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Verbraucher erfahren nur wenig darüber, was in losen Backwaren drin ist. Verbraucherschützer wollen dies ändern. Für Bäcker könnten sich daraus auch Vorteile ergeben.

Die Zeiten von eintönigem Roggenmischbrot sind in den meisten Bäckereien längst vorbei. Heute gibt es Vitalbrote, Sportlerbrötchen oder Eiweißbrot. Klingt nicht nur moderner, sondern auch gesünder. Aber ob Brote mit diesen Fantasienamen wirklich halten, was sie versprechen, ist für die Kunden nicht sichtbar. Verbraucherschützern wollen dies ändern. Im Vorfeld der Grünen Woche in Berlin haben diese am Mittwoch eine bessere Kennzeichnung von Brot und Brötchen gefordert. "Leider kann ich mich nicht drauf verlassen, dass diese Bezeichnung wirklich stimmt, die sagt, das Brötchen ist gesünder als ein anderes", sagt Klaus Müller, Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentrale.

Bisher nur Allergene und kennzeichnungspflichtige Zusatzstoffe ausgewiesen

Bisher müssen Bäcker lediglich die wichtigsten Allergene und kennzeichnungspflichtigen Zusatzstoffe angeben. Was darüber hinaus im Kornvitalbrötchen oder im Fitmacherbrot steckt, erfahren Verbraucher nicht. Vielen Kunden ist das zu wenig. "Rund zwei Drittel der deutschen Verbraucher würden sich eine umfangreichere Kennzeichnung, auch bei losen Backwaren, wünschen", sagt Professor Achim Spiller von der Universität Göttingen, der im Auftrag der Verbraucherzentrale und des Internetportals Lebensmittelklarheit eine Umfrage durchgeführt hat.

Verbraucher wünschen sich nicht nur Klarheit über die Zutaten, sondern auch über die Nährwerte, wie beispielsweise die Kalorienzahl. Müller fordert von der Politik, was bei anderen Lebensmitteln längst üblich sei, müsse auch für lose Backwaren gelten, nämlich dass erkennbar sei, "ob in einem Brot oder Brötchen eben nicht nur ein fantasievoller Name drauf steht, sondern auch wie viel Zucker, Fett und Salz tatsächlich drin ist, damit ich vergleichen kann". Zudem fordert der Verbraucherschützer, dass "tatsächlich definiert ist, dass die Fantasienamen Vollkern genauso klar geregelt sind wie Vollkornbrötchen". Müller fordert also eine Art Reinheitsgebot fürs Brot, damit jeder Verbraucher sofort weiß, welche Zutaten sich hinter welchem Brotnamen verbergen.

Chance für Traditionsbäcker

Den Bäckern, die bei diesen Forderungen Regulierungswut und Bürokratie befürchten, will Müller Mut machen, die Forderungen der Verbraucherschützer zu unterstützen: "Ich würde den Traditionsbäcker bei mir um die Ecke ermutigen und sagen, was ist das für eine tolle Chance, wenn du, der deinen Brötchenteig sehr gut kennst, zeigen kannst, wie wertvoll, wie gesundheitsbezogen und wie lecker diese Brötchen sind". Denn wenn der Kunde wisse, dass auch wirklich drin ist, was draufsteht, dann sei das ein klarer Qualitätsvorteil.

Nach jetziger Gesetzeslage müssen nur bei vorverpackten Lebensmittel Nährwertangaben gemachen werden. Unverpackte Lebensmittel oder solche, die vor Ort für den Verbraucher verpackt werden, sind davon ausgenommen. Auch alkoholische Getränke müssen ab einem gewissen Alkoholgehalt keine Angaben über Nährwerte machen.

Autor: Dominik Bartoschek | Online: Thomas Oberfranz

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