Wenn die Hände überall blau leuchten, sind sie keimfrei. (Foto: SWR)

Jährlich bis zu 600.000 Krankenhaus-Infektionen Warum Händehygiene so wichtig ist

Jährlich sterben bis zu 15.000 Patienten in Deutschland. Schuld daran ist auch mangelnde Händehygiene in Krankenhäusern oder beim Arzt.

Dauer

„Keine Chance den Keimen!“ – Das steht auf einem Schild gleich im Eingangsbereich des Diakonie-Klinikums Stuttgart. Daneben ein Spender mit Desinfektionsmittel – einer von vielen im Krankenhaus. Wie es richtig geht, weiß Hygienefachkraft Claudia Gruhler.

In 30 Sekunden sollten die Hände hygienisch sauber sein. (Foto: SWR, Foto : Stefanie Peyk)
In 30 Sekunden sollten die Hände hygienisch sauber sein. Foto : Stefanie Peyk

Ich habe jetzt drei Milliliter Desinfektionsmittel in meinen Händen und verreibe die. Ich nehme alle Stellen mit, die einzelnen Finger, den Fingerfalz, die Finger-Zwischenräume, und verreib die, bis es trocken ist. Im Ganzen sagt man so 30 Sekunden.“

Claudia Gruhler, Diakonie-Klinikum Stuttgart

Wenn Helfer zu Killern werden

Gefährlich kann es zum Beispiel werden, wenn Keime in die Lunge gelangen, in frische Operationswunden, in die Harnblase oder in die Blutbahn. Dann drohen Lungenentzündungen, Wundinfektionen, Blasenentzündungen oder eine Blutvergiftung.

Etwa drei bis fünf von 100 Patienten in Deutschland holen sich während ihrer Krankenhausbehandlung eine Infektion, laut Angaben des Aktionsbündnisses Patientensicherheit von 2015. Fast jede zehnte Klinik-Infektion werde durch multiresistente Erreger hervorgerufen, also Keime, bei denen viele Antibiotika nicht mehr wirken.

Gründliches Händedesinfizieren muss man üben

Hände-Hygiene ist das A und O, um die Verbreitung von Erregern zu verhindern – egal, ob nun antibiotikaresistent oder nicht. Dazu gibt es auch die Aktion Saubere Hände in deutschen Gesundheitseinrichtungen. Claudia Gruhler schult die Klinik-Mitarbeiter in Stuttgart mit einem fluoreszierenden Desinfektionsmittel. Unter Schwarzlicht leuchten die desinfizierten Hände dann blau – wie früher in der Disco. Wenn die Desinfektion nicht gründlich genug war, bleiben dagegen manche Stellen dunkel. Die Hygiene-Expertin erklärt, dass Pflegekräfte Händedesinfizieren üben müssen, damit es im Berufsalltag schnell geht. Das Hygiene-Ritual muss perfekt sitzen.

80 bis 120 mal Händedesinfizieren pro Schicht

Auf der Intensiv-Station kann es vorkommen, dass sich eine Krankenschwester 80 bis 120 Mal pro Schicht die Hände desinfizieren muss oder sogar noch öfter. Die Haut komme damit klar, erklärt Claudia Gruhler – dank Rückfettern in der Desinfektionslösung und mit Hilfe von Pflegecremes.

In Kliniken erinnern Schilder an Hygiene-Regeln. (Foto: SWR)
In Kliniken erinnern Schilder an Hygiene-Regeln.

Ersatz-Rituale für das Händeschütteln

Hände werden zu einem Herz geformt (Foto: Colourbox, Fotograf: Sergii Dashkevych)
Fotograf: Sergii Dashkevych

Auch wenn wir es von Kindheit an lernen, jemandem aus Höflichkeit und als Ausdruck von Respekt die Hand zu reichen – im Krankenhaus ist das eher nicht zu empfehlen. Alternativ kann man winken, bewusster lächeln oder ganz kreativ: mit Daumen und Zeigefingern ein Herz formen.

Vor dem Kochen, vor dem Essen, nach dem WC

Ein gesunder Mensch zu Hause hat Desinfizieren nicht nötig, gründliches Händewaschen reicht nach Ansicht vieler Fachleute aus.
Und sie raten:

  • Händewaschen mit Seife auf jeden Fall immer vor dem Kochen,
  • nach dem Berühren von rohem Fleisch oder Eiern,
  • vor dem Essen
  • und nach dem Gang zur Toilette.

Eine Handcreme verhindert, dass die Haut austrocknet.

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