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Bei der Haltung von Nutztieren hat sich anscheinend wenig verbessert. Deshalb fordert der Deutsche Tierschutzbund anlässlich des Welttierschutztages die Politik erneut zum Handeln auf.

Unsere Haustiere werden verhätschelt, um unsere Nutztiere machen wir uns dagegen weit weniger Gedanken. Trotzdem wollen Verbraucher eigentlich nicht, dass "ihr Fleisch" leidet, solange es lebt. Doch der Deutsche Tierschutzbund sieht nach wie vor viele Defizite.

Eigentlich wollte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) das Kükenschreddern spätestens in diesem Jahr abgeschafft haben. Noch immer werden aber mehr als 44 Millionen männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen vergast und zerstückelt, weil sie keine Eier legen. Den überlebenden Schwestern geht es kaum besser, denn das Hochleistungseierlegen mergelt ihre Körper aus. Nach drei Jahren werden sie allenfalls noch als Suppenhuhn verwertet.

Kühe werden meist in beengten Ställen gehalten

Kühe im Stall (Foto: SWR, SWR - SWR)
Kühe sind oft in enge Ställe eingepfercht. SWR - SWR

Kühe sind nicht besser dran. Eigentlich sind sie extrem gesellig und grasen vorzugsweise in Gruppen. Die Mütter umsorgen ihre Kälber intensiv. Und alle zusammen beschützen den Nachwuchs fürsorglich - wenn man sie ließe. In der Realität sehen aber mehr als die Hälfte der Milchkühe keine Wiese, sondern leben beengt in Ställen. Ihre Hörner werden bereits im Kälbchenalter ausgebrannt.

Schon vorher leiden die Kälber, denn sie werden kurz nach der Geburt von der Mutter getrennt. Die Kleinen wachsen dann verstört und einsam in kleinen Boxen auf und bekommen Milchersatz zu trinken. Die gute Kuhmilch wird nämlich ausschließlich für uns Menschen produziert. Und damit die Milchleistung stimmt, sind die Kühe dauerträchtig. Sobald die Milchleistung nachlässt, werden die Kühe geschlachtet. Das ist meist nach rund fünf Jahren der Fall. Normalerweise werden Kühe etwa dreimal so alt.

Schweine wachsen nur selten artgerecht auf

Eine Sau liegt in ihrer Box (Foto: SWR, SWR -)
Schweine werden in engen Boxen gehalten. SWR -

Auch Schweine würden gern in Gruppen leben und rund um die Uhr nach Futter wühlen. Kurz vor der Geburt bereiten Sauen normalerweise für sich und ihre Ferkel ein abgelegenes, geschütztes Nest vor für die ersten gemeinsamen Tage.

In der Tierhaltung aber stehen die Muttersauen einzeln wochenlang eingepfercht in einem Körperkäfig, der keinen Schritt nach vorn oder hinten zulässt. In diesen sogenannten Kastenständen können sich die Sauen gerade noch hinlegen, um ihre Ferkel zu säugen.

Bundesverwaltungsgericht stuft Kastenstandhaltung als rechtswidrig ein

Zuletzt hatte das Bundesverwaltungsgericht die derzeitige Kastenstandhaltung im Deckzentrum als rechtswidrig eingestuft. Sie ist in Ländern wie Schweden oder der Schweiz bereits verboten. Nach dieser Entscheidung der Richter war Bundeslandwirtschafsminister Schmidt gezwungen, zu handeln. Er legte einen Plan vor, die Kastenstandhaltung mit einer Übergangsfrist von mindestens 15 Jahren zu verbessern.

Was wird aus dem staatlichen Tierwohllabel?

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) präsentiert ein neues staatliches Label für mehr Tierwohl (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) bei der Präsentation des Tierwohllabels picture-alliance / dpa -

Das staatliche Label für mehr Tierwohl sollte beim Fleisch an den Supermarkttheken bereits in diesem Jahr kenntlich machen, ob es aus einem Betrieb mit verbesserter Tierhaltung stammt.

Vorgestellt hatte Minister Schmidt das Tierwohllabel im Januar 2017 anlässlich der Grünen Woche in Berlin. Tatsächlich umgesetzt wurde es bisher nicht.

Sabine Schütze, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Stefan Heinz

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