Bitter statt süß

Wie viel Kinderarbeit steckt in der Schokolade?

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Rund neun Kilo Schokolade nascht jeder Deutsche pro Jahr. Doch nur die wenigsten denken daran, wie der Kakao in der Schokolade produziert wurde. Kinderarbeit bleibt ein Problem.

Vorweihnachtszeit ist Schokoladenzeit. Doch der Appetit kann einem schnell vergehen, wenn man über die Herkunft der Süßigkeit nachdenkt. Kinderarbeit ist gerade beim Kakaoanbau immer noch sehr verbreitet. Der Kakaobaum wächst nur an wenigen Orten weltweit, etwa in Äquatornähe. Deshalb wird der meiste Kakao mittlerweile in Westafrika, vor allem an der Elfenbeinküste, aber auch in Ghana oder Nigeria angebaut. 76 Prozent der weltweiten Ernte kommen von dort. Wenn alles gut läuft, gewinnen die Bauern aus den Kakaobohnen eines ganzen Baums gerade einmal ein halbes Kilo Rohkakao. Auf einen Hektar hochgerechnet sind das 400 Kilogramm. Zum Vergleich: Ein Orangenbauer erntet pro Hektar rund 15.000 Kilogramm.

Kakao kostet wenig

Dennoch ist Kakao günstig: Für ein ganzes Kilogramm, also die Ausbeute von zwei Bäumen, bekommt der Bauer im Schnitt nur einen Euro. Das begünstigt Kinderarbeit und die ist – auch wenn viele Schokoladenproduzenten es gerne herunterspielen – immer noch weit verbreitet. Mehr als zwei Millionen Kinder arbeiten mehreren Studien zufolge auf Kakaoplantagen in Ghana und der Elfenbeinküste, viele von ihnen in gefährlichen Bereichen wie der Brandrodung oder dem Versprühen von Pestiziden.

Kind hilft beim Trocknen von Kakaobohnen (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Im Kakaoanbau ist Kinderarbeit immer noch üblich. Picture Alliance

Branche gelobt immer wieder Besserung

Eigentlich haben die Schokoladenhersteller schon 2001 vertraglich vereinbart, dass bis zum Jahr 2008 Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen verboten werden sollte. Passiert ist seither bei Weitem nicht genug. Das liegt auch daran, dass Länder wie Ghana oder Nigeria nicht gerade für ihre transparenten Strukturen bekannt sind und sich Arbeitsbedingungen dort oft nur schwer kontrollieren lassen. Aber auch die Schokoladenindustrie verfolgt das Thema nur halbherzig und schiebt die Schuld für Kinderarbeit auf Plantagenbesitzer und Zwischenhändler. Tritt das geplante Lieferkettengesetz in Kraft, müssen die Hersteller zukünftig dokumentieren, wie bei der Produktion die Menschenrechte eingehalten werden. Die deutsche Schokoladenindustrie berichtet gerne, dass 72 Prozent ihrer Produkte zumindest teilweise nachhaltig und fair produzierten Kakao enthalten und viele sind auch tatsächlich an entsprechenden Programmen beteiligt.

Mehrere Stücke Schokolade auf einem Holztisch und loses Kakaopulver (Foto: imago images, Imago)
Kakao wird selten fair gehandelt. Imago

Nur ein Bruchteil des Kakaos wird fair gehandelt

Doch der Weg ist noch lang: Weltweit wurden im vergangenen Jahr knapp fünf Millionen Tonnen Kakao produziert, doch davon nur rund acht Prozent zu wirklich fairen Bedingungen. Ausbeuterische Kinderarbeit ist zumindest bei Schokoladen weitgehend ausgeschlossen, die das Fairtrade Cocoa-Siegel tragen. Es kann dann zwar sein , dass Kinder auf den Plantagen mitarbeiten. Es ist aber gewährleistet, dass sie zur Schule gehen und ihre Ausbildung Vorrang hat.

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