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Das Ambiente vieler Fußgängerzonen lässt zu wünschen übrig. Bei einer Befragung von Verbrauchern kamen die Stadtzentren im Schnitt nur auf die Schulnote "Drei plus". Auch Städte im Südwesten gehören dazu.

Passanten mit Einkaufstüten und Regenschirmen gehen am letzten Adventswochenende bei regnerischem Wetter durch die Innenstadt. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste -)
Viele Einkaufsstraßen sorgen bei den Verbrauchern derzeit allenfalls für lauwarme Begeisterung. picture-alliance / Reportdienste -

Fragen an Michael Herr und Michael Wegmer, Aktuelle Wirtschaft

Wie sieht es in Sachen Attraktivität bei den Innenstädten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz aus?

Ein Straßenmusiker spielt am 06.08.2015 in der Königsstraße in Stuttgart (Baden-Württemberg) auf einer Violine. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste -)
Die Stuttgarter Innenstadt wurde bei der Studie gar nicht berücksichtigt. picture-alliance / Reportdienste -

Aus Baden-Württemberg haben insgesamt zwölf Städte an der Studie des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln teilgenommen. Allerdings sind einige "Hochkaräter" - wie etwa Stuttgart, Karlsruhe und Freiburg - gar nicht dabei gewesen. Was zeigt, dass die daraus entstandene Rangliste doch nur bedingt aussagekräftig ist - etwa wenn Leipzig als insgesamt "attraktivste Stadt" Deutschlands mit über 500.000 Einwohnern bezeichnet wird, was die Innenstadt-Attraktivität angeht.

Die Hauptstraße der Altstadt in Heidelberg am Donnerstag (14.07.2005 (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste -)
Die Heidelberger Innenstadt ist in Sachen Ambiente und Flair Spitze. picture-alliance / Reportdienste -

Mitgemacht bei der Studie hat aber in Baden-Württemberg zum Beispiel Mannheim - und wurde von den Passanten dabei auch prompt zur attraktivsten Stadt mit 200.000 bis 500.000 Einwohnern gewählt, was die Einkaufsmöglichkeiten angeht. Auch die Nachbarstadt Heidelberg war mit dabei. Sie ist in der Studie unter den Städten mit vergleichbarer Größe sogar der Gesamtsieger, was Ambiente und Flair einer Stadt angeht.

Aus Rheinland-Pfalz haben insgesamt sieben Städte mitgemacht, und zwar Bad-Kreuznach, Bingen, Koblenz, Mayen, Neuwied, Speyer und Trier. Auch hier fehlen also einige große Namen - wie etwa Mainz, Ludwigshafen oder Kaiserlautern. Deshalb ist auch dort das Ranking, das auf Grundlage der Studie gebildet wurde, ebenfalls nur bedingt aussagekräftig. Was jetzt aber nicht den Ruhm des Bundessiegers aus Rheinland-Pfalz schmälern soll: Denn die Stadt Trier ist laut der Studie die beliebteste Stadt zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern.

Was macht Trier so beliebt?

Vom Weihnachtsmarkt bis zur Porta Nigra (Hinten) ist die Innenstadt von Trier am 11.12.2017 abends erleuchet. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste -)
Nicht nur zur Weihnachtszeit ein Besuchermagnet: Die Trierer Innenstadt gehört auch laut Studie zu den beliebtesten Fußgängerzonen Deutschlands. picture-alliance / Reportdienste -

Man muss fairerweise dazu sagen: In seiner Kategorie - also im Vergleich mit ähnlich großen Städten - liegt Trier vorne. Allerdings werden größere Städte nochmal deutlich attraktiver bewertet als Trier. Was die Stadt jedenfalls richtig macht: Die Mischung stimmt. Das ist die zentrale Aussage der Studie. Viele und abwechslungsreiche Geschäfte sind den Besuchern wichtig, aber dazu auch ein nettes Ambiente, schöne historische Gebäude oder Grünflächen. Trier hat beides - und das macht die Stadt unter den Besuchern so beliebt.

Der wachsende Onlinehandel ist einer der Gründe, warum viele nicht mehr in der Stadt einkaufen. Gibt es noch andere?

Das Symbol eines Einkaufskorbs leuchtet auf einer Computertastatur. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste -)
Der weiter wachsende Online-Handel macht den Innenstädten starke Konkurrenz. picture-alliance / Reportdienste -

Die Studie sagt nicht, dass viele gar nicht mehr in der Stadt einkaufen. Allerdings machen immer weniger Leute ihre Besorgungen komplett nur noch in der Innenstadt. Die meisten Verbraucher nutzen mittlerweile beides: Onlineshopping und Einkaufen vor Ort.

Dabei ist das zentrale Problem: Onlineshopping wird immer attraktiver - aber die Innenstädte fallen zurück. Sie bleiben in ihrer Beliebtheit jedenfalls ziemlich gleich, im Schnitt mit der Note "Drei plus". Unter anderem etwa, weil viele Befragte bei den Städten bemängeln, dass es zu wenige und zu teure Parkplätze gibt.

Liefert die Studie auch Auswege aus dem Dilemma?

Ja, dass tut sie. An einigen Punkten lässt sich allerdings schwer etwas ändern, zum Beispiel beim Ambiente. Sehenswürdigkeiten oder historische Gebäude kann eben keine Stadt einfach so aus ihrem Hut zaubern.

Was man aber ändern könnte, sagen die Handelsexperten: Wenn eine Stadt es schafft, ganz verschiedene Läden mit einem insgesamt großen und vielfältigen Angebot in die Stadt zu locken, macht sie das direkt beliebter. Für kleinere Städte, für die das nicht möglich ist, heißt es hingegen: Events anbieten, Feste, öffentliche Konzerte oder ähnliches. Auch das lockt die Menschen in die Städte, und dann bleiben sie dort möglicherweise auch noch zum Einkaufen.

Online: Lutz Heyser

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