Zwei Minischweine (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Kommentar

TV-Werbespot für Landwirtschaft: Falsches Bild von Bauernhof-Idylle

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Zur besten Sendezeit läuft gerade ein TV-Spot, der für die Landwirtschaft werben soll. SWR-Umweltredakteur Martin Thiel hofft, das er trotz Klischees wichtige Fragen aufwirft.

Leckeres Rührei, Brot, Obst und Gemüse, glückliche Ferkel, ein Kälbchen, ein Trecker, ein Bauer auf seinem Feld und seine Familie im Garten bei Sonnenschein: So wollen wir unsere Landwirtschaft. Und so sollen wir sie auch sehen - sagt Christoph Daldrup, der den Spot in Eigeninitiative auf seinem Hof gedreht hat. Alles, was man sieht, gibt es wirklich auf seinem Familienbetrieb. Er hat den Spot gedreht, weil er sagt, die Landwirtschaft wird immer in ein schlechtes Licht gerückt – als Klimasünder, als Tierquäler und Verunreiniger der Böden.

Viel zu wenig wird Daldrups Meinung nach das Augenmerk auf die Leistung der Landwirte gelegt. Denn schließlich versorgen sie uns mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln. Und dafür, sagt er, wird entschieden zu viel an der Landwirtschaft rumgemäkelt. Deshalb der Spot, der das Image aufpolieren soll.

Was Christoph Daldrup in seinem Spot nicht zeigt, sind seine Pflanzenschutzmittel und seine Ställe mit 1.000 Schweinen in Haltungsform 1 und 2 - die Haltungsform, die als Massentierhaltung bezeichnet wird. Das ist in einem Werbespot auch erlaubt, schließlich zeigen Autohersteller auch ihre schicken Flitzer und keine Städte, die im Smog untergehen.

Werbung zeigt immer nur die schöne Seite. Und genau da liegt das Problem: Seine Schweine landen dennoch als Fleisch in den Supermärkten und werden gekauft. – Das nennt man wohl Doppelmoral der Verbraucher. Schwierig wird es auch, weil der Spot von Cristoph Daldrup vom Forum Moderne Landwirtschaft finanziert wurde. Das Forum Moderne Landwirtschaft ist aber eigentlich bemüht, die Kluft zwischen kritischem Verbraucher und modernem Landwirt zu schließen. Sie will aufklären, wie moderne Landwirtschaft funktioniert und tut das auch auf Bauernmärkten genauso wie in den sozialen Medien. Mit Bullerbü hat das meist wenig zu tun. – Und genau deshalb spaltet der Spot: Von manchen Kollegen wird Daldrup gefeiert. Endlich tut mal jemand was für das Image der Landwirte. Andere kritisieren, dass wieder Klischees bedient werden und der Wunsch der Städter nach Bauernhof-Idylle geschürt wird, die es so nicht gibt.

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Interessant an der Geschichte, an dem Spot ist, dass es weder gewollt war, eine Diskussion über die Methoden der modernen Landwirtschaft anzuregen, noch das vermeintlich falsche Bild von der Bauernhof-Idylle der Städter zu korrigieren. – Wenn der Spot es aber schaffen sollte, dass beides hinterfragt würde, könnte er mehr erreichen, als nur der Landwirtschaft ein besseres Image zu verpassen.

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