STAND

Wir schmücken ihn liebevoll und besingen ihn in Liedern - doch wie viel Geld ist uns unser Weihnachtsbaum wert? Dabei kommen die vielen Millionen Tannenbäume von gar nicht so weit weg.

Der perfekte Weihnachtsbaum soll für uns Deutsche ganz gleichmäßig gewachsen - und billig sein. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Der perfekte Weihnachtsbaum soll für uns Deutsche ganz gleichmäßig gewachsen sein - und billig. Thinkstock -

Fragen an Werner Eckert, SWR Umwelt und Ernährung

Der Weihnachtsbaum ist für viele das Symbol für das Fest. Sind die Deutschen bereit, dafür auch ein wenig Geld in die Hand zu nehmen?

25 Euro - das scheint so etwas wie die Schmerzschwelle des deutschen Weihnachtsbaum-Käufers zu sein. Seit zehn Jahren dümpeln die Durchschnittspreise für den Christbaum knapp darunter. Für den immer gleichen Preis erwarten die Kunden aber immer bessere Bäume. Praktisch alle Kunden verlangen Nordmanntannen in A-Qualität. Knapp mannshoch soll der Baum sein, dicht und dunkel. Der deutsche Weihnachtsbaum sieht daher immer künstlicher aus - nur eben nicht aus Plastik.

Wie viele Bäume finden jedes Jahr den Weg in deutsche Wohnzimmer?

30 Millionen Plantagen-Bäumchen fallen dem Kettensägen-Massaker im Advent zum Opfer. Aus dem Wald kommen davon aber die wenigsten. Die makellosen Bäume, die der Kunde bei uns wünscht, wachsen nur unter Einsatz größerer Mengen Chemie. Außerdem müssen die Bäume in Reih und Glied mit genügend Abstand gepflanzt werden - also Monokultur und Plantage. Immerhin stammen mittlerweile fast alle Bäume aus heimischer Produktion - wobei das in Deutschland meist heißt, dass die Tannen aus dem Sauerland kommen.

Einige Weihnachtsbaumproduzenten bieten an, den Baum selbst abzusägen. Wird das von den Kunden angenommen?

Ein Drittel der Kundschaft zieht aus, um das tannengrüne Glück selbst zu finden. Ein Drittel kauft an Weihnachtsbaumständen und das letzte Drittel im Super- oder Baumarkt. Apropos letztes Drittel: Es gibt durchaus eine Zielgruppe, die auch weniger gelungene Bäume nimmt - B- und C-Qualität, asymmetrische Ware. Mit einer geschickten Platzierung in der Zimmerecke können auch diese Bäume etwas hermachen.

Oder man akzeptiert, dass der Baum in der Natur genau so gewachsen ist, und möchte ihn deshalb genau so aufstellen. Zu dieser Zielgruppe gehöre ich - weil das auch die einzige Chance ist, am Mittag von Heiligabend überhaupt noch einen Baum zu ergattern.

Online: Heidi Keller, Michael Herr

STAND
AUTOR/IN