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Eltern mit Kleinkindern schlafen oft wenig. Das reduziert in der Familienphase die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz und birgt Gesundheitsrisiken. Doch langfristig leben Eltern gesünder.

Frau gähnend am Arbeitsplatz (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Wer kleine Kinder hat, ist am Arbeitsplatz oft übermüdet - trotzdem profitiert später die Gesundheit. Thinkstock -

Schlaf ist für unsere Gesundheit von zentraler Bedeutung. Wenn wir schlafen, kann das Gehirn Platz schaffen, um neue Dinge aufzunehmen. Professor Christoph Nissen von der Uniklinik Bern hat in einer Studie zeigen können, welche Risiken zu wenig Schlaf mit sich bringt: "Schlafmangel hat auf Dauer seinen Preis und beeinflusst wichtige Funktionen: Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit leiden und die Gedächtnisbildung - also die Neuaufnahme von Informationen - ist gestört. Auch im körperlichen Bereich hat chronischer Schlafmangel Folgen. Wir haben ein höheres Risiko im kardiovaskulären Bereich und das Immunsystem wird anfälliger für Infekte."

Schlafmangel - am Arbeitsplatz ein Tabuthema

Illustration - Eine Frau schläft -  Gehirn zeigt Aktivität (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Im Schlaf kann das Gehirn Eindrücke verarbeiten. Thinkstock -

Doch damit nicht genug. Studien zeigen auch, dass Menschen, die öfter weniger als sechs Stunden Schlaf bekommen, häufiger Fehler passieren. Gesundheit und Beruf leiden also unter zu wenig Schlaf.

Im Job ist Müdigkeit allerdings oft ein Tabu, wie ein junger Lehrer berichtet: "Ich würde nie erzählen, dass mein Kind mich wachgehalten hat. Ich hätte dann Angst, mein Arbeitgeber glaubt, ich sei nicht motiviert genug. Ich würde das als unprofessionell empfinden, wenn ich das in die Arbeit mittragen würde."

Kindererziehung oder Pflege bringen uns an Grenzen

gestresste Frau am Telefon, im Hintergrund toben Kinder. (Foto: SWR, SWR -)
Für viele Eltern geht der Stress nach Feierabend zuhause weiter. SWR -

Stress im Job und Stress zu Hause - das ist für viele Eltern von kleinen Kindern der Alltag. Für Entspannung bleibt dabei keine Zeit. Über 40 Prozent der Beschäftigen sind von der Arbeit so erschöpft, dass sie familiäre und private Dinge nicht mehr schaffen. Fast jeder Dritte hat Schwierigkeiten, Kindererziehung oder Pflege mit der Arbeit zu vereinbaren - das ist ein Ergebnis der aktuellen Untersuchung "Gute Arbeit" des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB).

Ein junger Vater kann von dieser Doppelbelastung ein Lied singen: "Wenn ich von der Arbeit nach einem langen Tag nach Hause komme und die Bude sieht so abenteuerlich aus, bricht es manchmal über mir zusammen. Dann frage ich mich, warum ich nicht am Weg irgendwo abgebogen bin, um woanders erst mal runterzukommen."

Unterstützung vom Arbeitgeber wäre hilfreich

Ein Mann fährt mit einem Kleinkind auf einem Fahrrad. (Foto: SWR, SWR -)
In der Rushhour des Lebens brauchen Eltern Unterstützung von ihrem Betrieb. SWR -

Wenn bei erschöpften Eltern nichts mehr geht, hilft die Babyambulanz Freiburg. Bei Barbara von Kalkreuth können sie das Hamsterrad kurz anhalten, sich auch mal ausweinen.

Sie sagt, der Rhythmus von kleinen Kindern und unsere Arbeitswelt passten einfach nicht zusammen. "Das ist ein Teufelskreis. Wenn Eltern angespannt sind, nehmen Kinder das wahr und schlafen gerade deshalb zu wenig. Wenn dann noch Krankheiten dazukommen - ein Schnupfen zum Beispiel den Schlaf des Kindes und der Eltern stört - sind schnell alle überbelastet und keiner kann sich mehr erholen. Wenn Eltern in so einem Moment von ihrem Arbeitgeber ein wenig Spielraum erhalten würden, wäre das ein großes Entgegenkommen."

Flexiblere Arbeitszeiten würden viele Eltern entlasten. Helfen könne aber auch ein bisschen Gleichmut, meint der Schlafforscher Christoph Nissen von der Uniklinik Bern. Den Körper auf weniger Schlaf hin zu trainieren, ist dagegen keine Lösung - das funktioniert nicht. Aber Angst ist auch unbegründet. Wer vorübergehend wenig schläft, wird deshalb nicht krank.

Nach der Familienphase sind Eltern gesünder als Kinderlose

Erwachsene Kinder pflegen heute oft noch sehr intensive Beziehungen zu ihren Eltern (Foto: Colourbox, Model Foto: Colourbox.de -)
Familienstress lohnt sich: Kinder stärken auf lange Sicht die Gesundheit ihrer Eltern. Model Foto: Colourbox.de -

Zudem gibt es einen weiteren Hoffnungsschimmer für erschöpfte Eltern: Nach der Rushhour-Phase des Lebens - zwischen 30 und 40 Jahren - wird es besser. Das zeigen Auswertungen der Techniker-Krankenkasse. Die Sprecherin der Krankenkasse, Nicole Battenfeld, macht Eltern Mut: "Eltern leben deutlich gesünder als Kinderlose. Ältere Väter und Mütter sind bis zu einer Woche weniger krank als Kinderlose."

Hinzu kommt: Mütter und Väter bekommen deutlich weniger Psychopharmaka verschrieben, die zum Beispiel bei Depressionen oder Burnout eingesetzt werden.

Auch hier scheint die Familie also eine Ressource zu sein, die die Psyche am Leben erhält - selbst wenn die Familie, solange die Kinder noch klein sind, Auslöser von Stress ist. Wenn man das ganze Berufsleben in den Blick nimmt, kann die Familie dennoch als Ressource und Kraftquelle wirken.

Katharina Fortenbacher-Jahn, SWR Wirtschaft und Umwelt | Online: Michael Herr

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