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Zahnbürsten sollen Mund und Zähne sauber halten. Doch was ist, wenn die Bürsten selbst zur Keimschleuder werden?

Wir wollen herausfinden, wie lange es dauert bis sich Keime bilden und welche Arten von Erregern sich auf den Bürsten ansiedeln.

Der Marktcheck-Test

Für unsere Untersuchung sammeln wir 37 Handzahnbürsten und elektrische Bürstenköpfe und lassen sie in einem Labor überprüfen. Prof. Dirk Bockmühl von der Hochschule Rhein-Waal erklärt, dass die langanhaltende Feuchtigkeit und Speisereste, die sich zwischen den Borsten sammeln, ideale Bedingungen für das Wachstum von Mikroorganismen bieten. Etwa eine Million Keime finde man auf einer Zahnbürste, so der Mikrobiologe. Zwei unserer untersuchten Zahnbürsten unterscheiden sich davon jedoch dramatisch. Über 100 Millionen Keime lassen sich dort feststellen und das, obwohl eine dieser Bürsten laut dem Besitzer gerade einmal zwei bis vier Wochen benutzt wurde.

Ein Karton, in dem viele, einzeln in Plastiktüten verpackte, Zahnbürsten liegen (Foto: SWR)
37 Zahnbürsten konnten wir sammeln und zur Analyse ins Labor schicken.

Fäkalkeime auf Zahnbürsten

Dirk Bockmühl hat im Rahmen einer Studie auf Zahnbürsten nicht nur viele Bakterien gefunden, sondern diese auch genauer bestimmt. Besonders erschreckend: Auf den Bürsten finden sich Fäkalkeime, also Darmbakterien. Nicht ungefährlich, besonders für Menschen mit geschwächtem Immunsystem: „Das heißt, wenn ich tatsächlich zu viele Fäkalkeime auf der Zahnbürste finde, kann mich das krank machen.“

Wie kommen die Keime auf die Zahnbürste?

Sobald die Toilette gespült wird, werden die Fäkalkeime in winzigen Tröpfchen im ganzen Raum verteilt – auch auf der Zahnbürste. Wer seine Zahnbürste davor schützen möchte und zu einem geschlossenen Gefäß oder einer Schutzkappe greift, verschlimmert das Problem jedoch. Denn unter einer Plastikabdeckung kann die Bürste nur schlecht trocknen, wodurch sich Bakterien und Keime noch schneller ausbreiten können.

Wie kann ich mich vor den Bakterien schützen?

Im Internet finden sich dazu Tipps, wie beispielsweise das Waschen der Bürste mit heißem Wasser oder gar Mundspülung, um die Bakterien abzutöten. Mikrobiologe Bockmühl ist hier aber eher skeptisch: „Das Abwaschen mit heißem Wasser oder das Behandeln mit Mundspülungen wird im Zweifel nicht dafür sorgen, dass ich die Keimzahl sehr stark erniedrige.“

Eine Zahnbürste wird in ein Glas mit Mundspülung getaucht. (Foto: SWR)
Weder Mundspülung noch heißes Wasser helfen gegen die Keime auf Zahnbürsten.

Das Einzige, das wirklich helfe, sei den Mikroorganismen die Lebensgrundlage zu nehmen. „Das ist in dem Fall schlicht und ergreifend die Feuchtigkeit. Das heißt, wenn ich das Wasser wegbekomme, bekomme ich auch die Mikroorganismen eingedämmt." Sein Tipp für die Verbraucher: die Bürsten sorgfältig trocknen lassen. Um den Effekt zu vergrößern, wird sogar empfohlen zwei Zahnbürsten im Wechsel zu nutzen, denn dadurch verlängert sich die Trockenzeit der einzelnen Bürsten.

Außerdem sollte man regelmäßig die Zahnbürste wechseln, spätestens nach drei Monaten. Wer einen Infekt hatte, sollte die Bürste im Anschluss direkt austauschen, ansonsten besteht die Gefahr, dass man sich durch die angesammelten Bakterien erneut ansteckt.

Wie hygienisch sind Bambuszahnbürsten?

Neben konventionellen Plastikzahnbürsten, werden auch Holz- und Bambuszahnbürsten immer beliebter. Sie bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen und gelten als nachhaltige Alternative zu Plastikzahnbürsten. Obwohl häufig mit der antibakteriellen Wirkung von Bambus geworben wird, unterscheidet sich die Keimbelastung nicht von Plastikzahnbürsten. In Bezug auf Schimmel haben sie sogar ein besonderes Problem, denn die Borsten können nicht im Bürstenkopf verschweißt werden. Dadurch entstehen Hohlräume, in denen sich leichter Schimmel bilden kann. Deshalb ist bei Bambuszahnbürsten das sorgfältige Trocknen besonders wichtig.

In unserem Facebook-Beitrag haben wir uns die Bambuszahnbürsten von Dr. Best und The Humble Co. genauer angeschaut. Hier können Sie die ausführlichen Stellungnahmen der beiden Hersteller nachlesen.

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