STAND
AUTOR/IN

Um trotz steigender Corona-Fallzahlen Urlaub über Ostern möglich zu machen, schlagen einige Bundesländer kontaktlose Reisen vor. Was ist darunter zu verstehen?

Osterferien an deutschen Urlaubsorten soll zu gefährlich sein, aber nach Mallorca heben schon wieder die Flieger ab? Kaum ein Thema rund um die Corona-Schutzmaßnahmen polarisiert derzeit ähnlich stark wie das Reisen an Ostern.

Das Robert Koch-Institut hat am 14.03. die Balearen von der Liste der Corona-Risikogebiete gestrichen, das Auswärtiges Amt hat daraufhin seine Reisewarnung für die Inseln gekippt. Dass erste Tourist*innen aus Deutschland nun wieder die mallorquinischen Strände bevölkern, während an Nord- und Ostsee, im Schwarzwald und in den Alpen Hotels und Ferienwohnungen geschlossen sind, stößt nicht nur den hiesigen Gastronomen sauer auf.

Reisen in Selbstversorgerhäuser sollen möglich sein

Vor der nächsten Bund-Länder-Konferenz am 22.03. melden sich nun die drei Küstenbundesländer mit einem Vorschlag, der Kurztrips über Ostern in Deutschland möglich machen soll: Unter dem Titel "kontaktarmer Osterurlaub" haben sie ein entsprechendes Konzept veröffentlicht.

Das besteht im Großen und Ganzen aus drei Punkten: Zunächst sollen die Bürger*innen bei der Wahl ihres Urlaubsziels auf ihr eigenes Bundesland beschränkt sein. Heißt: Für Baden-Württemberger*innen käme grob gesprochen nur eine Destination zwischen Bodensee und Odenwald in Betracht, Rheinland-Pfälzer*innen müssten sich auf ein Ziel zwischen Südpfalz und nördlichem Westerwald festlegen.

Bei der Wahl ihrer Herberge wären sie allerdings auch nicht vollkommen frei. Denn als zweite Auflage sieht das Konzept vor, dass Urlauber*innen nur in Einrichtung mit Selbstversorgung und eigenen sanitären Anlagen absteigen sollen. Darunter zu verstehen sind Ferienwohnungen und Ferienhäuser, Campingwagen und Wohnmobile. Heißt: Übernachtungen in Hotels, wo sich viele Urlauber*innen am Frühstücksbüffet oder beim Abendessen im Hotelrestaurant begegnen könnten, könnte weiter verboten bleiben.

Beherbergung nur nach Corona-Schnelltest

Schließlich soll der Check-in in Ferienwohnung oder am Campingplatz nur erlaubt sein, wenn die Urlauber*innen kurz vor der Anreise einen negativen Corona-Schnelltest vorlegen. Damit wären die Auflagen an diesem Punkt weicher als beim Urlaub nach Mallorca: Bei der Ankunft müssen Tourist*nnen nämlich einen negativen PCR-Test vorlegen. Ein Schnelltest reicht zur Einreise nicht. Außerdem sollen nach den Vorstellungen der Küstenländer in den Beherbergungsbetrieben Hygiene und Kapazitätsbeschränkungen gelten, die von den zuständigen Bundesländern festzulegen wären.

Kritik vom Hotel- und Gaststättenverband

Beim Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Baden-Württemberg stößt der Vorstoß auf wenig Gegenliebe. Vor allem, dass Hotels geschlossen bleiben könnten, sorgt für wenig Verständnis:

"Hotels haben in den Vergangenheit immer wieder unter Beweis gestellt, dass sie kontaktarmes Übernachten möglich machen können."

Durch Abpacken und Portionieren von Speisen werde schon derzeit bei Tagungsreisen der Kontakt zwischen den Gästen auch beim Essen stark reduziert. Im Zweifel könnte die Tourist*innen sogar auf den Zimmern mit Mahlzeiten versorgt werden.

Dehoga: Hoteliers sollen keine Ersatzsheriffs sein

Auch der Ansatz, den Tourismus auf das eigene Bundesland zu beschränken, beinhaltet dem Dehoga zufolge einige Fallstricke. "Das könnte darauf hinauslaufen, dass Betreiber*innen von Übernachtungsbetrieben als Ersatzsheriffs auftreten müssten, die Gäste vor Ort wieder wegschicken müssen. Da sind unschöne Szenen denkbar", so Tobias Zwiener vom Dehoga.

Sollte sich dafür eine Lösung finden und die Hotels in das Konzept einbezogen werden, könnte der kontaktarme Urlaub allerdings für viele Betriebe auch eine Chance sein. Immerhin gebe es in Baden-Württemberg einige Tourismusgebiete, die vor allem von regionalen Urlaubern aufgesucht werden. "Alles, was in diesem Sinne irgendwie in Richtung einer Öffnungsperspektive geht, würde uns helfen", so Zwiener.

Deutschland

Diskussion um Tourismus-Öffnungen Im Oster-Urlaub alle 48 Stunden zum Schnelltest?

Die Arbeitsgemeinschaft Europäische Reiseunternehmen hat einen Vorschlag: Hotels sollen mit einer 48-Stunden-Teststrategie öffnen. Das könnte auch auf Mallorca funktionieren.  mehr...

Pro und Contra Jetzt den Osterurlaub schon knicken?!

Fällt auch dieses Jahr der Osterurlaub wegen Corona flach? Manche Politiker empfehlen jetzt schon, keine Reise zu planen. Hier sind Argumente dafür und dagegen.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Was ist trotz Corona möglich? So werden die Osterferien für Rheinland-Pfälzer

Endlich wieder Urlaub machen, vielleicht sogar schon über Ostern? Das wünschen sich viele Menschen in Rheinland-Pfalz. Auf was können sie nach den Bund-Länder-Beratungen hoffen?  mehr...

Zur Sache Rheinland-Pfalz! SWR Fernsehen RP

STAND
AUTOR/IN