Terrassenboden wird mit einem Sprühkopf eines Hochdruckreinigers sauber gemacht (Foto: Colourbox)

Welcher reinigt am besten?

Mit Druck gegen Dreck - Hochdruckreiniger im Test: Kärcher, Nilfisk, Lidl & Bosch

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Jens Schreglmann
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Stefanie Wolny

Damit Balkon, Hauseingang oder Terrasse nach dem Frühjahrsputz wieder strahlen, greifen gegen Schmutz viele zum Hochdruckreiniger. Wir testen Geräte bis 300 Euro. Welches gewinnt? 

Eine schwarze Schmutzschicht, Algenbewuchs und aus den Ritzen zwischen den Terrassenplatten wächst das Unkraut - kein schöner Anblick in der ersten Frühlingssonne. Aber das lässt sich ändern, dafür gibt es Hochdruckreiniger.

Der komprimierte Wasserstrahl soll ruckzuck jede Dreckschicht entfernen. Geht es wirklich so einfach? Was muss man ausgeben für einen Hochdruckreiniger, und worauf ist zu achten beim Kauf? Wir haben Marken- und Discountergeräte in der Preisklasse bis zu 300 Euro gecheckt. 

Vier Hochdruckreiniger im Test

Für den Hochdruckreiniger-Test wurden vier Geräte verschiedener Marken getestet. Alle Reiniger gibt es im Handel unter 300 Euro und enthalten einen Flächenreiniger:

  1. K4 Premium Power Control von Kärcher: Für 299 Euro der K 4 Premium Power Control-Hochdruckreiniger. Er kann durch den Anwendungsberater der Home & Garden App unterstützt werden. Max. Druck: 130 bar.
  2. Parkside PHDP 180 von Lidl: Für regulär 229 Euro der günstigste in unserem Test der PARKSIDE® Hochdruckreiniger PHD 180 B2, max. Druck: 180 bar. 
  3. Bosch AdvancedAquatak 140 ist der Flächenreiniger AquaSurf 280 nicht wie bei den anderen Geräten im Paket enthalten. Hochdruckreiniger und Flächenreiniger kosten zusammen 295 Euro (Bosch Hochdruckreiniger AdvancedAquatak 140, max. Druck: 140 bar. 
  4. Nilfisk Core 150-10 Powercontrol aus Dänemark: Dieser liegt preislich bei 292 Euro (CORE 150-10 POWERCONTROL-EU), max. Druck: 150 bar. 

Welcher Hochdruckreiniger ist der Beste? Die Tennisfreunde Ralf, Dirk, Gloria und Steffi checken die Geräte auf der Terrasse vor dem Clubraum des TV Cannstatt. Der Prüfingenieur Andreas Müller von der SLG Prüf- und Zertifizierungs GmbH schaut sich die Geräte im Labor genauer an und macht den Härtetest. 

Wie funktioniert ein Hochdruckreiniger?

Bei einem Hochdruckreiniger wird Wasser unter sehr hohem Druck durch verschiedene Düsen gepumpt. Die Reinigung erfolgt in der Regel nur mit Wasser. Bei hartnäckigen Verschmutzungen kann man auch Reinigungsmittel hinzugeben. Hierbei ist es wichtig, die Gebrauchsanweisung des jeweiligen Geräts zu beachten. 

Bei unseren Tests werden verschiedene Aufsätze des Hochdruckreinigers verwendet.  Zur Auswahl stehen die Standard-Düse, ein Flächenreiniger und eine rotierende Düse, die besonders bei hartnäckigen Flecken helfen soll. 

Eine Person reinigt mit einem Hochdruckreiniger einen Boden aus roten Ziegelsteinen (Foto: Adobe Stock, bubutu)
Wenn Eimer und Putztuch nicht mehr ausreichen, greifen viele gerne zum Hochdruckreiniger

Der erste Test: Terrasse reinigen

Zunächst werden die Hochdruckreiniger auf einer Terrasse eingesetzt. Es handelt sich hierbei um eine Steinterrasse, die durch die Jahre viel Schmutz angesetzt hat. Die Tennisfreunde probieren nacheinander die verschiedenen Hochdruckreiniger aus, jeweils mit der Flachstrahldüse und mit dem Flächenreiniger. Mit allen Geräten gelingt es ihnen, die Betonplatten von den meisten Verschmutzungen zu befreien.

Im Verlauf des Checks stoßen sie aber auf verschiedene Probleme. Aus den Fugen zwischen den Terrassenplatten lösen sich auch kleine Steinchen: Bei zwei der vier Geräte bricht beim Reinigen mit dem Flächenreiniger ein kleines Stück Plastik aus.

