Zusätzliche Krebsversicherungen Geschäfte mit der Angst vor Krebs

Sich gegen Krebs versichern? Klingt absurd. Krebsversicherungen werben aber genau damit: bessere ärztliche und finanzielle Versorgung, falls man an Krebs erkrankt. Experten raten ab.

Krebszellen - 3D Rendering (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Krebszellen - eine zusätzliche Krankenversicherung bringt keinen zusätzlichen Nutzen. Thinkstock -

Es ist ein Geschäft mit der Angst, in das manche Versicherungen mittlerweile eingestiegen sind: Sie werben für "Krebsversicherungen" - Krebs-Schutz oder Krebs-Airbag heißen die Tarife. Sie kosten zwischen zehn und bis zu 40 Euro im Monat - und versprechen, dass wir dank einer solchen Versicherung bessere Chancen haben, die Krankheit zu überleben.

Unsinn, sagt die Stuttgarter Ärztin Birgit Wolland-Braun. "Weder für die Krebsfrüherkennung ist das notwendig, noch, was die Therapie von Krebserkrankungen betrifft.

Wir haben bei der Krebsfrüherkennung sehr gut abgewogene Techniken, wobei jeder Patient diese Therapien bekommen kann - ungeachtet, ob er privat oder kassenversichert ist."

Eigener Lebensstil schützt vor Krankheit - keine Versicherung

Jedes Jahr erkranken etwa 500.000 Menschen in Deutschland neu an Krebs - für viele ist die Krankheit deshalb das Schreckgespenst schlechthin, weiß Ulrika Gebhard vom Krebsverband Baden-Württemberg. Genau an dieser Angst lässt sich mitunter gut verdienen. "Wenn man etwas gegen den Krebs tun möchte, wäre es sinnvoll, sich gesund zu ernähren, einen gesunden Umgang mit der Sonne zu pflegen, nicht zu rauchen. Damit kann ich mich gegen Krebs schützen - und nicht mit so einer Versicherung."

Krankheit und die Auswirkungen auf Arbeit und Beruf

Wer tatsächlich an Krebs erkrankt - auch das erlebt Ulrika Gebhard immer wieder - hat oft nicht nur mit der Krankheit an sich, sondern auch mit deren finanziellen Folgen zu kämpfen. "Viele sind über längere Zeit arbeitsunfähig, vielleicht sogar auf Dauer berufsunfähig."

Genau in diesen Fällen sollen die Krebsversicherungen einspringen - sie bezahlen im Falle einer Erkrankung bis zu 10.000 Euro. Doch das ist im Ernstfall viel zu wenig.

Experten: Berufsunfähigkeitsversicherung und die Alternativen

Auch Verbraucherschützer halten wenig von der Krebsversicherung. Peter Grieble, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sagt: "Wenn man sich umfassend versichern möchte, ist die beste Absicherung die Berufsunfähigkeitsversicherung."

Wer die nicht bekommt - zum Beispiel, weil er eine Vorerkrankung hat - sollte sich für eine so genannten Dread Disease-Versicherung entscheiden, eine Versicherung gegen gefürchtete Krankheiten. Diese zahlen einen einmaligen Geldbetrag aus, wenn man an bestimmten Krankheiten, zum Beispiel an Krebs, an einem Herz- oder Lungenleiden, erkrankt.

Psycho-onkologische Betreuung nach der Diagnose

In den psycho-onkologischen Beratungsstellen in Baden-Württemberg - zwölf gibt es davon - werden Patientinnen und Patienten nach einer Diagnose betreut. Momentan ist nicht geregelt, wer dieses Angebot finanziert. Deshalb sind inzwischen das Land Baden-Württemberg, die Deutsche Rentenversicherung, etliche Unternehmen und die gesetzlichen Krankenkassen eingesprungen. "Wer sich nicht daran beteiligt, obwohl man sie aufgefordert hat, sind die privaten Krankenkassen. Das bedauern wir unheimlich, weil es ein niedrig-schwelliges, kostenfreies Angebot ist. Bevor sich Privatversicherer überlegen, eine Krebsversicherung anzubieten, sollten sie sich lieber da engagieren, wo wirklich ein Bedarf ist", so Ulrika Gebhard.

Doch die Versicherungen haben erkannt: Mit der Angst lassen sich gute Geschäfte machen. Und auf diese Geschäfte wollen viele offenbar nicht verzichten.

Von Geli Hensolt, SWR Wirtschaft und Soziales | Online: Heidi Keller

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