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Der türkische Präsident Erdogan ruft zum Boykott von US-Produkten auf. Vor allem Elektronikartikel wie iPhones sind ihm ein Dorn im Auge. Damit erhöht er im Handelsstreit mit den USA den Druck.

Apple iPhone und Samsung Galaxy (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Bei Smartphones liegt Samsung in der Türkei weit vor Apple. picture-alliance / dpa -

Beide Länder erheben derzeit immer wieder neue Strafzölle auf unterschiedliche Produkte. Doch die Türkei dürfte auch ohne importierte Elektronikartikel aus den USA überleben.

Andere Hersteller liegen vorne - teurer Import von US-Produkten

Das iPhone ist beliebt in der Türkei, aber deutlich gefragter sind Smartphones von Samsung. Der Hersteller aus Südkorea kommt in der Türkei auf einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent. Apple folgt mit weitem Abstand auf Platz Zwei mit 15 Prozent.

Ein Boykott würde vor allem die türkischen Verbraucher treffen, die trotzdem unbedingt ein iPhone haben möchten. Die müssten die Geräte über Umwege aus dem Ausland importieren lassen. Da die türkische Lira zurzeit sehr schwach bewertet ist, würde das richtig teuer werden.

Türkische Hersteller bieten Alternativen - mit Abstrichen

Erdogan wäre es am liebsten, wenn die türkische Bevölkerung künftig keine iPhones mehr kauft, sondern Smartphones von einheimischen Herstellern. Die hinken im Vergleich immer noch deutlich hinterher.

Es gibt zum Beispiel Vestel, ein Elektronikkonzern aus dem Westen der Türkei. Der spielt bislang keine große Rolle. Er kommt in der Türkei auf einen Marktanteil bei Smartphones von gerade einmal zwei Prozent. Vestel könnte also von einem möglichen Boykott amerikanischer Elektronikartikel profitieren.

Ebenso der Koç-Konzern: Die Unternehmensgruppe mit Sitz in Istanbul hält zum Beispiel auch Anteile an der türkischen Firma Arçelik, das ist ein großer Hersteller von Haushaltsgeräten und Fernsehern.

Arçelik kennen wir vor allem wegen der Marken, die das Unternehmen besitzt - zum Beispiel den TV-Hersteller Grundig oder auch die Gefrierschränke und Mikrowellen von Beko. Klar, Arçelik würde sich ebenfalls freuen, wenn die Menschen in der Türkei künftig keine ausländischen Waschmaschinen mehr kaufen würden, sondern eben türkische.

Tobias Frey, SWR-Redaktion Aktuelle Wirtschaft | Online: Andreas Reinhardt

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