Dazu schreiben uns die Hersteller der Geräte auf Nachfrage, dass es wichtig ist, die Arbeitsfläche zu Beginn zu kehren und erst im Anschluss mit dem Hochdruckreiniger zu reinigen.

Bosch antwortet: 

Auf das Gerät hat das keine Auswirkungen: Es bleibt voll funktionsfähig.

Kärcher schreibt uns:

"Beim Einsatz des Flächenreinigers (T-Racer) rotieren zwei Flachstrahldüsen mit hoher Geschwindigkeit, was für einen großflächigen Schmutzabtrag sorgt. Dabei kann es vorkommen, dass Fremdkörper mit hoher Geschwindigkeit unter die Haube des T-Racers geschleudert werden; im äußerst seltenen Fall kommt es dabei zu Beschädigungen der Kunststoffhaube. Daher sollten beispielsweise größere Steinchen oder bereits loser Fugenkitt vor dem Einsatz des T-Racers von der zu reinigenden Fläche entfernt werden. Die abgelöste Kunstoffrippe beeinträchtigt die Funktion des Flächenreinigers nicht."

Sprühkopf von einem Hochdruckreiniger reinigt Steinfliese (Foto: Colourbox, Ingrid Balabanova)
Ein starker Wasserstrahl eignet sich gut, um den Terrassenboden wieder sauber zu bekommen

Probleme mit Schläuchen und Kabeln

Außerdem fällt den Checkern auf, dass der Schlauch der Geräte von Kärcher und Parkside sichtbare weiße Stellen zurückbehält, wenn er scharf geknickt wird. Es besteht bei ihnen die Sorge, dass der Schlauch an dieser Stelle zukünftig leichter knickt und so im Laufe der Jahre größeren Schaden nimmt.

Dazu äußert sich Kärcher wie folgt: "Unser mitgelieferter, standardmäßig verstärkter Hochdruckschlauch ist für den Einsatz mit einem Hochdruckreiniger ausgelegt und ausgiebig getestet. Wird der Biegeradius des Schlauches unsachgemäß überschritten und zu lange stark geknickt, kann dies auf Dauer zu Beschädigungen oder Undichtigkeiten an dieser Stelle führen."  

Parkside schreibt uns auf Nachfrage zum gleichen Problem, man habe extra einen baugleichen Schlauch untersucht. „Der Hochdruckschlauch wird mit maximaler Kraft 10-mal in untersch. Winkel gebogen, um genannte Beanspruchungen zu simulieren. Bei der Drucktestung mit dem Hochdruckreiniger, sind weder an der simulierten Stelle noch im Kontext des ordnungsgemäßen Betriebs Beeinträchtigungen zu verzeichnen. (…) Trotz mehrfacher physikalischer Belastung des Hochdruckschlauchs (Knicktest, Druck- und Bersttestungen) kann das Risiko eines Schadens im Sinne einer Leckage o.ä. ausgeschlossen werden.“

Bei allen Geräten finden die Checker Vor-, aber auch Nachteile. Am Ende des Checks können sich die vier nicht auf einen Sieger verständigen. Sie sehen die Geräte von Kärcher, Bosch und Parkside gleichauf. Nur der Hochdruckreiniger von Nilfisk hatte ihnen insgesamt nicht ganz so gut gefallen. Durch die leichte Bauweise zweifelten einige Checker an der Verarbeitungsqualität, auch die Reinigungsleistung überzeugte nicht alle.

Flachstrahldüse und Rotordüse: der Härtetest im Labor

Bringt der Labortest ein klareres Ergebnis? Bei der SLG Prüf- und Zertifizierungs GmbH werden die Hochdruckreiniger auf Herz und Nieren geprüft.

Zunächst testet Prüfingenieur Andreas Müller die Abtragsleistung der Hochdruckreiniger mit Hilfe von Betonplatten, die mit weißer Farbe bestrichen wurden. Er reinigt die Platten zuerst mit der Flachstrahldüse und anschließend mit der Rotordüse.

Ein Wasserstrahl wird aus einer Düse eines Hochdruckreinigers auf eine mit weißer Farbe bestrichenen Betonplatte gesprüht (Foto: SWR)
Härtetest an einer Betonplatte mit weißer Farbe

Bei der Rotordüse drehen sich Punktstrahlen in der Düse und gehen aggressiv gegen den Schmutz vor. Deswegen nennt man diese Düse auch Dreckfräse. Aber nicht bei allen Geräten ist sie gleich effektiv.

