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Eine Studentin lässt sich am Telefon von einem Betrüger übertölpeln. Verzweifelt versucht sie, übers Wochenende bei ihrer Bank eine Überweisung zu stoppen - keine Chance.

Es ist ein Rennen gegen die Zeit. Catharina N. hat 48 Stunden, um einen Betrug zu verhindern. Sie hat 2.500 Euro angespart, für ein Mountain Bike. Alles beginnt mit einem Anruf am Freitagabend in ihrer Studenten-WG. Ein Mann ruft an, gibt sich als Mitarbeiter der Volksbank Stuttgart aus. Dort hat Catharina ein Girokonto. Der Anrufer kennt ihren Namen, ihre Adresse, Geburtsort und sogar den Namen ihrer Bankberaterin. Außerdem sieht sie im Display die Nummer der Volksbank. Deshalb vertraut sie dem Anrufer.

Datenklau und der Wettlauf gegen die Zeit

Angeblich will jemand aus London auf ihr Konto zugreifen und 2.500 Euro abbuchen. Um das zu verhindern, blieben nur fünf Minuten. Um ihr Geld zu retten, gibt Catharina dem Anrufer insgesamt drei TANs durch. Als sie auflegt, ist ihr klar: "Das war kein normaler Anruf, der war nicht von der Bank. Da stimmt was nicht." Im Onlinebanking sieht sie tatsächlich, der Betrüger hat eine Überweisung von 2.500 Euro an einen Empfänger bei der GLS Bank getätigt. Als Datum für die Ausführung der Überweisung steht dort der 28.9., Montagmorgen. Kurz darauf wird Catharina automatisch aus dem Onlinebanking ausgeloggt und kann sich nicht mehr anmelden: Der Betrüger hat offenbar die Zugangsdaten geändert. Sie kann ihr Geld also nur retten, wenn es ihr gelingt, die Überweisung bis Montag zu stornieren.

Catharina ruft den zentralen Sperr-Notruf an. Hier lässt sie sowohl ihre EC-Karte als auch ihr Onlinebanking sperren. Für Betrugsfälle bieten die Volksbanken zudem eine zentrale Notruf-Nummer an. Dort ist am Freitagabend auch noch jemand erreichbar - aber ohne Zugriff, man könne nur am Montag in der Filiale eingreifen.

So lange will Catharina nicht warten. Am Samstag geht sie zur Polizei und erstattet Anzeige. Auf der Webseite der Volksbank gibt es eine Chat-Funktion. Doch dort ist am Wochenende niemand zu erreichen. Am Montag geht sie direkt früh morgens zur Volksbank-Filiale. Es stellt sich heraus: Das Geld wurde in der Nacht von Sonntag auf Montag bereits um 0:34 Uhr abgebucht. Die Volksbank versucht noch, das Geld von der GLS Bank zurückzuholen, doch der Betrüger hat das Konto schon leergeräumt - das Geld ist weg.

Bank-Hotline am Wochenende oft ohne Zugriff auf Konten

Die Bank rechtfertigt sich, warum die Hotline am Wochenende keinen Zugriff hat: "Das ist tatsächlich wirtschaftlich nicht so einfach möglich. Sie müssen überlegen, 24 Stunden jemanden bereit zu halten, auch am Wochenende." Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft, hat dafür kein Verständnis. Die Volksbank sei Teil der genossenschaftlichen Kreditinstituts-Gruppe. "Und innerhalb dieser Gruppe könnte man das meiner Ansicht nach durchaus hinkriegen."

Catharina macht mit drei Freunden ein Experiment: Sie probieren, ob es bei anderen Banken möglich ist, am Wochenende eine Überweisung zu stornieren. Die Studenten rufen jeweils bei der zentralen Hotline an: bei der Santander Bank, bei der Sparkasse und bei der Deutschen Kreditbank DKB. Nur bei der DKB ist eine Stornierung am Wochenende möglich.

Tipps gegen Telefonbetrug vom Landeskriminalamt

Oliver Hoffmann vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg erklärt, wie Verbraucher sich schützen können. "Eine Bank wird sie niemals anrufen und nach ihrem persönlichen Passwort fragen, nach einer TAN fragen oder auch nach dem Zugang des Online-Kontos." Zudem solle man sich am Telefon niemals zu unüberlegten Handlungen drängen lassen. "Wenn Sie unter Druck geraten, legen Sie den Telefonhörer auf, beenden Sie das Gespräch und rufen Sie Ihre Bank an, verifizieren Sie diesen Anruf oder wenn Sie sich sehr unter Druck fühlen, rufen Sie die Polizei an - im Zweifelsfall auch 110." Catharina hat sich inzwischen damit abgefunden, dass sie ihr Geld vermutlich nicht wiederbekommt.

Beim einem ähnlich gelagerten Betrugsfall geht es ebenfalls um einen TAN-Betrug:

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