Wirtschaftsbeziehungen Deutschland - Iran "Ich glaube nicht, dass das gutgehen kann."

Mit dem US-Ausstieg aus dem Iran-Atomabkommen könnten sich die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und dem Iran extrem verschlechtern. Der Grund: neue Wirtschaftssanktionen.

Reaktionen auf Iran-Abkommen (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Proteste im iranischen Parlament nach dem US-Ausstieg aus dem Atomabkommen. picture-alliance / dpa -

Seit der letzten Lockerung der Wirtschaftssanktionen Anfang 2016 ist der deutsch-iranische Handel um 42 Prozent gewachsen. Auch die Prognosen sahen gut aus. Nach der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, tatsächlich aus dem Atomabkommen auszusteigen, sind die Folgen in wirtschaftlicher Sicht noch nicht genau absehbar - sie könnten sich extrem verschlechtern.

Produktion von Großventilator im ebm-papst-Werk in Mulfingen-Hollenbach (Foto: SWR, Ebm-papst -)
Auch Firmen im Südwesten liefern in den Iran. Ebm-papst -

SWR-Wirtschaftsredakteurin Katha Jansen sprach mit einem Deutsch-Iraner, der gerne anonym bleiben möchte. Er arbeitet für ein Handelsunternehmen, das im Außenhandel zwischen beiden Ländern arbeitet und Geschäfte zwischen deutschen und iranischen Partnern koordiniert.

Wie besorgt sind die Handelspartner auf beiden Seiten jetzt?

Die sind eigentlich in Panik. Es ist ja jetzt etwas gewesen, was sich schon in den letzten Wochen angedeutet hat und daher weiß ich, dass sehr große Besorgnis und Panik herrscht.

Gerade in dem Bereich, wo wir sind. Wir beliefern für einen iranischen Motor, der aus vielen verschiedenen Komponenten zusammengebaut wird. Es müssen nur ein oder zwei Schlüsselkomponenten ausfallen, dann würde sozusagen der gesamte Motor stillgelegt werden, unabhängig davon, ob weitere Zulieferer bereit sind zu liefern oder nicht. Weil im Endeffekt ist es ein Baukasten-Satz, und wenn eine Komponente fehlt, kann der Motor definitiv nicht in Betrieb gehen.

Wenn wir auf die vergangenen Monate zurückschauen, wie haben Sie da die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Iran und Deutschland an der Basis, in ihrem Job erlebt?

Überlandstraße im Gebirge (Foto: SWR, SWR/LMA/Along Mekong - Rolf Lambert)
Die Wirtschaft im Iran hatte sich gerade mühsam etwas erholt. SWR/LMA/Along Mekong - Rolf Lambert

Zunehmend schwieriger werdend und zwar aus dem einen Grund, dass der Iran spätestens seit den Raketenangriffen in Syrien, glaube ich, schon Vorahnungen hatte diesbezüglich. Die Devisen wurden eingefroren, und es gab große Wechselkursdifferenzen innerhalb kürzester Zeit, so dass teilweise eine Verdoppelung der Einkaufspreise für den iranischen Markt stattgefunden hat. Dementsprechend sind die Zahlungsströme nicht mehr so geflossen, wie wir es gewohnt sind.

Eigentlich haben wir im letzten Monat schon einige Lieferungen, die wir hätten tätigen sollen, nicht machen können, da Zahlungen ausgeblieben sind.

Was würde ihnen jetzt von Seiten der deutschen Politik am ehesten weiter helfen?

Es ist so, dass die deutsche Politik Wege finden muss, die deutschen Unternehmen zu schützen, die mit dem Iran weiterhin arbeiten möchten. Allerdings frage ich mich, wie das möglich sein sollte in einem Rechtsstaat. Das ist ja nicht so, dass man ein deutsches Unternehmen verpflichten kann, die Projekte weiterzuführen.

Wenn ein deutsches Unternehmen die Entscheidung treffen muss, ob es vielleicht weiterhin den doppelt oder dreifach so großen Umsatz auf dem amerikanischen Markt tätigen möchte oder auf dem iranischen Markt tätig sein möchte, wird es sich wahrscheinlich für den amerikanischen Markt entscheiden und die iranischen Projekte ruhen lassen - unabhängig davon, was die Europäische Union entscheidet.

Sollten die Sanktionen wirklich scharf und weitgehend sein, was würde das für den Iran bedeuten?

Iran (Foto: SWR, SWR - Reinhard Baumgarten)
60 Prozent der Studierenden im Iran sind Frauen. Jährlich verlassen etwa 250.000 meist gut ausgebildete Iraner ihr Land. SWR - Reinhard Baumgarten

Für den Iran würde es bedeuten, dass die Wirtschaft, die sich in den letzten Jahren ganz langsam, aber stetig, erholt hat, wieder komplett dahin zurückfällt vor 2015. Vielleicht tritt sogar eine Verschlimmerung ein.

Es würde meiner Meinung nach zu Unruhen kommen, weil die Besorgnis in der Bevölkerung ist sehr, sehr groß. Und, was auch immer wieder dargelegt wird, es würde den Zulauf zu den radikalen Kräften erhöhen.

Was sagen Sie ihren Handelspartnern, den Firmen mit denen Sie arbeiten?

Ich glaube nicht, dass das gutgehen kann.

Dann gehen Sie im Endeffekt davon aus, dass auch ihr Unternehmen keine Zukunft hat?

Auf jeden Fall gehe ich davon aus, dass das Unternehmen auf ein Minimum runtergefahren werden muss - in der Hoffnung, dass sich vielleicht auf Grund einer neuen Vereinbarung in zwei, drei Jahren wieder neue Optionen bieten, um wieder tätig zu werden.

Online: Heidi Keller

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