Bei den rotierenden Düsen erzielt der Hochdruckreiniger von Kärcher deutlich das beste Ergebnis im Vergleichstest: Er hinterlässt so gut wie keine Farbe mehr auf der Platte.

Bei den Flachstrahldüsen ist das Ergebnis umgekehrt: Parkside und Nilfisk arbeiten besser als das Gerät von Kärcher.

Das Schlusslicht in beiden Tests ist der Hochdruckreiniger von Bosch, mit dem schlechtesten Ergebnis bei beiden Düsen.

Vier Hochdruckreiniger der Marken Bosch, Kärcher, Nilsfisk und der Lidl Eigenmarke Parkside stehen nebeneinander (Foto: SWR)
Die Hochdruckreiniger im Test - die Betonplatten von links nach rechts: Kärcher, Parkside, Bosch, Nilfisk. Oben die Ergebnisse der Flachstrahldüsen, unten der Rotordüsen.

Dauerbelastung im Check: Hochdruckreiniger im Langzeit-Test

Beim zweiten Test in der SLG Prüf- und Zertifizierungs GmbH sollen die Hochdruckreiniger Durchhaltevermögen zeigen: Es werden 100 Stunden Nutzung simuliert, in 200 Zyklen - mit Pausen dazwischen. So simuliert das Labor die Nutzung durch einen Verbraucher über zehn Jahre.

Bei diesem Test schaffen es alle Geräte ohne erkennbare Schäden bis ins Ziel - nur der Hochdruckreiniger von Nilfisk nicht. Hier ist nach bereits 40 Stunden ein Antriebsritzel gebrochen, das Gerät ist nach Ansicht des Prüfingenieurs irreparabel beschädigt.

Dazu schreibt uns der Hersteller: "Wir führen umfangreiche Qualitätstests durch und werden von unseren Kund*innen weithin für die hohe Qualität und Langlebigkeit unserer Geräte geschätzt. In Deutschland bieten wir beispielsweise eine lebenslange Garantie von 30 Jahren auf die Motoren und Pumpen unserer Hochdruckreiniger aus dem Endverbraucher-Sortiment. Sollten also unsere Kund*innen einen solchen Fehler mit einem Nilfisk-Hochdruckreiniger erleben, ist dieser durch die Garantie abgedeckt. Es tut uns sehr leid zu hören, dass unser Hochdruckreiniger 'Nilfisk Core 150' bei Ihrem Test einen Fehler hatte. Die Tests des SWR lagen innerhalb der Lebensdauerspezifikation und unsere eigene Qualitätsabteilung hat die Maschine ebenfalls nach denselben Spezifikationen getestet, ohne dass jedoch die Welle gebrochen wäre."

Welcher Hochdruckreiniger ist der Beste?

Das Ergebnis unserer Hochdruckreiniger-Tests im Überblick:  

  • Auf dem letzten Platz landet der Nilfisk Core 150-10 Powercontrol, vor allem durch den Totalschaden im Labor. Aber auch die Praxischecker überzeugte er nicht wirklich.
  • Der Bosch AdvancedAquatak 140 landet auf dem zweiten Platz. Er kann beim Reinigen im Labor nicht punkten.
  • Den Sieg teilen sich der K4 Premium Power Control von Kärcher und der Parkside PHDP 180. Obwohl unsere Praxis-Checker bei beiden Probleme mit den Schläuchen hatten, überzeugen die Geräte mit ihrer Leistung bei der Reinigung und bei der Ausdauer.

Preis-Leistungssieger ist der Hochdruckreiniger von Lidl mit 229 Euro, eindeutig das günstigste Gerät im Test. 

Tipps vom Experten: Der richtige Umgang mit Hochdruckreinigern

Bei der Reinigung mit einem Hochdruckreiniger gibt es einige Dinge, die zu beachten sind:

  • Langsam an das Reinigungsobjekt annähern, um den idealen Abstand zu finden. Ein guter Richtwert sind oft 15 Zentimeter. 
  • Die Standard-Düse wird im Normalfall für Ecken und Kanten verwendet.
  • Der Flächenreiniger wird, wie der Name verrät, auf großen ebenen Flächen angewendet. Sie hat den Vorteil, dass sie den Dreck nicht seitlich zum Beispiel an Häuserwände spritzt.

Die Rotordüse sollte nur in Einzelfällen und mit Bedacht eingesetzt werden, so unser Experte.

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