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Sylt statt Malle - warum in Südeuropa Urlaub machen, wenn es auch in Deutschland seit Wochen Bomben-Sommer-Wetter gibt? Bei manchen Reiseanbietern gibt es eine Delle bei Last-Minute-Reisen.

Deutsche reisen immer öfter innerhalb Deutschlands. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Deutsche reisen immer öfter innerhalb Deutschlands. picture-alliance / dpa -

Konsumforscher rechnen damit, dass 2018 eines der Top-Jahre für die Tourismusbranche wird - sowohl im Inland als auch beim Veranstaltergeschäft. Genaue Zahlen gibt es noch nicht. Aber der Deutsche Reiseverband sagt, bei schlechtem Sommerwetter zieht es die Urlauber eher nach Süden - in diesem Jahr seien aber Nord- und Ostsee stark gefragt.

Der Veranstalter FTI berichtet ebenfalls von einer starken Nachfrage bei Reisen im Inland. Der Reiseveranstalter Alltours stellt bereits eine leichte Delle bei den Last-Minute-Buchungen fürs Mittelmeer fest. Wer sich jetzt noch für einen schnellen Urlaub entscheidet, der bucht im eigenen Land - also Nordsee statt Mittelmeer.

Fragen an Andreas Reinhardt, SWR Aktuelle Wirtschaft

Was sagen die Reisebüros und -verbände, wie groß sind die Einbrüche beim Last-Minute-Geschäft?

Zwei Passagiere warten auf ihren Flug und sitzen im Wartebereich eines Flughafens. Ein Mann liegt mit seinem Kopf auf einem Rucksack und eine Frau schaut auf ihr Handy. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Viele Urlauber wollen sich dem Stress mit Flugreisen nicht mehr aussetzen. Thinkstock -

Von Einbrüchen spricht da keiner. Dramatisch sollte das nicht sein. Es gibt wohl eine Delle wegen des Sommerwetters, aber aus den aktuellen Monaten gibt es noch keine konkreten Zahlen.

Warum jetzt weniger Last-Minute-Reisen verkauft werden, lässt sich erklären. Denn es wurden in diesem Jahr viele Reisen schon im März früh gebucht. Wer früh bucht, verreist dann auch und braucht keine Last-Minute-Reise. Ja, es gibt weniger Last-Minute-Buchungen, aber nicht nur wegen des Sommerwetters.

Ist tatsächlich die große Hitze der Grund für mehr Urlaub im eigenen Land, etwa in Rheinland-Pfalz?

Ein Blick von oben auf den Campingplatz "Holländischer Hof" in Senheim an der Mosel (Foto: SWR, SWR -)
Der Campingplatz "Holländischer Hof" - direkt an der Mosel. SWR -

Ja, schon. Die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH macht das an den Zahlen beim Camping fest. Das ist ja für viele an gutes Wetter gebunden. Hier sind die Zahlen stark gestiegen - plus 26 Prozent, auch bei den Ferienwohnungen plus zehn Prozent. Naturnaher Urlaub ist in Rheinland-Pfalz gefragt. Und das ist bei schönem Wetter einfach beliebter.

Im Südwesten sind wir Kurzurlauber. Wenn das Wetter schön ist, dann verreisen wir. Aber es gibt seit Jahren den ungebrochenen Trend, danach boomt einfach der Urlaub in Deutschland. Umgekehrt wird aber möglicherweise auch ein Schuh draus: Wenn das Wetter hier schlecht ist, dann wollen alle weg in die Sonne. Das brauchen wir momentan aber alle nicht und machen deshalb Urlaub daheim.

Wie sieht es für das Reiseland Baden-Württemberg aus?

Auch der Tourismus in Baden-Württemberg könnte vom heißen Sommer profitieren. Genaue Buchungszahlen hat die Tourismus Marketing GmbH noch nicht. Dieser Trend zeichne sich aber ab, heißt es dort. Das Jahr sei schon gut angelaufen, heißt es bei der Tourismus Marketing GmbH. Bereits bei den Gäste- und Übernachtungszahlen bis Mai liege das Plus bei rund fünf Prozent.

Baden-Württemberg ist ein klassisches Kurzurlauber-Ziel und dürfte durch das schöne Wetter mehr Urlauber anziehen. Der Trend, Urlaub in Deutschland zu machen, hält auch hier an - besonders in der Ferienzeit.

Kann man denn auf den letzten Drücker noch schnell an die Nord- oder Ostsee verreisen?

Wohnwagen auf einem Campingplatz in der Dämmerung (Foto: www.colourbox.com - www.colourbox.com)
Nord- und Ostsee sind ziemlich ausgebucht. www.colourbox.com - www.colourbox.com

Nord- und Ostsee sind klassische Reiseziele für einen längeren Urlaub. Ein bis zwei Wochen fahren die meisten dahin. So ein Urlaub wird schon länger im Voraus gebucht. Da ist jetzt schon alles weg, was in Frage kommt.

Es kann aber im Buchungskalender möglicherweise einige Lücken geben. Da würde ich bei den Fremdenverkehrsämtern vor Ort anrufen - die wissen das genau. Auf gut Glück nach St. Peter-Ording an die Nordsee zu fahren, ist sicher keine gute Idee.

Online: Heidi Keller

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