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Sie lieben Eiscreme und zugleich die Umwelt. Daher haben zwei Studentinnen der Universität Hohenheim einen essbaren Eislöffel entwickelt: Nichts zum Wegwerfen und noch dazu vegan.

Geht es nach der EU-Kommission, dann gibt es demnächst kein Wegwerfgeschirr aus Plastik mehr. Auf der Suche nach Alternativen haben Studentinnen der Universität Hohenheim einen essbaren Eislöffel entwickelt - als Ersatz für den üblichen Plastiklöffel.

Millionen Plastiklöffel vermeiden - Startup gegründet

Bei der Lieblingseisdiele gibt es zu den kühlen Kugeln im Becher wie selbstverständlich einen Plastiklöffel. Schlecht für die Umwelt - die Management-Studentin Amelie Vermeer hat ausgerechnet: "Im Jahr werden in Deutschland über 360 Millionen Plastik-Eislöffel weggeworfen. Da dachten wir, sollten wir eingreifen."

Die Geschäftsidee der Studentinnen: Essbare Eislöffel. Sie nennen ihr neu gegründetes Unternehmen "Spoontainable". Das Wort setzt sich zusammen aus den englischen Worten spoon, also Löffel, und sustainable, also nachhaltig.

Löffel mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen

Der Grundeislöffel hat Schokoladengeschmack. Er schmeckt aber nur leicht nach Kakao. Vanille-, Erdbeer-, Zitrone- und Zimtgeschmack sind ebenfalls im Angebot. Zucker wird nicht zugesetzt. Die Löffel sind vegan, denn sie bestehen vor allem aus Pflanzenfasern. Die stammen aus Schalen von Obst, Gemüse oder Nüssen, die in der Lebensmittelindustrie übrig bleiben.

Julia Piechotta, die andere Jungunternehmerin, erläutert: "Wenn zum Beispiel Kakao zu Schokolade verarbeitet wird oder wenn Zitrone weiterverarbeitet wird für Gebäckarten oder so, bleiben die Schalen übrig. Das ist bei fast jedem Gemüse, fast jedem Obst so." Die Fasern dieser Schalen können zu einer Art Mehl verarbeitet werden, aus dem sich Löffel backen lassen. Mit im Team sind auch zwei Ernährungswissenschaftlerinnen. Sie haben beim Entwickeln der Rezeptur geholfen.

Raus aus der WG-Küche über Crowdfunding

Derzeit stellen die Jungunternehmerinnen die essbaren Löffel noch auf dem Küchentisch her. "Den Teig rollen wir mit einem Bierglas aus, stechen ihn dann mit einer Löffelform aus, die wir selber kreiert und hergestellt haben. Anschließend backen wir ihn in einer Stahlform und lassen sie dann an der Luft trocknen", erklärt Amelie Vermeer.

Aus der WG-Küche wollen die Studentinnen jetzt aber raus. Zurzeit werben sie mit ihrem Startup "Spoontainable" über eine Crowdfunding-Plattform im Internet um finanzielle Unterstützung. Mit dem Geld wollen sie eine Walze und Zutaten für die maschinelle Produktion anschaffen - die wird wohl ein großer Gebäckhersteller übernehmen. Ein Patent auf die Rezeptur ist auch schon eingereicht.

Testesser sind begeistert

Bei den Kunden der Stuttgarter Eisdiele Timone kommt die Idee mit den essbaren Eislöffeln richtig gut an. Gerade bei der Diskussion um Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein, sagen sie. Gelobt wird von den Kunden auch, dass es dann nicht mehr so viel Plastikmüll gibt.

Die Spoontainable-Löffel werden etwa 10 Cent pro Stück kosten - im Vergleich zu Plastik extrem viel. Aber vielleicht ist der eine oder andere Eisfan in Zukunft ja bereit, fürs Eis ein paar Cent mehr zu zahlen - wenn der Löffel dafür essbar ist.

Stefanie Peyk, SWR-Redaktion Umwelt und Ernährung | Online: Andreas Reinhardt

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