Wirtschaft in Baden-Württemberg Brexit-Chaos bereitet Firmen Kopfzerbrechen

Das Durcheinander beim Brexit sorgt viele Firmenchefs in Baden-Württemberg: Großbritannien ist einer der wichtigsten Handelspartner, aber niemand weiß, wie es weitergeht mit den Handelsbeziehungen.

Seit 40 Jahren verkauft das Waiblinger Familienunternehmen Stihl Motorsägen, Rasenmäher und Heckenscheren in Großbritannien. Die Insel gehört zu den wichtigsten Märkten für Stihl. Etwa 130 Menschen arbeiten dort für das schwäbische Unternehmen.

Mit dem Brexit wird sich manches verändern, meint Nikolaus Stihl, der Chef des Aufsichtsrats: "Wir werden höhere Kosten haben für den Vertrieb in Großbritannien, weil die Bürokratie stärker wird. Wir müssen mit längeren Standzeiten an den Grenzen rechnen, um die Zollformalitäten abwickeln zu können. Selbstverständlich werden die Produkte etwas teurer werden, weil die Kosten höher werden."

Furcht vor dem ungeregelten Brexit und höheren Hürden

Ähnliche Befürchtungen haben im Moment viele Unternehmer im Land. Nach dem Hin und Her der letzten Tage gehe bei ihnen die Angst um, dass das Ganze im Chaos - also im ungeregelten Brexit - ende, heißt es bei der IHK Region Stuttgart. Den bekämen die Firmen in Baden-Württemberg an vielen Stellen zu spüren.

Zum Beispiel dürfte es schwieriger werden, Mitarbeiter nach Großbritannien zu schicken. Das würde unter anderem die Handwerksbetriebe in Baden-Württemberg treffen. Viele übernehmen momentan mit ihren Mitarbeitern Aufträge auf der Insel, erklärt Aline Theurer von der Handwerkskammer. "Man kann davon ausgehen, dass man sich künftig anmelden muss, um seine Arbeitsleistung zu erbringen. Es kann auch sein, dass nicht mehr alle Gewerke vor Ort arbeiten dürfen."

Großbritannien muss um seinen Ruf bangen

Auch der Warenaustausch mit Großbritannien wird wohl deutlich schwieriger. Der Maschinenbauer Voith aus Heidenheim arbeitet aktuell mit 140 Lieferanten von der Insel zusammen - und für die könnte der Brexit Folgen haben, sagt Voith-Chef Toralf Haag: "Wir sind dabei, sie eventuell schrittweise zu ersetzen. Man muss sich nur mal vorstellen, wenn das alle Industrieunternehmen in Europa machen - wie es dann den Zulieferern geht in Großbritannien."

Großbritanniens Image leidet

Unter dem Brexit-Chaos aber hat das Image der Insel gelitten. Das zeigt eine neue Umfrage der Landesbank Baden-Württemberg: Danach gilt Großbritannien bei vielen Mittelständlern inzwischen als schlechter Wirtschaftsstandort und liegt deshalb hinter Ländern in Nordafrika und im Nahen Osten.

Britischer Markt für Stihl weiterhin relevant

Bei Stihl in Waiblingen hat das Management mittlerweile die Devise ausgegeben: Brexit - jetzt erst recht! Im nächsten Jahr investiert das Unternehmen deshalb mehrere Millionen Euro in eine neue Vertriebsgesellschaft in Großbritannien. Egal, wie, wann und ob der Brexit kommt - für Nikolas Stihl steht fest: "Stihl bleibt im britischen Markt. Der britische Markt wird für Stihl weiter wichtig bleiben."

Von Geli Hensolt, Aktuelle Wirtschaft | Online: Heidi Keller

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