Weltweites Plastik-Problem Bio-Kunststoff - Alternative zur Plastiktüte?

Die Deutschen verbrauchen immer weniger Plastik-Tragetaschen. Das Plastik-Problem ist dadurch aber noch nicht gelöst. Alternative könnten sogenannte Bio-Kunststoffe sein.

Mann hält gelbbraunes, rechteckiges Element in den Händen (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Retrupor besteht hauptsächlich aus Stroh und Zellulose. Es wird in Glindenberg (Sachsen-Anhalt) hergestellt. picture-alliance / dpa -

Die gute Nachricht: Der Verbrauch an Plastik-Tragetaschen geht in Deutschland zurück. 2017 verbrauchten die Deutschen rund 29 Tüten pro Kopf - ein Jahr zuvor waren es noch 45, so aktuelle Zahlen der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung. Hierbei geht es jedoch nicht um die dünnen, transparenten Tüten für Obst und Gemüse. Diese, genauso wie andere Plastik-Verpackungen und -Produkte, stellen nach wie vor ein massives Umweltproblem dar.

Bio-Plastik - wirklich umweltfreundlicher?

Bio-Plastik klingt zunächst einmal nach einer guten Alternative. Unter dem Begriff Bio-Plastik werden jedoch zwei ganz unterschiedliche Konzepte verstanden. Einmal wird so Kunststoff bezeichnet, der kompostierbar ist - zum anderen aber auch Kunststoff, der auf Biomasse - zum Beispiel Mais - basiert. Die biobasierten Kunststoffe sind jedoch nicht zwangsläufig biologisch abbaubar. Und die biologisch abbaubaren Kunststoffe können teilweise auch aus fossilen Rohstoffen hergestellt sein. Außerdem kann auch Bioplastik problematische Zusatzstoffe enthalten.

Gesicht schaut durch grüne Folie (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Auch durchsichtige Folie gibt es als biologisch abbaubare Variante. picture-alliance / dpa -

Viele offiziell kompostierbaren Plastikarten verrotten zu langsam, als dass sie sich für den Hauskompost eignen würden. Auch industrielle Kompostierbetriebe können mit diesen Komposttüten nichts anfangen. Außerdem wird Bioplastik in den Bio-Abfallanlagen oft aussortiert, weil es äußerlich kaum vom herkömmlichen Plastik zu unterscheiden ist.

Essbare Folie

Leicht abbaubar und sogar essbar ist eine Folie aus dem Milcheiweiß Casein. Die Folie ist dünn, durchsichtig und schirmt Lebensmittel besser vor Sauerstoff ab als herkömmliche Folien. Tütensuppen, die darin verpackt sind, könnten samt Folie ins heiße Wasser gegeben werden, wo diese sich auflöst. Die Idee aus den USA bietet enorm viele Anwendungsmöglichkeiten. Die Herstellung ist jedoch aufwändig und die Folie noch nicht marktreif.

In Deutschland wird derzeit auch an essbaren Snackschalen aus Algen getüftelt. Die Algen stammen aus der Nordsee. Die Schalen sollen nicht nach Algen schmecken und auch nicht abfärben.

Aus dem aus Algen hergestellten Gelierstoff Agar-Agar hat ein isländischer Designer plastikähnliche Flaschen hergestellt. Die bauen sich ab, sobald sie leer sind. Ein vielversprechender Ansatz, den Forscher ebenfalls gerade weiterentwickeln.

Bio-"Styropor"

Auch Styropor gehört zu den Stoffen, die die Umwelt besonders belasten, weil sie nicht abbaubar sind. Ein amerikanisches Unternehmen hat eine Alternative entwickelt, die genauso gut isoliert und kompostierbar ist. Pilzkulturen verwandeln zerkleinerte Bioabfälle in eine Masse, die dem Styropor extrem ähnlich sieht und genauso genutzt werden kann.

Ein einfacher Styropor-Ersatz ist Stroh, gemischt mit Zellulose, die aus Altpapier gewonnen wird. Eine deutsche Firma in Glindenberg in Sachsen-Anhalt presst es lediglich in die gewünschte Form und umhüllt es mit einer abbaubaren Folie. Die Firma "Alnatura" etwa nutzt das Produkt für Kühltransporte.

Obstnetze aus Kunststoff können inzwischen durch Netze aus Zellulose ersetzt werden. Lidl probiert die kompostierbaren Netze aus Holzfasern gerade bei Zwiebeln und Kartoffeln aus.

Von Sabine Schütze, SWR-Umweltredaktion | Online: Sola Hülsewig

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