Foto eines bunten Kleides, das nur als virtuell exisitiert. Trotzdem aber gekauft werden kann. (Foto: Pressestelle, TheFabricant)

Designermode im Metaverse

Digitale Mode: Stoffe, die nur virtuell getragen werden können

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Ingemar Koerner
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Petra Thiele
SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele (Foto: Dirk Bannert)

Diese Kleider sehen immer perfekt aus: Anziehen ist aber unmöglich - nur der eigene Avatar kann digitale Fashion tragen. Und wie im echten Leben gibt es teure und günstige Fummel.

Programmieren statt Schneidern: Digital Fashion-Firmen - aber auch bekannte Unternehmen wie Adidas oder Gucci - haben bereits Kollektionen von Kleidungsstücken, die nur aus Daten bestehen. Gekauft oder ersteigert werden diese Stücke meist fast genauso wie echte Klamotten: Ein Klick und der Mantel landet im Warenkorb. Zweiter Klick: zur Kasse. Doch bevor bezahlt wird, muss der Käufer ein Bild von sich hochladen. Auf diesem Foto wird ihm oder ihr der Mantel sozusagen "digital angezogen".

Simon Graff trägt auf einem Bild einen digitalen Mantel. (Foto: Simon Graff auf Instagram/(simon.xr.tech) )
Simon Graff zeigt auf seiner Instagram-Seite einen digitalen Mantel. Simon Graff auf Instagram/(simon.xr.tech)

Digitale Mode kann auch Flammen schlagen

Simon Graff hat das schon mehrfach gemacht. Er ist Gründer und Geschäftsführer von "ForReal" – einer Beratungsagentur rund ums Metaverse. Das virtuelle Lieblingskleidungsstück von Simon Graff sind momentan Buffalo-Schuhe. Graff findet es auch toll, dass sie animiert sind und dann Flammen an der Seite lodern. "Das sieht etwas kitschig aus, aber ich finde es ganz charmant."

Bezahlen mit Kryptowährungen

Für seinen virtuellen Kleiderschrank hat Simon Graff echtes Geld ausgegeben. Das musste er zwar erst in digitale Kryptowährungen eintauschen – dennoch sind viele Preise vergleichbar mit denen von echter Kleidung. Für sein teuerstes virtuelles Kleidungsstück hat Graff 160 Euro bezahlt, sonst kauft er meist Sachen für um die 40 Euro. Die digitale Mode zeigt er dann auf Instagram.

Digitale Turnschuhe innerhalb weniger Minuten ausverkauft

Von dem neuen Hype wollen auch große Marken wie Adidas, Gucci oder Nike profitieren. Ende 2021 hat Nike das französische Start-Up RTFKT gekauft. Die Marke hatte im Februar 2021 in wenigen Minuten 3,1 Millionen Dollar verdient – für 621 Paar digitale Sneaker. Sie sind durch die NFT-Technologie verschlüsselt, das bedeutet eine Datei und ein Design formen ein Einzelstück. Das ist wichtig, weil es diesen "Megatrend der Individualisierung" gibt, erklärt Marina Baum. Sie ist Professorin an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen.

Digitale Sneaker auf der Internetseite des franzöischen Digital-Fashion Labels RTFKT, das von Nike aufgekauft wurde. (Foto: Pressestelle, rtfkt.com)
Innerhalb weniger Minuten verkaufte das französische Digital Fashion-Label RTFKT digitale Turnschuhe für 3,1 Millionen Dollar. Pressestelle rtfkt.com

Megatrend der Individualisierung

Marina Baum forscht zur Bekleidungskonstruktion und 3D-Simulation von Textilien. Sie meint, bei der Individualisierung spiele virtuelle Kleidung eine große Rolle, weil sie auch wie im richtigen Leben als Kommunikationsmedium dienen würde. Individualität kann bisweilen auch teuer sein: 2019 sorgte das niederländische Digital Fashion House "The Fabricant" für Aufsehen. Es verkaufte ein rein digitales Kleid für umgerechnet knapp 9.000 Euro.

Tiara: Ein digitaler Haarschmuck für 300.000 US-Dollar

Digital Fashion gilt generell als Wachstumsmarkt: Die Investmentbank Morgan Stanley prognostiziert, dass allein die Luxusmodemarken im Jahr 2030 rund 50 Milliarden Dollar Umsatz im Metaverse machen werden. Verkauft oder versteigert werden digitale Stücke meist mit Hilfe eines NFT-Token. Ein NFT - Non-fungible Token - schützt die Rechte des Eigentümers an beispielsweise einem digitalen Kunstwerk, einer digitalen Jogginghose oder einem digitalen Schmuckstück.

So ging ein Haarschmuck namens "Impossible Tiara" kürzlich für 300.000 Dollar bei einer Auktion an einen Käufer, der die Tiara allerdings nie auf seinem Kopf spüren wird. Das italienische Designer-Duo Dolce & Gabbana entwarf die Tiara nur am Computer. Schon zuvor hatten die Italiener Erfahrungen mit digitaler Mode - aber auch mit echten Tiaras - gemacht.

Die rein digitale "Impossible Tiara" von Dolce & Gabbana wurde für mehr als 300.000 Dollar versteigert.  (Foto: Pressestelle, COURTESY OF DOLCE & GABBANA)
Der Datensatz für diese "Impossible Tiara" wurde für mehr als 300.000 Dollar versteigert. Pressestelle COURTESY OF DOLCE & GABBANA

Mobbing unter Jugendlichen auch bei virtueller Kleidung ein Problem

Doch bereits jetzt schon gibt es altbekannte Schwächen im System Mode, beschreibt Metaverse-Unternehmer Simon Graff. "Mobbing ist so ein Thema." Es sei jetzt schon so - meist auf Videospiel-Ebene - dass Jugendliche, die in ihren Games mit einem Basis-Avatar herumlaufen, gemobbt werden von ihren Mitschülern.

Ein Basis-Avatar ist in der Regel mit einfacher Kleidung ausgestattet. Ihm fehlt modischer Schnickschnack. Genau darauf würde aber inzwischen auch in bestimmten Gruppen von Jugendlichen geachtet, so Graff.

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