Warnstreiks im öffentlichen Dienst Kitas, Flug- und Nahverkehr betroffen

Die Gewerkschaft ver.di ruft erneut zu Warnstreiks im öffentlichen Dienst auf, um in den Tarifverhandlungen den Druck zu erhöhen. Auch in Baden-Württemberg wurde am Dienstag gestreikt.

Die Gewerkschaft ver.di hat wieder Warnstreiks im öffentlichen Dienst angekündigt und möchte damit den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Auch in Baden-Württemberg legten am Dienstag wieder viele Beschäftigte die Arbeit nieder.

Die zentrale Kundgebung in Baden-Württemberg war in Karlsruhe - als Auftakt zu einer Streikwoche im Vorfeld zur dritten Verhandlungsrunde am Sonntag im Potsdam. Zu der Kundgebung kamen auch Beschäftigte aus Südbaden, dem Schwarzwald und vom Bodensee. Rund 4.000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes aus ganz Baden haben sich am Vormittag an der Kundgebung auf dem Friedrichsplatz in Karlsruhe beteiligt. Dort sprach auch der baden-württembergische ver.di-Chef Martin Gross zu den Teilnehmern.

Streikauswirkungen für den Flugverkehr

Auch am Stuttgarter Flughafen war eine kleinere Protestkundgebung der im öffentlichen Dienst Beschäftigten geplant, so die Gewerkschaft ver.di auf SWR-Nachfrage. Zu wesentlich größeren Behinderungen für Passagiere haben aber die Warnstreiks an den Flughäfen Frankfurt, München, Köln und Bremen geführt. In Frankfurt hatten Mitarbeiter der Sicherheitskontrolle, Flugzeugabfertigung und der Flughafenfeuerwehr die Arbeit niedergelegt. Allein die Lufthansa musste für Dienstag insgesamt mehr als 800 Flüge streichen. Davon betroffen waren auch insgesamt 16 Verbindungen von und nach Stuttgart. Deshalb fielen in Stuttgart 24 Flüge aus.

Reisende, die fliegen wollten, sollten vorab über Internet oder Smartphone ihren jeweiligen Flugstatus prüfen, ob und wann der Flieger startet, riet der Flughafen. Auch am Bodensee-Airport Friedrichshafen waren drei von vier täglichen Verbindungen der Lufthansa nach Frankfurt am Main vom Warnstreik betroffen und wurden annulliert. Mit keinerlei Auswirkungen auf den Flugplan rechnete hingegen der Baden-Airpark in Rheinmünster, da von dort keine innerdeutschen Flüge angeboten werden.

Wo sonst noch gestreikt wird

Ein Blick durch einen Zaun auf einen leeren Spielplatz einer Kindertagesstätte (Foto: picture alliance / dpa -)
Mit Kinderbetreuung sieht es schlecht aus. picture alliance / dpa -

Gestreikt wird diese Woche in Baden-Württemberg vor allem in Kindertagesstätten und Kliniken, aber auch bei den öffentlichen Verwaltungen, bei den Müllabfuhren und beim öffentlichen Personennahverkehr.

Ver.di hat in Baden-Württemberg für die erneute Warnstreik-Welle tägliche Streikschwerpunkte geplant.

Streikschwerpunkte im Land wechseln täglich

  • Dienstag: Los ging es am Dienstag unter anderem in Karlsruhe, Baden-Baden und Freiburg. So blieben zum Beispiel in Karlsruhe fast alle kommunalen Kindertagesstätten geschlossen. In Konstanz fuhren am Dienstag wegen des Streiks auch die Fähren der Stadtwerke zwischen Konstanz und Meersburg nicht über den Bodensee - in der Zeit zwischen 5 Uhr früh und 21 Uhr abends. Für Fußgänger und Radfahrer wurde aber ein Ersatz-Fährverkehr eingerichtet.
  • Mittwoch: Streikschwerpunkt am Mittwoch sind die Metropolregion Rhein-Neckar und der Kreis Heilbronn. Der Öffentliche Personennahverkehr wird in Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen weitgehend lahm gelegt, weil die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) bestreikt wird. Es wird Protestveranstaltungen unter anderem in Mannheim und Heidelberg geben. In Heidelberg werden etwa Mitarbeiter der Müllabfuhr und der Straßenreinigung die Arbeit niederlegen. Proteste wird es aber auch in Neckarsulm, Bad Friedrichshall und Heilbronn geben.
  • Donnerstag: Am Donnerstag müssen sich vor allem die Pendler in der Region Stuttgart auf Probleme einstellen. Ver.di will hier den öffentlichen Nahverkehr lahmlegen. Warnstreiks gibt es zum Beispiel bei den Stuttgarter Straßenbahnen.

Mehr als 10.000 sollen streiken

Ver.di rechnet diese Woche mit mehr als 10.000 Streikenden in ganz Baden-Württemberg. In der laufenden Tarifrunde für den öffentlichen Dienst fordern die Gewerkschaften unter anderem sechs Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro im Monat.

Die nächste Tarifrunde ist für den 15. und 16. April in Potsdam angekündigt.

Von Tobias Frey, SWR Wirtschaft und Soziales | Online: Heidi Keller

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