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Elektrisch beheizte Handschuhe, blinkende Sportschuhe oder der Badezimmerschrank mit fest eingebauter Beleuchtung. Vieles muss jetzt getrennt entsorgt werden.

Leuchtende Turnschuhe (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Leuchtende Turnschuhe sind am Ende Elektroschrott. picture-alliance / dpa -

Schon seit gut zwei Jahren schreibt in Deutschland das Elektrogesetz vor, dass der Handel Elektrogeräte zurücknehmen und zum Recycling geben muss. Nun gibt es eine Neuregelung. Es fallen jetzt noch viel mehr Produkte unter das Gesetz als vorher.

Nicht in die Mülltonne, sondern zurück zum Händler oder in die Wiederverwertung. (Foto: SWR, SWR -)
Nicht in die Mülltonne, sondern zurück zum Händler oder in die Wiederverwertung. SWR -

Ab sofort auch solche, die nur kleine elektronische Bauteile enthalten. Etwa ein Badezimmerschrank mit Beleuchtung gilt jetzt als Elektroschrott. Oder auch ein Turnschuh, wenn er eine blinkende Sohle hat. All das sind Produkte, die künftig mit einer durchgestrichene Mülltonne gekennzeichnet sind. Das bedeutet, sie dürfen nicht in den Hausmüll oder auf den Sperrmüll, sondern müssen gesammelt und entsorgt werden. Entweder indem man sie im Handel zurückgibt oder zum Wertstoffhof bringt.

Geschnitten oder am Stück?

Ob am Stück oder in Einzelteilen, das hängt davon ab, wie die Elektronik verbaut ist. Lässt sie sich einfach abmontieren, ist nur sie Elektroschrott, der Rest geht auf den Müll. Ist die Elektronik so verbaut, dass sie sich ohne Beschädigung nicht herausnehmen lässt, dann gilt das gesamte Produkt als Elektroschrott. Denn auch der Handel ist verpflichtet, Elektrogeräte zurückzunehmen.

Für kleine Geräte gilt das ganz grundsätzlich, unabhängig davon, wo man es gekauft hat und ob man ein neues kauft. Bei größeren Geräten gilt: Wo man ein neues kauft, dort kann man das alte auch zurückgeben. Und wird ein Gerät ausgeliefert, muss auf dem Rückweg das alte Gerät mitgenommen werden.

Besonderheiten bei Internet-Bestellungen

Für den Online-Handel gelten allerdings besondere Regeln. Ein Punkt, der immer wieder für Kritik am Elektrogesetz sorgt. Zum Beispiel können die Shops dem Käufer auch einfach mitteilen, wo sich die nächste Sammelstelle für Elektroschrott befindet, und haben damit ihre Pflicht erfüllt und der Käufer muss dann selbst klarkommen. Auch, dass nicht jeder Laden Geräte zurücknehmen muss, sondern nur solche ab einer bestimmten Größe, macht es für Verbraucher nicht gerade übersichtlicher.

Wenig Elektro-Sammelleidenschaft bei den Deutschen

Rund 1,7 Millionen Tonnen Elektroschrott produzieren wir Deutsche jedes Jahr. Doch trotz Elektrogesetz werden zu wenige Altgeräte zurückgebracht. Die Quote liegt gerade mal bei rund 40 Prozent, der Rest landet auf dem Müll oder wird exportiert.

Abhilfe könnte ein Vorschlag der Deutschen Umwelthilfe schaffen: Sie fordert Pfand auf jedes Elektrogerät, dann hätten die Verbraucher einen Anreiz, es zurückzubringen.

Möbelhandel sieht Probleme

Welche Möbelstücke genau unter die neue Regelung fallen, ist für den Handelsverband Möbel und Küchen noch unklar. Der Geschäftsführer des Verbandes, André F. Kunz, sagte im SWR-Interview, der Handel könne den Kunden nicht immer darauf hinweisen, dass der Schrank ein Elektrogerät sei. "Das weiß man teilweise selbst nicht im Voraus, ob das jetzt tatsächlich Elektroschrott ist oder nicht." Wenn sich die Elektroteile einfach ausbauen ließen, seien nur diese dann Elektroschrott.

Rücknahme für Möbel mit Elektroelementen

Der Handel wird nach den Worten von Kunz die Möbel zurücknehmen, wenn die Grundvoraussetzungen erfüllt sind. Dazu müsse einerseits die Verkaufsfläche, auf der Elektrogeräte und Möbel ausgestellt werden, mindestens 400 Quadratmeter betragen und ein sogenannter 1:1-Austausch stattfinden. "Man kennt das schon aus anderen Bereichen - Waschmaschine gegen Waschmaschine - also jetzt hier Massagesessel gegen Massagesessel", so Kunz.

Von Dominik Bartoschek, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Andreas Reinhardt

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