STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Können aus Supermarkt-Eiern Küken schlüpfen? Kurze Antwort: Ja! Unser Marktcheck-Küken hat jetzt auch einen Namen.

Im Supermarkt gekaufte Eier sind eigentlich zum Verzehr gedacht. Durch diverse Qualitätskontrollen sollen befruchtete Eier aussortiert werden - eigentlich! Dennoch kommt es vor, dass auch befruchtete Eier unter den Supermarkteiern sind. Aber warum ist das so? Wir haben den Test gemacht und im Supermarkt vier 6er Packs Eier gekauft. Darunter Eier aus Bodenhaltung und Bioeier.

Vier Eierkartons liegen nebeneinander auf einem Tisch. Die Eier sind jeweils beschriftet. (Foto: SWR)
Unsere Testeier (v. links n. rechts) Bioeier "Spitz & Bube" von Rewe, Bioland-Eier von Alnatura, Freilandeier "Beste Wahl" von Rewe und Eier aus Bodenhaltung "Herz Bube" von Penny.

Küken ausbrüten ist kompliziert

Ein Ei aus dem Kühlschrank herausholen und ein Küken darin finden, das ist nicht möglich. Das Ausbrüten von Hühnerküken ist ein komplizierter Prozess, bei dem man viel falsch machen kann. Deshalb sollte man das auch einem Experten überlassen und lieber nicht zu Hause nachmachen. Kleintierzüchter Eduard Schiek aus Urbach östlich von Stuttgart, brütet die Eier für uns in einem speziellen Brutkasten. In ihm herrschen genau 38,3 Grad.

Eier liegen in einem speziellen Brutkasten (Foto: SWR)
Die Eier aus dem Supermarkt liegen am ersten Tag im Brutkasten. Noch ist nicht bekannt, welche davon befruchtet sind.

Die Eier müssen jeden Tag gewendet werden, damit sich die Wärme gleichmäßig verteilt. Erst nach sieben Tagen kann der Züchter zum ersten Mal schauen, ob die Eier kleine Äderchen aufweisen. Dies tut er, in dem der das Ei durchleuchtet, oder wie es unter Züchtern heißt, geschiert wird.

Ein befruchtetes Ei bei der Durchleuchtung weist kleine Äderchen auf (Foto: SWR)
Bereits nach sieben Tagen im Brutkasten erkennt man an den Äderchen, dass das Ei befruchtet ist. Nach weiteren fünf bis sieben Tagen sieht das Ei beim Schieren (Durchleuchten) so aus, als wäre es voll, wie auf dem Bild zu sehen ist.

Die befruchteten Eier bleiben im Brutkasten. Alle anderen werden aussortiert. Insgesamt vier Mal werden die Eier durchleuchtet bis nach 21 Tagen die Küken schlüpfen können. Und tatsächlich: Bei den Rewe-Bioeiern "Spitz & Bube" sind alle sechs Eier befruchtet. Kleintierzüchter Eduard Schiek hat sich schon vor dem Versuch bereit erklärt, Küken, die möglicherweise schlüpfen werden zu übernehmen. Aber wie kann es sein, dass bei Eiern, die eigentlich zum Verzehr gedacht sind, theoretisch Küken schlüpfen können?

Befruchtete Eier sind eher Bio

Robby Andersson von der Hochschule Osnabrück ist Professor für angewandte Geflügelwissenschaften. Er sagt, dass es vor allem bei Bio-Eiern vorkommen kann, dass sie befruchtet sind. Auf den Höfen seien unter den Hühnern auch Hähne. Die schützen Freiland-Hühner vor natürlichen Feinden, wie dem Habicht. Dennoch gilt auf den großen Höfen eigentlich eine strikte Qualitätskontrolle um zu verhindern, dass befruchtete Eier in den Handel kommen. Ganz Ausschließen könne man das aber nie.

Auch befruchtete Eier kann man bedenkenlos essen

Wichtig ist: Die Eier sind völlig ungefährlich. Sie schmecken genauso wie andere Eier und sind auch für die Gesundheit unbedenklich. Andersson sagt, wenn die Eier frisch gekauft werden und unter 25 Grad lagern, dann könne keine weitere Zellteilung stattfinden. Also ist es auch nicht möglich, dass aus dem Kühlschrank plötzlich ein Küken hüpft.

Unser Küken allerdings, das hüpft jetzt wirklich herum, und zwar auf dem Hof von Kleintierzüchter Eduard Schieck. Es hat als einziges der sechs befruchteten Eier geschafft zu schlüpfen.

Ein frisch aus gekauften Rewe-Bioeiern geschlüpftes Küken nach sieben Tagen (Foto: SWR)
Unser geschlüpftes Rewe-Küken etwa 10 Minuten, nachdem es aus dem Ei kommt. Noch ist sein Gefieder feucht.

Bei seiner "Geburt" ist das kleine Küken noch verletzlich und feucht aber bald wird es sich in ein weißes Huhn entwickelt haben, so Schiek – oder in einen Hahn. Das Geschlecht lässt sich nämlich bei jungen Küken nur schwer feststellen.

Ein aus gekauften Rewe-Bioeiern geschlüpftes Küken nach sieben Tagen (Foto: SWR)
Und nach sieben Tagen sieht der kleiner Racker schon richtig flauschig aus.

Und tatsächlich: Mitte Mai ist aus dem kleinen Flauschball ein jugendliches Hähnchen geworden. Und nun ist es auch höchste Zeit für einen Namen.

Darum können Küken auch aus Supermarkteiern schlüpfenDass Küken auch aus Supermarkteiern schlüpfen können, klingt für euch erstmal absurd und ekelig? Unsere Moderatorin Hendrike Brenninkmeyer erklärt, warum befruchtete Eier im Supermarkt trotzdem unbedenklich sind und hat am Ende des Videos auch noch eine kleine Aufgabe für euch.Gepostet von Marktcheck am Dienstag, 14. April 2020

Marktcheck-Zuschauer haben dafür Vorschläge eingereicht, Calimero oder Tweety waren beispielsweise dabei. Das Rennen hat jedoch ein anderer Name gemacht: Der kleine Marktcheck-Hahn heißt ab jetzt Checky.

Die Natur setzt sich durch

Auch wenn befruchtete Eier aus dem Supermarkt keine merklichen Unterschiede zu unbefruchteten Eiern aufweisen, hinterlässt der Gedanke, es könne ein Küken schlüpfen, doch einen bitteren Nachgeschmack. Auf der anderen Seite gehören befruchtete Eier nun mal zur Natur dazu und die setzt sich auch in einem industriellen Hühnerstall durch.

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG