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Die SPD will das Rentenniveau von 48 Prozent bis 2040 im Koalitionsvertrag festschreiben. Die Union will die Vorschläge der Rentenkommission abwarten. Zwei Standpunkte von SWR-Wirtschaftsexperten.

Rentner auf Bank (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Höhere Steuern zur Sicherung der Renten sind umstritten picture-alliance / dpa -

Die SPD will ihre Renten-Garantie mit höheren Steuern für Wohlhabende finanzieren. CDU-Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer warnen vor einer neuen Debatte über die Zukunft der Rente. Es würde die Menschen verunsichern. Bislang steht im Koalitionsvertrag das Jahr 2025 als Frist für die aktuell geltende Rente.

Pro Rentengarantie: Sabrina Fritz, SWR-Aktuelle Wirtschaft

2040 bin ich 76 Jahre alt. Wenn alles gut geht, habe ich dann fast 40 Jahre gearbeitet, zwei Kinder groß gezogen und viel, sehr viel Geld in die Rentenkasse eingezahlt. Warum ich dann weniger Geld bekommen soll als mein Nachbar, der heute schon 76 ist, erschließt sich mir nicht. Und es wird ohnehin weniger sein. Denn Rentner müssen künftig mehr Steuern zahlen als heute.

Sabrina Fritz (Foto: SWR, SWR -)
Sabrina Fritz SWR -

Ja, ich gehöre zum sogenannten geburtenstarken Jahrgang. Das heißt, wir werden viele sein. Sind aber viele arme Rentner besser? Wer unter das Existenzminimum
rutscht, den muss der Staat ohnehin mit Hartz IV unterstützen. Für viele Ältere ist das Verfahren aber kompliziert und demütigend und deshalb lassen sie es lieber - heute schon.

Und: Rentner wurden in der Vergangenheit schon geschröpft. Gab es ursprünglich mal ein Rentenniveau von 52 Prozent sind es bald nur noch 43 Prozent. Wofür ich wirklich gar kein Verständnis habe, dass meine Rente von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängt. Ich erinnere an die Finanzkrise 2008 als wildgewordene Banker uns fast ruiniert haben oder dass gerade ein US-Präsident einen Handelskrieg vom Zaun bricht. Die Staatskasse ist gerade voll. Das Geld für ein würdiges Alter anzulegen ist eine gute Idee.

Contra Rentengarantie: Michael Wegmer, SWR-Aktuelle Wirtschaft

Ich käme selbst noch in den Genuss einer stabilen Rente bis 2040. Und trotzdem halte ich den Vorschlag für totalen Quatsch. Momentan beträgt die Auszahlung an Altersrenten rund 200 Milliarden Euro jährlich.

Die Zahl der Rentner steigt rasant, in ein paar Jahren kommt ein Rentner auf zwei Arbeitnehmer. Eine so riesige und immer weiter wachsende Summe abgekoppelt von der wirtschaftlichen Entwicklung so lange zu garantieren, halte ich für hochgradig gefährlich.
Denn wie es mit der Wirtschaft in Deutschland und weltweit weitergeht, ist so schwer vorherzusagen wie selten. Handelsstreit, Klimawandel, Energiekosten - niemand kann absehen, welche Kosten und Abgaben da auf uns zukommen. Alles schwankt, das einzige, was dann sicher wäre, ist die Rente - und das soll Generationengerechtigkeit sein?

Nicht umsonst gibt es die komplizierte, aber knallharte Rentenanpassungsformel. Mit ihr wird der aktuelle Rentenwert zu jedem 1. Juli berechnet. Und sie orientiert sich grundsätzlich an den Bruttolöhnen. Bitte Finger weg davon, liebe SPD. Umfragewerte aufpolieren auf meine Kosten. Nein danke.  

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