Elektromagnetische Felder

Kochen mit Induktionsherden als unterschätzte Gefahr?

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Lea Spraul
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Annika Erbach
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Thomas Oberfranz

Laut WHO sollen Menschen mit Herzschrittmacher und andere Erkrankte in der Küche vorsichtig mit Induktionsherden sein. Was sagen Experten zur Warnung vor elektromagnetischen Feldern?

90 Prozent der heute verkauften Herde arbeiten mit Induktion.

Wie funktioniert ein Induktionsherd?

Unter der Glasplatte eines Induktionsherdes liegen Spulen, die Magnetfelder im Frequenzbereich von 20 bis 100 Kilohertz erzeugen. Diese Magnetfelder erzeugen wiederum in elektrisch leitenden Töpfen Wirbelströme, wodurch Wärme entsteht und der Inhalt des Topfes erwärmt wird. Damit das Prinzip funktioniert, muss das Kochgeschirr aus geeignetem Material sein. Es kann für das Kochen mit einem Induktionsherd also nicht zwingend der gleiche Topf verwendet werden wie auf einem Elektroherd.

Vor- und Nachteile von Induktionsherden

Ein Vorteil von Induktionsherden ist, dass sie im Vergleich mit Gas- und Elektroherden Töpfe und Pfannen schneller aufheizen, die Kochzeit also sinkt. Zudem wird nur das Kochgeschirr heiß und das Kochfeld bleibt relativ kühl. Verbrennungen und Eingebranntes treten daher selten auf. Dadurch, dass beim Überkochen nichts einbrennen kann, ist eine leichte Reinigung in den meisten Fällen gegeben. 

Eine geringere Kochzeit bedeutet aber auch, dass Kochen selbst schneller abläuft und sich manch ein Koch erst umgewöhnen muss. Außerdem spart schnelleres Kochen Energie beziehungsweise Strom. Das ist gut für die Umwelt, auf den Geldbeutel hat es aber in der Regel nur geringe Auswirkungen, da ein Induktionsherd in der Anschaffung meist deutlich teurer ist.

Zu den Nachteilen eines Herdes mit Induktionskochfeldern zählt, dass bestimmten Personengruppen von der Nutzung abgeraten wird. So sollten Personen mit zum Beispiel Herzschrittmachern bei ihrem Arzt darüber informieren, ob die Funktion des Körperhilfsmittels durch elektrische oder magnetische Felder von Haushaltsgeräten beeinflusst werden kann. In einem Test der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2015 fiel bei manchen Induktionsherden zudem beim Ankochen eines störendes brummendes Geräusch auf.

Angst vor möglichen Gefahren für Körper und Gesundheit haben laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) jedoch viele Menschen. Das Amt erreichen dazu immer wieder  Anfragen. 

Kritiker raten vom Kochen mit Induktionsherden ab

Kritiker warnen vor möglichen Gesundheitsgefahren durch Induktionsherde. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist darauf hin, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass einige Fälle von Leukämie bei Kindern durch elektromagnetische Strahlung ausgelöst worden sein könnten.

Bundesamt für Strahlenschutz: Angst vor Induktionsherden fachlich unbegründet

Die Ängste der Kritiker hält das BfS für fachlich unbegründet. Lediglich Menschen mit Herzschrittmacher sollten Induktionsherde meiden.

„Aus fachlicher Sicht ist die Angst nicht begründet. Wenn Induktionsherde verkauft werden, müssen sie vorher gemäß einer Norm ausgemessen werden und Grenzwerte einhalten und soweit wir den wissenschaftlichen Kenntnisstand haben, ist es dass bei Einhaltung der Grenzwerte keine gesundheitlichen Risiken bestehen.“

Werden die Gebrauchsabstände eingehalten, dann überschreiten Induktionskochfelder den von der Internationalen Kommission zum Schutz von Nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) vorgegebenen Referenzwert für die magnetische Flussdichte für gewöhnlich nicht. Dass magnetische Streufelder auf den Körper treffen und in den Zellen wirken können, ist dann nicht zu erwarten.

Damit die Referenzwerte jedoch nicht erreicht oder überschritten werden, ist es wichtig, dass Kochgeschirr aus geeignetem Material verwendet wird, es keinen unebenen Boden hat oder eine für das benutzte Kochfeld unpassende Größe. Sonst können die Referenzwerte erreicht und gesundheitliche Wirkungen laut BfS nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Das sollten Sie beim Kochen mit einem Induktionsherd beachten

Im Abstand von wenigen Zentimetern um die Kochfelder können Streufelder auftreten. Um die Exposition - also die Strahlung, der Kochende ausgesetzt sein können - möglichst gering zu halten, gibt das BfS verschiedene Ratschläge.

  • Die Pfannen und Töpfe sollten immer genauso groß sein wie die Herdplatte. Auf diese Weise sind aktive Kochzonen möglichst vollständig bedeckt. Wird das Kochgeschirr von der Herdplatte genommen, merkt das ein Sensor, die Stromzufuhr zur Spule im Inneren stoppt und das Magnetfeld verschwindet. 
  • Beim Kochen sollte ein Abstand von fünf bis zehn Zentimetern zu der vorderen Kante des Herds bzw. dem Induktionskochfeld oder zur aktiven Kochzone eingehalten werden.
  • Die Angaben - sowohl vom Herd- als auch vom Kochgeschirr-Hersteller - sollten beachtet werden. Dann sollten in der Umgebung des Induktionsherdes nur geringe Streufelder anzutreffen sein, die mit zunehmendem Abstand abnehmen. 
  • Außerdem sollten Sie besser die hinteren Kochplatten verwenden.

Elektromagnetische Felder im Haushalt: Elektrogeräte, Handy, WLAN

Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit hat zu einzelnen Haushaltsgeräten Fakten über die elektromagnetischen Felder zusammengetragen. Denn nicht nur Induktionsherde erzeugen solche Felder, sondern beispielsweise auch Handys und Mikrowellen.

Das BfS empfiehlt auch für andere Feldquellen einen möglichst großen Abstand einzuhalten und die Dauer der Exposition so gering wie möglich zu halten. Feldquellen sind elektromagnetische Felder, die durch elektrisch betriebene Geräte, WLAN oder Handys erzeugt werden. Das BfS rät deswegen, beispielsweise keine netzbetriebenen Radiowecker am Kopfteil des Bettes aufzustellen und das Babyphone nicht direkt neben Babys und Kleinkindern zu deponieren. Auch sollten Fernseher und Stereoanlagen vollständig ausgeschaltet und nicht auf Standby gelassen werden.

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