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Viele Bahnreisende und Pendler ärgern sich aktuell über Zugausfälle und Verspätungen. Im SWR-Interview kündigt Michael Peterson, Marketingvorstand im Fernverkehr der Bahn, Verbesserungen an.

ARCHIV - Die Zug-Anzeige der Abfahrten im Münchner Hauptbahnhof informiert über die Verspätungen im Fernverkehr (Foto: SWR, picture alliance / dpa - Matthias Schrader)
Die Deutsche Bahn möchte im Jahr 2019 die "bessere Bahn" sein. picture alliance / dpa - Matthias Schrader

Die Deutsche Bahn hatte sich für das Jahr 2018 viel vorgenommen: Die Pünktlichkeitsquote im Personenfernverkehr sollte im Jahresschnitt bei 82 Prozent liegen. Schon nach wenigen Monaten musste sich der Konzern von diesem Ziel verabschieden - teilweise waren nicht einmal 70 Prozent aller Fernzüge pünktlich.

Zahlreiche Baustellen, Unwetter und altes Wagenmaterial machten der Deutschen Bahn einen Strich durch die Rechnung. Bei Michael Peterson geht der Blick nach vorne: Der Marketingvorstand DB Fernverkehr verspricht für 2019 pünktlichere Züge. Außerdem soll eine Service-Kampagne das Image des viel kritisierten Konzerns verbessern.

Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende zu. Welche Schulnote würden Sie der DB für die Leistung in diesem Jahr geben?

Mit einer einzelnen Schulnote kann ich das hochkomplexe System der Bahn kaum bewerten. Klar ist aber auch, dass wir mit unserer Leistung zurzeit nicht zufrieden sein können.

Wir bieten unseren Kunden nicht die Qualität, die sie zu Recht von uns erwarten. Ich kann aber versichern, dass wir hart daran arbeiten, dass sich das Ganze ändert. Es war definitiv ein durchwachsenes Jahr für uns.

Woran liegt es, dass Sie Ihre selbstgesteckten Pünktlichkeitswerte nicht erreichen?

Wir haben heutzutage deutlich mehr Verkehr auf der Schiene als vor 10 oder 20 Jahren. Allerdings ist das Schienennetz selbst nicht mitgewachsen. Wir haben Wachstumsschmerzen, wenn immer mehr Verkehr auf eine immer knapper werdende Schieneninfrastruktur trifft. Das äußert sich in einer schlechteren Betriebsqualität und damit für die Fahrgäste auch in einer niedrigeren Pünktlichkeit.

Welche Maßnahmen werden ergriffen, um die Züge künftig pünktlicher fahren zu lassen?

Wir investieren viele Milliarden Euro in neue und modernisierte Züge sowie in den Aus- und Neubau des Schienennetzes. Außerdem investieren wir viel Geld in die Instandhaltung der Züge, um so die Verfügbarkeit der Flotte zu erhöhen. Hier bauen wir die Werkstattkapazitäten aus und wollen mithilfe der Digitalisierung zum Beispiel Fahrzeugschäden früher erkennen.

Zudem stellen wir im kommenden Jahr mehr als neue 20.000 Mitarbeiter ein. Sie sollen dafür sorgen, dass wir insgesamt einen stabileren Betrieb bekommen. Außerdem wollen wir unseren Kunden einen besseren Service anbieten.

Was können sich Fahrgäste unter einem besseren Service vorstellen?

Wir wollen zum Beispiel unser bordgastronomisches Angebot erneuern. Wir haben zusammen mit Kunden und Mitarbeitern ein neues Konzept entwickelt, wir haben eine neue Speisekarte und neues Geschirr. Die Speisen sind qualitativ hochwertiger, wir werden die Preise aber senken.

Dazu verstärken wir die Schulungen für unsere Mitarbeiter, denn unsere Kunden sollen uns an Bord als echte Gastgeber wahrnehmen. Wir haben dieses Jahr den Komfort-Check-In eingeführt, mit dem sich Reisende selbst einchecken können. Dadurch haben unsere Zugbegleiter mehr Zeit für die Kunden.

Kritiker halten der Deutschen Bahn vor, dass ein besserer Service zwar ganz nett sei, aber das wichtigste Kriterium weiterhin die Pünktlichkeit bleibe.

Absolut, der Fokus wird auch weiterhin auf der Pünktlichkeit liegen. Wir wollen trotzdem die Reise für die Kunden angenehmer gestalten. Wir merken, dass zum Beispiel ein zuverlässiges WLAN, das ICE-Portal oder bessere Kundeninformationen durch unsere Service-Mitarbeiter einen hohen Stellenwert für die Fahrgäste haben.

Die Fahrgäste hoffen darauf, dass die Bahn ihre Pünktlichkeitswerte im kommenden Jahr in den Griff bekommt. Können Sie das versprechen?

Wir haben uns fest vorgenommen, dass wir 2019 pünktlicher fahren. Wir wollen eine bessere Bahn bieten, denn wir sind in Sachen Qualität und Zuverlässigkeit noch nicht da, wo wir sein wollen. Wir wollen aus Fehlern der Vergangenheit lernen und wollen am Ende den Kunden ein besseres Produkt präsentieren.

Von Tobias Frey, Aktuelle Wirtschaft

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