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Die Finanzchefin des chinesischen Technologiekonzerns Huawei, Meng Wanzhou, ist verhaftet worden. Insidern zufolge, weil sie das US-Handelsembargo gegen den Iran verletzt haben soll. Doch ist das die ganze Wahrheit?

Fragen an Sabine Geipel aus der SWR-Wirtschaftsredaktion

Huawei, was ist das eigentlich für ein Unternehmen?

Huawei ist ein Megakonzern aus China, mit weltweit 180.000 Mitarbeitern. Viele hierzulande kennen Huawei vor allem als weltweit zweitgrößter Anbieter von Smartphones. Das Unternehmen verkauft also international mehr Smartphones als Apple. Im Unterschied zu den anderen Smartphone-Herstellern verkauft der chinesische Konzern mit Hauptsitz in Shenzen und seiner Europazentrale in Düsseldorf jedoch nicht nur die Hardware wie Telefone, USB-Surfsticks, Fitnessarmbänder oder Router, sondern stellt auch die Netzinfrastruktur.

In Deutschland etwa arbeiten alle großen Mobilfunkanbieter, von der Telekom bis Vodafone, mit Huawei zusammen. Auch Autokonzerne sind Huawei-Kunden, Daimler etwa, wenn es um Unternehmensnetzwerke oder ums autonome Fahren geht. Huawei arbeitet zudem auch mit vielen Forschungsinstituten zusammen. Damit ist der Konzern wohl das größte chinesische Unternehmen, das in Deutschland tätig ist.

Was ist dran an den Vorwürfen gegen die Finanzchefin und Tochter des Firmengründers?

Ein Mann benutzt am 02.09.2015 bei einer Huawei-Produktvorstellung in Berlin das Huawei Mate S-Smartphone. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Huawei ist nicht nur ein wichtiger Netzwerk-Ausstatter, sondern auch ein aufstrebender Hersteller von Smartphones und hatte zuletzt Apple vom Platz zwei bei den weltweiten Marktanteilen verdrängt. picture-alliance / dpa -

Das weiß man nicht so genau. Die bisherigen Berichte sind jedenfalls bislang nicht bestätigt. Es heißt nur, Insidern zufolge werde Finanzchefin Meng, die auch die Tochter des Firmengründers ist, beschuldigt, das US-Handelsembargo gegen Iran verletzt zu haben. Denn Huawei soll möglicherweise in den USA gefertigte Produkte in den Iran exportiert haben.

Nun gibt es Stimmen, die sagen, diese Vorwürfe seien nur vorgeschoben. Im Grunde würden die USA Huawei eher als Risiko für ihre Cybersicherheit sehen. Das Unternehmen ist schließlich sehr groß und engagiert sich in vielen Technologien und bei hochsensiblen Netz-Infrastruktur. Die USA haben Huawei daher schon beim Aufbau des neuen 5G-Mobilfunknetz ausgeschlossen, ebenso Australien und vor kurzem auch der britische Telekommunikationsanbieter BT.

Was ist mit Deutschland, da ist Huawei ja auch beim 5G-Netzausbau mit dabei?

Ein Porträtfoto von Meng Wanzhou, Finanzvorstand des chinesischen Smartphone-Herstellers Huawei. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Mit der Verhaftung der Finanzchefin des chinesischen Technologie-Konzerns Huawei in Kanada ist zwischen Washington und Peking ein neuer Konflikt entbrannt. picture-alliance / dpa -

In Deutschland beobachtet man das gegenwärtige Geschehen sehr aufmerksam. Aber wie groß der Einfluss des chinesischen Staates auf Huawei genau ist, ist umstritten. Der Konzern selbst sagt dazu, man sei unabhängig.

Die Deutsche Telekom hält die Spionage-Vorwürfe aus den USA gegenwärtig für weitgehend unbegründet. Beim geplanten 5G-Netzausbau will die Telekom nach eigenen Angaben jedenfalls weiterhin auf "eine gute Mischung an Herstellern" setzten. Die Telekom sagt jedoch auch, dass alle Komponenten intensiv geprüft und im laufenden Betrieb analysiert. Am Ende aber ist es auch eine Kostenfrage, denn kein anderer Anbieter - sei es Nokia oder Ericsson - kann bislang preislich mit Huawei mithalten.

Online: Lutz Heyser

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