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Die gesetzlichen Krankenkassen haben in diesem Jahr deutlich höhere Überschüsse. Eine Beitragssenkung oder bessere Leistungen für die Versicherten sind aber unwahrscheinlich.

Grund für die positive Entwicklung ist zum einen die gute Konjunktur und die damit verbundene gute Beschäftigungslage. Die liegt auf Rekordniveau, und deshalb fließen auch mehr Beiträge ins System. Hinzu kommt zum anderen, dass viele Krankenkassen ihre Kosten inzwischen besser im Griff haben als früher. So haben sie zum Beispiel bei Arzneimitteln Rabattverträge geschlossen und prüfen die Abrechnungen der Krankenhäuser, wo es ja oft um hohe Summen geht, effizienter als in der Vergangenheit.

Gehen jetzt die Beiträge runter und die Leistungen rauf?

Das alles hat dazu geführt, dass die 113 gesetzlichen Krankenkassen in den ersten neun Monaten diesen Jahres trotz höherer Ausgaben rund 2,5 Milliarden Euro zurücklegen konnten. Die Gesamtrücklagen steigen auf den Rekordwert von mehr als 18 Milliarden Euro.

Deshalb soll ab kommendem Jahr der Zusatzbeitrag von 1,1 auf 1,0 Prozent sinken. Der allgemeine Beitragssatz, den zur Hälfte Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen, liegt bei durchschnittlich 14,6 Prozent. Dazu kommt noch der Zusatzbeitrag, den die gesetzlich Versicherten alleine tragen müssen. Und nur an der Stelle wird geschraubt.

Kassen können Zusatzbeitrag individuell festlegen

Sinkt der Zusatzbeitrag also um 0,1 Prozentpunkte, spart ein Versicherter, der 3.000 Euro verdient, dann etwa drei Euro im Monat. Das reicht vielleicht für eine Bratwurst auf dem Weihnachtsmarkt. Vorausgesetzt, die eigene Krankenversicherung macht mit.

Denn jede Kasse kann den Zusatzbeitrag je nach Finanzlage individuell festlegen, und etwa die Hälfte der gesetzlichen Krankenkassen kann sich eine Senkung eigentlich gar nicht leisten. Da wird hinter den Kulissen jetzt fleißig gerechnet. Und in diese Berechnungen fließt mit ein, dass die Ausgaben im kommenden Jahr wieder steigen sollen, insbesondere durch neue hochpreisige Arzneimittel.

Mit besseren Leistungen können Versicherte kaum rechnen

Die meisten Versicherten werden im Laufe des Dezembers erfahren, wie hoch der Zusatzbeitrag bei ihrer Krankenversicherung am Ende ausfallen wird. Unterm Strich wird es trotz der aktuell guten Finanzlage allenfalls auf eine bescheidene Beitragssenkung hinauslaufen. Mit besseren Leistungen für die Versicherten auf breiter Front ist vor diesem Hintergrund leider auch nicht zu rechnen.

Von Uwe Bettendorf, SWR Wirtschaft und Soziales | Online: Stefan Heinz

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