Koffer liegen auf einem Gepäckband am Flughafen. Welche Rechte haben Flugpassagiere, wenn ihr Gepäck nicht ankommt, verspätet ankommt oder beschädigt ist? (Foto: Adobe Stock / momolelouch)

Rechte von Flugreisenden, wenn der Koffer weg ist

Verlorenes oder verspätetes Gepäck - was tun?

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Angelika Scheffler-Ronen
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Tobias Frey
Lea Spraul
Bild von Lea Spraul (Foto: Spraul)

Das Flugzeug ist gelandet, der Koffer nicht. Welche Rechte haben Reisende, wenn ihr Gepäck verloren gegangen ist oder nicht am Flughafen ankommt? Können sie mit einer Entschädigung rechnen?

Im vergangenen Jahr wurden laut einer Untersuchung des US-Luftfahrttechnologieunternehmens SITA etwa 4,35 Gepäckstücke pro 1.000 Passagiere falsch gehandhabt. Darunter fällt Gepäck, das verspätet ankommt, mit Schaden und verloren oder gestohlen wurde. Mit 71 Prozent stellen die verspäteten Gepäckstücke davon den größten Anteil. Die Zahl der weltweit falsch gehandhabten Gepäckstücke ist damit 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent gestiegen. Im Vergleich zu 2019 jedoch gesunken. Die meisten verspäteten Gepäckstücke sind auf Fehler bei Umstiegen zurückzuführen. “Es kann vorkommen, dass Koffer vom Personal auf die falschen Gepäckwagen aufgeladen werden. Manchmal fällt auch ein Gepäckstück vom Band und wird dann falsch einsortiert”, erklärt Jutta Kaiser aus der SWR-Wirtschafts-Redaktion. Zwar tauchen die meisten Koffer wieder auf, doch trotzdem steht man erst mal ohne Gepäck da - ärgerlich, vor allem wenn die Reise gerade erst begonnen hatte.

Was tun, wenn der Koffer beschädigt ist?

Ist der Koffer beschädigt, sollten sie sich sofort oder aber spätestens innerhalb von sieben Tagen im Flughafen an das Fundbüro - den Lost- & Found-Schalter oder die Gepäckermittlung - wenden. Dort sollten Sie die Beschädigungen oder einen teilweisen Verlust genau beschreiben und am besten zusätzlich mit Fotos dokumentieren. Außerdem sollte die Beschädigung der Fluggesellschaft und im Falle einer Pauschalreise dem Veranstalter mitgeteilt und von diesen schriftlich bestätigt werden.

Die Fluggesellschaft haftet für Verlust, Zerstörung oder Beschädigung, sobald sie das Gepäck angenommen hat, doch die Haftung für aufgegebenes Gepäck kann in bestimmten Fällen entfallen. Zum Beispiel wenn die Fluggesellschaft nachweist, dass der Schaden auf die Eigenart des Reisegepäcks oder einen ihm innewohnenden Mangel zurückzuführen ist. So kann der Reisende ein Mitverschulden tragen, wenn er etwa zerbrechliche Gegenstände nicht richtig verpackt hat. Des Weiteren empfiehlt es sich, keine wertvollen Gegenstände wie beispielsweise Schmuck oder lebenswichtige Medikamente im Gepäck aufzugeben. Diese sollten besser im Handgepäck Platz finden. Denn sonst kann dem Reisenden im Verlustfall ein Mitverschulden in Höhe von 100 Prozent angelastet werden. Zudem schließen Fluggesellschaften die Haftung für Schäden an solchen Gegenständen regelmäßig aus.

Was tun, wenn der Koffer fehlt?

Taucht der eigene Koffer am Flughafen nicht auf, so sollten Sie dies möglichst sofort, spätestens aber innerhalb von 21 Tagen der Fluggesellschaft und bei Pauschalreisen dem Reiseveranstalter melden.

