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Die EU-Kommission hat die EU-Bürger im Internet über die Zeitumstellung abstimmen lassen. Die SWR-Umweltredakteurinnen Alice Thiel-Sonnen und Sabine Schütze sind für und gegen die Sommerzeit.

Pro und Contra zur Zeitumstellung (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Die Diskussion reißt nicht ab bei Befürwortern und Gegnern der Zeitumstellung. picture-alliance / dpa -

Das Interesse an der Online-Umfrage war riesig. Einem Sprecher der EU-Kommission zufolge hatten allein an den ersten drei Tagen 500.000 Personen die Online-Fragebögen ausgefüllt. Die Teilnehmer werden unter anderem gefragt, welche Erfahrungen sie mit der Zeitumstellung gemacht haben und ob sie für oder gegen eine Abschaffung sind. Bereits zur Hälfte der Laufzeit hatte es mehr als eine Million Antworten gegeben. Die Brüsseler Behörde hatte die Befragung Anfang Juli gestartet.

Das Ergebnis entscheidet allerdings nicht allein über die Abschaffung der Zeitumstellung: Die Kommission betont, die Umfrage sei nur ein Teil der Bewertung und kein Referendum. Schon im ersten Weltkrieg versuchte man durch eine Zeitumstellung Strom zu sparen. Die Sommerzeit, wie wir sie heute kennen, gibt es seit 1980 als Reaktion auf die Ölkrise. Inzwischen hat sich allerdings gezeigt, dass die erhofften Stromeinsparungen klein sind und die Heizkosten stattdessen teilweise sogar ansteigen.

Pro Zeitumstellung: Alice Thiel-Sonnen, Umweltredaktion

Ich finde die Zeitumstellung großartig, weil sie mir die Sommerzeit beschert. Und gerade dieses Jahr genieße ich sie besonders ausgiebig. Nach einem langen Arbeitstag den lauen Sommerabend im Freien und vor allem im Hellen ausklingen zu lassen. Zum Beispiel im Biergarten oder auf der Restaurantterrasse. Das fördert nicht nur unser soziales Zusammenleben, sondern kurbelt auch die Wirtschaft an.

Die zusätzlichen Sonnenstunden bescheren uns außerdem einen besseren Vitamin-D-Status. Und weil ich so sehr von der Sommerzeit profitiere, habe ich auch keine Probleme mit dieser einen Stunde vor und zurück. Die merkt man doch kaum. Wer in den Urlaub fliegt, nimmt schließlich ganz andere Zeitumstellungen in Kauf. Wozu also die ganze Aufregung? Die macht krank, nicht die Zeitumstellung an sich. Warum also können wir nicht einfach mal die Vorteile genießen und gelassen dem Sonnenuntergang zuschauen.

Contra Zeitumstellung: Sabine Schütze, Umweltredaktion

Mich bringt die Zeitumstellung jedes Mal dem Herzinfarkt ein Stückchen näher. Dieses Zeit-Hin-und-Her-Gespringe geht tatsächlich auf Kosten meiner Gesundheit. Die Zahl der Herzinfarkte und Unfälle steigt wirklich, wenn die Nacht mal wieder eine Stunde kürzer war. Außerdem muss ich nach einer verkürzten Nacht nicht nur mich mobilisieren, sondern vor allem meine Kinder irgendwie aus dem Bett und fit kriegen. Jedes Jahr wieder eine Herausforderung, die ich nicht brauche. Und offenbar auch sonst niemand.

Denn dass die Zeitumstellung keinen Strom spart, das ist nun wirklich hinlänglich bewiesen. Und genau dafür war sie doch schließlich mal eingeführt worden. Warum also an etwas festhalten, das sich nicht nur unbeliebt gemacht hat, sondern längst auch überflüssig.

Online: Moritz Hartnagel

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