Tierschutz beim Festmahl

Weihnachtsbraten von glücklichen Gänsen

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Gänsebraten schmeckt - noch besser allerdings, wenn man ein gutes Gewissen hat, weil die Tiere artgerecht gehalten wurden. Doch woran erkennt man das als Verbraucher?

Von Susanne Henn, SWR Umwelt und Ernährung

Wenn man im Herbst an einem Feld voll schnatternder Gänse vorbeifährt, wo die Tiere Platz und Auslauf haben, könnte man auf den Gedanken kommen, dass der Weihnachtsgänsebraten keine schlechte Sache sein kann. Schließlich geht es hier nicht um gequälte Kreaturen aus Massentierhaltung, sondern um Vögel, die ein glückliches Leben hatten. Oder?

Artgerechte Haltung hat ihren Preis

Gänsebraten zu Weihnachten (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Dass der Braten appetitlich aussieht, sagt nichts über die Haltebedingung der Gans aus. Thinkstock -

Wer wirklich eine Gans von diesem Feld isst, eine Gans also, die ganz langsam - mindestens sechs, besser acht oder sogar neun Monate lang - nur mit Gras und Getreide gemästet wurde, dann ist das gute Gewissen gerechtfertigt.

Aber das hat seinen Preis: Zwischen 14 und 18 Euro kostet das Kilo frischer Gänsebraten, bei Biohaltung ist es noch ein bisschen mehr.

Viele Weihnachtsgänse haben kein schönes Leben

Bei der Stopfmast wird den Gänsen Futter eingetrichtert - ein qualvoller Vorgang (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Bei der Stopfmast wird den Gänsen Futter eingetrichtert - ein qualvoller Vorgang. picture-alliance / dpa -

Deshalb sieht die Realität für viele Gänse leider anders aus: Nur 15 Prozent der Gänse, die in diesen Tagen in Deutschland gegessen werden, kommen auch von hier. Der Rest wird zumeist tiefgefroren aus Polen oder Ungarn importiert. Dort sind die Haltungsbedingungen - vorsichtig ausgedrückt - häufig unerfreulich.

Die Ställe sind zu eng, die Tiere kommen mit zu vielen Keimen in Kontakt, gegen die wiederum zu viele Medikamente eingesetzt werden. Und immer wieder kommt es zu Stopfmast. Artgerechte Tierhaltung sieht anders aus. Dafür ist dieses Fleisch viel günstiger: Oft muss der Kunde nur vier Euro pro Kilo zahlen, manchmal sogar noch weniger.

Es gibt klare Anzeichen für artgerechte Haltung

Worauf muss der Verbraucher also achten, wenn er keine Gans aus Massentierhaltung kaufen will? Ein Hinweis ist der Preis. Auch bei Bio-Produkten kann man sich ziemlich sicher sein, dass die Haltung für die Tiere in Ordnung war.

Daneben gibt es von der EU klar definierte Begriffe wie "Freilandhaltung" oder "Unbegrenzter Auslauf", die anzeigen, dass die Tiere draußen Platz hatten. Begriffe wie "Landgans" oder "Tiergerechte Haltung" sagen dagegen gar nichts aus. Die darf jeder Produzent auf die Verpackung seiner Tiefkühl-Gans schreiben.

Online: Michael Herr

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SWR Fernsehen