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Rund um den Elektroautobauer Tesla gibt es aktuell viele Gerüchte und Spekulationen. Wir erklären, warum sich der Konzern von der Börse verabschieden könnte.

Der Chef von Tesla, Elon Musk, ist bei Twitter ein gefragter Mann: Er hat mehr als 22 Millionen Follower. Deshalb ist es klar, dass seine Tweets Aufmerksamkeit erregen. Gestern kündigte er an, Tesla möglicherweise nach acht Jahren von der Börse nehmen zu wollen.

Damit löste Musk ein heftiges Erdbeben aus: Der Aktienkurs des Herstellers von E-Autos schnellte in die Höhe. Die Börsenaufsicht musste sogar eingreifen und den Handel mit Tesla-Aktien kurzzeitig aussetzen.

Fragen an Sabine Geipel, SWR Aktuelle Wirtschaft

Warum will Tesla-Chef Musk sein Unternehmen von der Börse nehmen?

Elon Musk (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Der Tesla-Chef und Milliardär Elon Musk gilt als exzentrisch. picture-alliance / dpa -

Tesla macht bislang keinen Gewinn, sondern Verluste - das Unternehmen ist nicht profitabel. Dementsprechend steht Elon Musk auch unter Druck: Er muss liefern. Seine großen Visionen muss er in die Tat umsetzen, das erwarten die Investoren.

Der Tesla-Chef will sich von diesem Erwartungsdruck offenbar befreien und plant vermutlich deshalb eine Privatisierung seines Unternehmens. Er wäre den Anteilseignern keine Rechenschaft mehr schuldig und er müsste die Bilanzen nicht mehr offen legen.

Dazu müsste er sich auch nicht mehr den strengen Regeln der amerikanischen Börsenaufsicht SEC unterwerfen. Die war vermutlich über seine spontane Überlegungen per Twitter, sein Unternehmen zu privatisieren, auch nicht sehr erfreut. Dass Elon Musk keine Lust hat, sich an Regeln oder Konventionen zu halten, hat er in der Vergangenheit schon oft gezeigt.

Tesla hatte durch den Börsengang viel Kapital erhalten. Wie würde ein Weggang von der Börse konkret ablaufen?

Elon Musk muss seine Aktien zurückkaufen. Er muss den Aktionären dafür ein so gutes Angebot machen, dass sie gewillt sind, dieses anzunehmen. Das hat der Tesla-Chef auch versucht, in dem er per Twitter 420 Dollar je Aktie ins Spiel gebracht hat. Das würde einen deutlichen Aufschlag gegenüber dem bisherigen Aktienkurs bedeuten, aktuell fast 23 Prozent.

Der Tesla-Chef hofft darauf, dass die Anteilseigner sich für diesen Preis von ihren Aktien trennen werden - die meisten jedenfalls. Denn sobald das Unternehmen zum größten Teil in seiner Hand ist - oder auch vielleicht in der eines anderen Großaktionärs - dann kann er die anderen verbliebenen Aktionäre aus dem Unternehmen drängen.

Das funktioniert per "Squeeze out" - die Anteilseigner werden gegen eine Abfindung buchstäblich herausgequetscht. Anschließend kann der Konzern von der Börse genommen werden.

Die Börse funktioniert so: Jemand hat eine Idee, andere Leute haben Geld und an der Börse finden sie zusammen. Ist die Börse nicht mehr der Ort für innovative Unternehmer?

Das kommt ganz darauf an, es gibt eben die besagten Vor- und Nachteile. Die Börse ist sicher der klassische, internationale und transparente Weg. Aber es gibt natürlich auch andere Wege abseits der Börse, um an Geld zu kommen - über Venture Capital zum Beispiel, sogenanntes Wagniskapital.

Das Geld wird hier über eine Beteiligungsgesellschaft bereitgestellt. Das ist auch eine typische Form der Finanzierung etwa bei Start-ups. Allerdings hat der Kapitalgeber dann natürlich ebenfalls Rechte: Er kann mitreden und muss beispielsweise über Abläufe informiert werden.

Online: Tobias Frey

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