Taucht der Koffer wieder auf, so muss die Fluggesellschaft oder der Veranstalter für den Transfer zur Unterkunft des Passagiers oder zum ihm nach Hause sorgen. Taucht ein Koffer innerhalb von 21 Tagen nicht wieder auf, so gilt er als verloren.

Koffer verloren, Urlaub verdorben (Foto: SWR, SWR -)
Geht der Koffer verloren, ist die Urlaubsstimmung schnell auf dem Tiefpunkt. SWR -

Wie viel Entschädigung erhalten Betroffene?

Bei Zerstörung, Beschädigung oder Verspätung von Gepäck können Passagiere mit einer Entschädigung von bis zu 1.712  Euro pro Passagier - nicht pro Koffer - rechnen. Diesen Betrag bekommen Betroffene jedoch nicht automatisch ausgezahlt. Sie müssen den entstandenen Schaden zuerst darlegen und auch beweisen - beispielsweise mit Fotos von Schäden. Damit man nachweisen kann, was sich im Koffer befunden hat, ist es ratsam, bereits vor der Reise Fotos zu machen und Quittungen vorlegen zu können. Der Schadensersatz orientiert sich dann wiederum am Zeitwert des Koffer-Inhalts.

Wichtig: Bargeld, Dokumente und Schmuck werden gar nicht ersetzt - Wertsachen also besser ins Handgepäck.

Informationen zu Entschädigungen bei Flugausfällen finden Sie hier:

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Darf ich mich im Urlaub neu einkleiden, wenn der Koffer weg ist?

Die Fluggesellschaft muss Schäden ersetzen, die dem Fluggast durch die Verspätung des Gepäcks entstehen. Für die Zeit, in der das Gepäck am Urlaubsort nicht zur Verfügung steht, dürfen Sie sich also Ersatz kaufen. Dazu zählen beispielsweise Unterwäsche, Kleidung oder Hygieneartikel. Doch bei den Erstattungen für den Neukauf gibt es Grenzen. Betroffene müssen die Kosten so gering wie möglich halten. Einen einzelnen Badeanzug zu kaufen, ist also in Ordnung, mehrere teure Markenartikel jedoch in der Regel nicht. Die Belege müssen dann später bei der Fluggesellschaft eingereicht werden.

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Gibt es einen Anspruch auf Preisminderung bei Pauschalreisen?

Fehlt das Gepäck bei der Ankunft am Urlaubsort, so muss das dem Reiseveranstalter unverzüglich gemeldet werden, um den Preis der Reise mindern zu können. Die Meldung sollten Sie sich am besten schriftlich bestätigen lassen oder vor Zeugen ausführen.

Für den Zeitraum, in dem das Gepäck am Reiseziel nicht zur Verfügung steht, können sie den Reisepreis mindern - auch wenn das Gepäck später wieder auftaucht. Reisenden stehen in der Regel zwischen fünf und 50 Prozent des Tagesreisepreises pro Tag ohne Koffer zu. Können Sie aufgrund des Fehlens eines bestimmten Gepäckstücks einen Urlaubstag gar nicht nutzen, so ist eine 100-prozentige Erstattung möglich.

Fazit

Kommt das Gepäck nach einer Flugreise gar nicht, verspätet oder beschädigt an, so sollten Passagiere dies so schnell wie möglich der Fluggesellschaft und bei Pauschalreisen ebenso dem Reiseveranstalter melden. Betroffene können mit einer Entschädigung von bis zu 1.400 Euro pro Person rechnen. Dafür ist es jedoch wichtig, die Inhalte des Koffers und gegebenenfalls entstandene Schäden zu dokumentieren. Ersetzt wird dabei nur der Zeitwert der Gegenstände. Da Wertsachen nicht entschädigt werden, sollten diese besser ins Handgepäck. Am Urlaubsort dürfen sich Reisende mit dem Nötigsten neu eindecken und können die Kosten dafür gegenüber der Fluggesellschaft geltend machen.

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