene oft müde oder haben weniger Appetit. Manche Betroffenen fühlen sich außerdem nicht mehr so leistungsfähig. Typisch ist auch ein Druckgefühl oder Völlegefühl im Oberbauch. Die Symptome können bei einer fortgeschrittenen Fettleber klarer und schmerzhafter werden.

Großes Blutbild: Leberwerte bringen Licht ins Dunkle

Der Zustand der Leber kann durch ein großes Blutbild bestimmt werden. Der Arzt nimmt dem Patienten dazu Blut ab und ein Labor bestimmt mehrere Leberwerte. Anhand dieser Werte kann erkannt werden, ob der Patient eine Fettleber hat oder nicht – und ob diese auf übermäßigen Alkoholkonsum zurückzuführen ist. Ältere Menschen sollten einmal im Jahr ihren Arzt nach einem großen Blutbild fragen, bei jüngeren Menschen reicht ein Intervall von zwei bis drei Jahren.

Wie weit die Lebererkrankung fortgeschritten ist, kann ein Arzt mithilfe einer Elastographie erkennen. Der sogenannte CAP-Wert misst den Leberfettgehalt, ähnlich wie der Ultraschall, nur noch feiner.

Vorsorgeuntersuchung Gesundheits-Check-up

Die gesetzlichen Krankenkassen sowie die privaten Krankenversicherungen übernehmen in der Regel die Kosten für eine Blutuntersuchung, sofern diese medizinisch notwendig ist. Dabei wird oftmals ein großes Blutbild erst dann angefordert, wenn das kleine Blutbild auffällig war.

Unabhängig davon haben gesetzlich Versicherte über 35 Jahre im Rahmen des Gesundheits-Check-ups alle drei Jahre einen Anspruch auf eine Blutuntersuchung. Hier wird von den Krankenkassen allerdings nur das kleine Blutbild bezahlt, bei dem keine Leberwerte bestimmt werden. Zwischen 18 und 34 Jahren übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung einmalig die Kosten. Bei der Untersuchung für junge Menschen ist ein Blutbild allerdings standardmäßig nicht dabei.

Mediziner empfehlen der Politik, die Überprüfung der Leberwerte in den Gesundheits-Check-up aufzunehmen. Menschen, die den Eindruck haben, sie könnten von einer Fettleber betroffen sein, da sie beispielsweise zu viel Alkohol oder Zucker zu sich nehmen, können ihren Hausarzt gezielt darauf ansprechen.

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