Bundestag verabschiedet Gesetz

Atommüll-Endlager für eine Million Jahre

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Bis zum Jahr 2031 muss die Bundesregierung einen passenden Ort für radioaktiven Müll finden. Das gesuchte Endlager soll eine Million Jahre sicher halten. Wie kommt man auf diese Zahl?

Das heute vom Bundestag verabschiedete Standortauswahlgesetz macht den Weg frei für die Suche nach einem Endlager für Atommüll. Gesucht wird ein sicherer Ort für rund 30.000 Kubikmeter hochradioaktive Abfallstoffe, die über die wenigen Jahrzehnte, in denen wir Atomenergie genutzt haben, angefallen sind beziehungsweise bis zum kompletten Ausstieg noch anfallen werden. 14 Jahre hat die Bundesregierung nun Zeit, einen passenden Ort zu finden. Was bei der Debatte aufhorchen lässt, ist die veranschlagte Lagerdauer von einer Million Jahre.

Bei einem sicheren Atommüll-Endlager darf keine radioaktive Strahlung nach außen treten. Es muss sicher sein vor Erdbeben, Witterung oder Kriegen und darf zu keinem Risiko für Mensch und Natur werden. Wenn man diese Maßgabe ernst nimmt, muss man sich den Inhalt des Endlagers anschauen: Hoch radioaktiver Atommüll besteht aus abgebrannten Brennelementen aus den Atomreaktoren. Es handelt sich dabei jedoch um verschiedenste Spaltprodukte, die unterschiedlich stark und unterschiedlich lange strahlen.

Jod-129 hat eine Halbwertszeit von 17 Millionen Jahren

Die radioaktive Strahlung von Krypton ist bereits nach elf Jahren nur noch halb so stark. Bei Jod-129 braucht es hingegen 17 Millionen Jahre, bis sich die Strahlung halbiert hat. Plutonium hat eine Halbwertszeit von 24.000 Jahren. Das alles durchgerechnet bringt die Wissenschaftler auf die Zahl von einer Million Jahre. Erst danach sei sichergestellt, dass der eingelagerte Atommüll weitgehend ausgestrahlt habe - zumindest so weit, dass davon keine Gefahr mehr für die Umwelt ausgehe.

Kritiker wenden ein, dass eine Million Jahre für Menschen unvorstellbar und nicht vorhersagbar seien. Geologen können zwar sehr weit in die Vergangenheit und auch in die Zukunft schauen. In Langzeitsicherheitsanalysen malen sie verschiedene Szenarien und sagen voraus, wie sich die Erdgeschichte, die Geologie, bestimmte Gesteinsformationen unter den Bedingungen entwickeln werden. Das sind alles wichtige Faktoren für eine sichere Endlagerung des gefährlichen Mülls.

Über 30.000 Generationen werden mit den Folgen zu tun haben

Unsicherheitsfaktor bleibt jedoch der Mensch. Denn es muss auch sichergestellt werden, dass nachfolgende Generationen in der für uns unvorstellbaren Zeitspanne von einer Million Jahren wissen, wo sich das Atommüll-Endlager befindet und welche Gefahren von dem strahlenden Müll ausgehen. "Über 30.000 Generationen werden noch von den Folgen der Atom-Technologie betroffen sein, die bei uns gerade einmal 60 Jahre in Betrieb war", meint hierzu Umweltministerin Barbara Hendricks. Für die Menschheitsgeschichte soweit vorauszuschauen, fällt allerdings auch vielen Wissenschaftlern schwer.

Alice Thiel-Sonnen, SWR-Umweltredaktion | Online: Stefan Heinz

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