STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Rund 45 Millionen männliche Küken werden jedes Jahr in Deutschland getötet, weil sie das falsche Geschlecht haben und keine Eier legen können. Doch damit soll bald Schluss ein.

Zwei Alternativen zur Früherkennung des Küken-Geschlechts, dem so genannten Sexing, stehen inzwischen kurz vor der Praxisreife. Bei beiden handelt es sich um Maschinen, die das Geschlecht eines Kükens schon im Ei bestimmen können. Die Geflügelwirtschaft rechnet damit, dass die ersten Geräte bis Ende des Jahres zum Einsatz kommen.

Zahlreiche männliche Masthühner-Kücken sitzen am 28.10.2015 auf dem Lehr- und Forschungsgut Ruthe (Niedersachsen) in einem Stall. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Hühnerküken werden direkt nach dem Schlüpfen nach Geschlecht sortiert. picture-alliance / dpa -

Geschlechtsbestimmung per Durchleuchtung schon vor dem Schlüpfen

Das Geschlecht des Kükens erkennen, solange der Hühner-Nachwuchs noch im Ei steckt – das ist die Idee bei beiden Methoden. Beim sogenannten optischen Verfahren – gefördert von der Geflügelindustrie – wird wie durch ein Schlüsselloch ins Ei geguckt. Vorsichtig, aber vollautomatisch wird das Ei am stumpfen Pol geöffnet, wo sich die Luftblase befindet.

Ein Lichtstrahl wird auf die kleinen Blutgefäße im Inneren des Eis gerichtet. Durch Analyse des gestreuten Lichts lässt sich dann das Geschlecht bestimmen. Eier mit weiblichen Embryos werden wieder zugeklebt und weiter ausgebrütet. Die mit männlichen Embryos könnten zum Beispiel in die Tierfutterproduktion oder in die chemische Industrie gehen.

Legefrische Eier werden am 22.03.2016 in der Bio Geflügelhof Deersheim GmbH in Deersheim (Sachsen-Anhalt) in einer speziellen Eiersortiermaschine durchleuchtet. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Bis Ende des Jahres sollen die ersten Maschinen im Einsatz sein, die das Geschlecht eines Kükens bereits im Ei bestimmen können, verspricht der Zentralverband der Geflügelwirtschaft. picture-alliance / dpa -

Auch Hormontests am Ei könnten Klarheit schaffen

Das zweite Verfahren ist eine Art Hormontest. Seine Entwicklung wird derzeit von Rewe gefördert, also vom Lebensmittel-Einzelhandel. Mit Hilfe einer Nadel wird dabei dem Ei ein Tropfen embryonaler Harn entnommen, mit dem das Geschlecht bestimmt werden kann.

Allerdings gibt es gegen jedes der beiden Verfahren auch Vorbehalte der jeweiligen Konkurrenz. In einem Spiegel-Bericht dazu heißt es etwa, das optische Verfahren sei zu langsam. Retourkutsche der Durchleuchtungs-Befürworter: der Hormontest komme sehr spät zum Einsatz, nämlich erst am neunten Bruttag. Da könnten die Embryos schon Schmerzen empfinden.

Geflügelwirtschaft steht unter Handlungsdruck

An beiden Verfahren wird mit Hochdruck gearbeitet. Denn dabei geht es auch um Patente und damit um ein Millionengeschäft. Denn wenn die ersten Maschinen marktreif sind, wird die Geflügelwirtschaft wohl kaum umhin kommen, sie auch einzusetzen.

Die versucht schon vorsorglich, etwas Zeit zu schinden: Eine solche Innovation sei nicht von heute auf morgen in allen Betrieben umzusetzen, warnt Verbandspräsident Friedrich-Otto Ripke. Und gegebenenfalls müsse die Anschaffung der Maschinen auch mit staatlichen Fördermitteln unterstützt werden.

Weibliche Küken stehen am 18.03.2013 in Klein Süstedt (Niedersachsen) in einem Stall. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Pro Jahr werden in Deutschland rund 45 Millionen männliche Küken der Legehennenrassen getötet, weil sie keine Eier legen. picture-alliance / dpa -
STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG