Zukunft der Automobilindustrie Warum sich deutsche Autobauer zusammentun

Aus Konkurrenten werden Kumpels: Der Stuttgarter Autobauer Daimler und der Münchner BMW-Konzern wollen mit Kooperationen in eine erfolgreiche Zukunft fahren.

Daimler und BMW arbeiten enger zusammen (Foto: picture-alliance / dpa / Fotomontage: SWR -)
Daimler und BMW standen sich jahrelang als Konkurrenten gegenüber, doch immer häufiger arbeiten die beiden Autobauer jetzt zusammen. picture-alliance / dpa / Fotomontage: SWR -

Die Autohersteller Daimler und BMW machen künftig auch beim autonomen Fahren gemeinsame Sache. Beide Unternehmen haben jetzt eine entsprechende Erklärung unterschrieben. Erst vor Kurzem hatten die Autobauer angekündigt, in Sachen Carsharing enger zusammenarbeiten zu wollen. So wollen Daimler und BMW eine Milliarde Euro in gemeinsame Mobilitätsdienste investieren.

Fragen an Michael Wegmer, SWR Aktuelle Wirtschaft

Wie sieht die neue Kooperation zwischen Daimler und BMW aus?

Beide Unternehmen hatten bereits vorher unabhängig voneinander angekündigt, dass sie ab 2021 ein Auto auf die Straße bringen wollen, das auf Autobahnen autonom fahren kann. Das Fahrzeug soll aber noch Lenkrad und Gaspedal haben, es sitzt also noch ein Mensch drin. Diesen ersten Schritt wollen beide jetzt zusammen unternehmen und ein solches Auto entwerfen - auch mit einer vollautomatischen Parkfunktion.

Autonomes Fahren ist in fünf Stufen unterteilt und dieser gemeinsame Plan entspräche den Stufen drei und vier: Das Auto fährt also überwiegend selbstständig, trotzdem muss noch ein Mensch am Steuer sitzen, um im Notfall eingreifen zu können. Beide Unternehmen wollen so ein Auto nicht nur in Europa, sondern auch in China und in den USA auf Autobahnen fahren sehen. Die Produktion dieses Fahrzeugs soll spätestens bis 2025 in Serie gehen.

Darüber hinaus wird es etwas unkonkreter: Geplant ist die Vollautomatisierung, also Stufe fünf, auch auf Landstraßen und in Städten. Allerdings gibt es hierfür noch keine Zeitpläne.

Warum entschließen sich aktuell viele Autobauer, gemeinsam an neuen Projekten zu arbeiten?

Solche Kooperationen in der Autobranche sind gerade überall zu beobachten, das ist kein Zufall. Die deutschen Autobauer stehen vor einem Umbruch, den es so seit Jahrzehnten nicht gegeben hat. Zum einen geht der Absatz zurück: Zum ersten Mal seit Jahren sind 2018 wieder weniger deutsche Autos exportiert worden. Das lag unter anderem an der Diesel-Krise, den Handelskriegen und einer schwächeren Weltkonjunktur.

Zum anderen gibt es mittlerweile völlig neue Zukunftstechnologien auf dem Markt - die Entwicklung von autonom fahrenden Autos und Elektroantrieben. Wenn ein Unternehmen hier mitmischen, forschen und entwickeln möchte, muss es viel Geld in die Hand nehmen. Das ist für einen Konzern allein kaum zu machen. Denn es ist ein sehr hohes Risiko, wenn ein Unternehmen viele Milliarden in Elektroautos investiert und sich dieser Antrieb dann doch nicht durchsetzt.

Ähnlich sieht es beim autonomen Fahren aus. Hier gibt es große Technologieunternehmen wie zum Beispiel das amerikanische Unternehmen Waymo, das zur Google-Mutter Alphabet gehört. Gegen diese Konzerne allein anzutreten, ist fast aussichtslos. Außerdem haben die Autobauer vielleicht auch gar nicht das Wissen, denn sie haben sich bislang um Motoren oder Karosserien gekümmert. Gerade beim autonomen Fahren gibt es deshalb schon viele Zusammenarbeiten, um Wissen zu bündeln: VW und Ford arbeiten genauso zusammen wie General Motors und Honda.

Wo steht Deutschland bei der modernen Technologie?

Elektroauto an Ladesäule (Foto: picture alliance / Jan Woitas/dp -)
Bei der Elektromobilität droht Deutschland, den Anschluss zu verlieren. picture alliance / Jan Woitas/dp -

Beim autonomen Fahren sieht es in Sachen Forschung gut aus. Die meisten Patente zum autonomen Fahren kommen zwar aus den USA, aber dahinter auf Platz zwei liegt schon Deutschland mit einem Patentanteil von 14 Prozent. Damit stehen wir weit vor asiatischen Ländern. China zum Beispiel kommt nur auf drei Prozent.

Anders sieht es hingegen bei der Elektromobilität aus: Da haben wir eine entscheidende Entwicklung verschlafen, nämlich die Herstellung von eigenen Batteriezellen, dem Herz eines jeden Akkus. Diese Zellen kommen seit vielen Jahren aus Asien.

Erst jetzt läuft eine Ausschreibung des Bundeswirtschaftsministeriums für Fördermittel, um eine solche Batteriezellenfabrik auch in Deutschland zu bauen. Der Fahrzeugkonzern MAN zum Beispiel wollte schon vor 2020 Elektrobusse anbieten. Das klappt allerdings nicht, da es nicht genügend Batteriezellen gibt. Da ist Deutschland viel zu spät dran und wenn das noch lange dauert, dann ist der Vorsprung asiatischer Länder bei diesem Kernprodukt für die E-Mobilität nicht mehr aufzuholen.

Online: Tobias Frey

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