Ein Jahr nach dem Rheintalbahn-Fiasko

Deutsche Bahn: "Wir haben aus Rastatt gelernt"

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Die wochenlange Sperrung der Rheintalbahn hatte im vergangenen Jahr für Chaos gesorgt. Zwölf Monate später erklärt die Bahn, wie sie ein solches Desaster künftig verhindern will.

Ein Teil der Baustelle mit herausgerissenen Gleisen (Foto: SWR, SWR - Neumann, Patrick)
Die Deutsche Bahn musste wegen der Rheintalbahn-Sperrung viel Kritik einstecken. SWR - Neumann, Patrick

Am 12. August 2017 begann das Fiasko: Bei Bauarbeiten am Rastatter Tunnel gab es plötzlich einen Erdrutsch und die Gleise senkten sich. Die wichtige Nord-Süd-Bahnstrecke musste deshalb bis Anfang Oktober 2017 gesperrt werden. Die Folgen waren frustrierte Pendler und genervte Anwohner.

Aber auch die Wirtschaft bekam die Bahnsperrung zu spüren. Bis zu 200 Güterzüge, die täglich auf der Strecke unterwegs waren, konnten auf einmal nicht mehr fahren. Die Unternehmen mussten umplanen und auf andere Verkehrsträger ausweichen. Vor allem die Stahlbranche und die Chemieindustrie waren von der Bahnsperrung betroffen, da beide Branchen viele Güter auf der Schiene transportieren.

Fragen an Tobias Frey, SWR Aktuelle Wirtschaft

Was ist die wichtigste Lektion, die die Deutsche Bahn aus dem Rheintalbahn-Fiasko gelernt hat?

ICE fährt an einer Ortschaft vorbei (Foto: SWR, SWR - Jochen Sülberg)
Mit einem neuen Notfallplan hofft die Deutsche Bahn darauf, dass der Zugverkehr künftig reibungsloser läuft. SWR - Jochen Sülberg

Der Staatskonzern hat gemerkt, dass sein Notfallmanagement besser werden muss. Es gab damals faktisch keinen Plan B und deshalb auch keine Umleitungsstrecken für die Züge. Die Deutsche Bahn hat deshalb in den vergangenen Monaten an einem Notfallplan gearbeitet und sich mit verschiedenen Verbänden und Behörden ausgetauscht.

Entstanden ist jetzt das sogenannte "Handbuch für internationales Störfallmanagement". Da steht drin, welche Maßnahmen bei einem größeren Problem auf der wichtigen Bahnstrecke durchgeführt werden müssen - also wie die Abläufe sind, wer im Notfall kontaktiert werden kann, und welche Umleitungsstrecken es künftig geben soll. Welche Umleitungsstrecken das sind, ist allerdings noch nicht fix. Die müssen laut Bahn erst noch genau abgestimmt und getestet werden.

Welche weiteren Maßnahmen hat die Bahn ergriffen?

Die Deutsche Bahn will internationaler denken: Geplant ist ein einheitliches Sicherheitssystem in Europa. Das Ganze heißt ETCS und steht für European Train Control System. Mit diesem System soll der grenzüberschreitende Zugverkehr besser werden. Denn es gibt europaweit sehr unterschiedliche Richtlinien und Regeln - die sollen dadurch vereinheitlicht werden.

Bislang durften zum Beispiel deutsche Lokführer nicht in Frankreich unterwegs sein, weil sie keine Zulassung hatten. Auch die Sprache machte bislang häufig Probleme, nicht jeder Mitarbeiter bei der Deutschen Bahn kann sich mit den Kollegen im Ausland verständigen. Deshalb ist ab sofort in den Netzleitzentralen - die koordinieren den Zugverkehr - bei jeder Schicht ein Mitarbeiter dabei, der auch Englisch spricht.

Die wochenlange Sperrung hatte bei vielen Unternehmen zu Umsatzeinbußen geführt. Wie sieht es mit Schadenersatzforderungen aus?

Blick auf das BASF-Gelände. (Foto: SWR, SWR -)
Vor allem Chemieunternehmen sind auf einen zuverlässigen Güterverkehr angewiesen. SWR -

Die könnten noch kommen, auch wenn sich viele Konzerne aktuell noch zurückhalten. Der Chemiekonzern BASF aus Ludwigshafen hat auf SWR-Anfrage mitgeteilt, dass er keinen Schadenersatz fordern wird. BASF musste wegen der Streckensperrung auf andere Bahnstrecken ausweichen oder Waren per Schiff oder per LKW transportieren.

Ähnlich sieht es beim Chemieunternehmen Lonza aus Basel aus, das Schweizer Unternehmen will sich bei Schadenersatzforderungen erst einmal zurückhalten. Lonza musste wegen der Streckensperrung damals umdisponieren und seine chemischen Rohstoffe auf anderen Wegen transportieren.

Ganz generell ist bislang auch noch unklar, wer für das Rheintalbahn-Fiasko verantwortlich ist. Die Untersuchungen zur Schadensursache dauern an. So lange das nicht geklärt ist, so lange müssen die Unternehmen auch bei möglichen Schadenersatzforderungen warten.

Online: Tobias Frey

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