Viele Hausbesitzer erhalten aktuell Briefe vom Finanzamt zur Grundsteuer. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Deutsche Presse-Agentur GmbH | Bernd Weißbrod)

Grundsteuerreform

Bescheid zur Grundsteuer: Das müssen Sie beachten

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Stephanie Geißler
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Tobias Frey

Nach der Abgabe der Grundsteuererklärung erhalten aktuell viele Grundstückseigentümer Post vom Finanzamt. Wie Sie mit diesen Briefen umgehen sollten, erklären wir hier.

Die Frist zur Abgabe der Grundsteuererklärung läuft noch bis 31. Januar 2023. Rund 46 Prozent der betroffenen Grundstückseigentümer in Baden-Württemberg hatten ihre Grundsteuer-Unterlagen bereits im vergangenen Jahr übermittelt.

Nach der Abgabe der Grundsteuererklärung haben Grundstückseigentümer möglicherweise jetzt schon Post vom Finanzamt erhalten. Ganz wichtig: Das ist noch nicht der endgültige Grundsteuerbescheid. Dieser kommt erst 2024.

Finanzamtbrief enthält Grundsteuerwert und Grundsteuermessbetrag

Der aktuelle Brief des Finanzamtes enthält zwei Schreiben: Zum einen wurde der sogenannte Grundsteuerwert ermittelt.

Hier wurde die Größe des Grundstücks in Quadratmeter multipliziert mit dem sogenannten Bodenrichtwert - das ist der Preis pro Quadratmeter, den ein Gutachterausschuss für die jeweilige Wohngegend ermittelt hat. Wenn zum Beispiel das Grundstück 500 Quadratmeter groß ist und der Bodenrichtwert bei 400 Euro liegt, beträgt der Grundsteuerwert 200.000 Euro.

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Mit dem Grundsteuermessbetrag wird die Grundsteuer bemessen

Zum anderen wird Grundstückseigentümern im Brief des Finanzamtes der Grundsteuermessbetrag mitgeteilt. Damit wird nächstes Jahr von der Gemeinde oder der Stadt die Grundsteuer bemessen.

Der Grundsteuermessbetrag ist eine kleinere Summe in Euro. Dieser Betrag wird von der Kommune mit dem individuellen Hebesatz multipliziert. Der Hebesatz ist von Kommune zu Kommune unterschiedlich und kann beispielsweise auch bei 500 Prozent liegen. Das würde bedeuten, dass der Grundsteuermessbetrag mal fünf genommen wird.

Grundsteuer-Brief: Wie sollten Verbraucher reagieren?

Es empfiehlt sich, den Brief des Finanzamtes sorgfältig anzuschauen und die Daten und Werte prüfen. So sollten Verbraucher überprüfen, ob sie möglicherweise selbst Fehler gemacht haben - zum Beispiel, ob sie auch tatsächlich angegeben haben, dass sie auf dem Grundstück wohnen. Vor allem in Baden-Württemberg kommen Verbraucherinnen und Verbraucher dadurch günstiger weg bei der Grundsteuer.

Außerdem sollten die Quadratmeterzahl und der Bodenrichtwert überprüft werden. Beides kann auf dem Internetportal Boris unkompliziert nachgeschaut werden. Wer Fehler entdeckt, sollte sie zeitnah dem Finanzamt zurückmelden. Wer mit den Werten einverstanden ist, muss nicht reagieren.

Verbraucher sollten den Grundsteuer-Brief des Finanzamtes genau unter die Lupe nehmen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Wüstneck)
Verbraucher sollten den Grundsteuer-Brief des Finanzamtes genau unter die Lupe nehmen. picture alliance/dpa | Bernd Wüstneck

Einspruchsfrist gilt vier Wochen nach Erhalt des Briefes

Einspruch können Verbraucher einlegen, wenn sie die neue Grundsteuer und ihre Berechnung für verfassungswidrig halten. Dieser Einspruch erfolgt beim Finanzamt und muss innerhalb von vier Wochen nach Eingang des Briefes erfolgen, so das Bundesfinanzministerium.

Wer größere Bedenken hat, weil er oder sie der Ansicht ist, dass zum Beispiel der Bodenrichtwert grundsätzlich zu hoch angesetzt ist, kann ein Gegengutachten erstellen lassen. Hier müssen Verbraucher nach Angaben des Bundesfinanzministeriums keinen formalen Einspruch innerhalb von vier Wochen einlegen, dies geht auch noch zu einem späteren Zeitpunkt.

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Diskussionen über Berechnung der Grundsteuer

In Baden-Württemberg gibt es allerdings bei der Berechnung der Grundsteuer Diskussionen, da sie hier im Land maßgeblich auf Basis des Bodenrichtwertes ermittelt wird. Dagegen klagen mehrere Verbände wie zum Beispiel der Bund der Steuerzahler.

Die Verbände finden es nicht in Ordnung, dass Eigentümer in Baden-Württemberg bei gleich großen Grundstücken die gleiche Grundsteuer entrichten müssen, egal ob dort eine Villa oder ein altes Häuschen steht. Die Verbände raten dazu, gegen den Grundsteuerwert-Bescheid Widerspruch einzulegen.

Das Ministerium für Finanzen Baden-Württemberg in Stuttgart sagt hingegen, ihr Modell sei unter dem Strich einfacher und transparenter. Würden Faktoren wie Hausart, Alter und Fläche mitberücksichtigt werden, wäre das nach Ansicht der Behörde ebenfalls wieder fehleranfällig, potenziell ungerecht und ein noch größerer bürokratischer Aufwand.

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