Weltklimakonferenz in Bonn Deutschland - beim Klima nicht prima

Zur 23. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen treffen sich die Verantwortlichen dieses Mal in Deutschland. Doch das Gastgeberland ist beim Klimaschutz kein gutes Beispiel.

Klimakiller ein Braunkohlekraftwerk (Foto: picture alliance/dpa - SWR)
Deutschland wird seine selbstgesteckten Klimaziele wohl nicht erfüllen können. picture alliance/dpa - SWR

Ausgerechnet wenn Besuch kommt, ist nicht aufgeräumt - so ungefähr geht die Alltagsübersetzung dessen, was die Bundesregierung jetzt in Bonn bei der Weltklimakonferenz erlebt. Denn die Welt ist zu Gast, und Deutschland hält seine eigenen Klimaziele nicht ein.

"Selbstverständlich werden uns Fragen gestellt werden auf der internationalen Bühne, weil wir ja unsere Klimaziele 2020 nicht erreichen werden, wenn wir nicht noch weitere Schritte gehen", sagt die geschäftsführende Umweltministerin Barbara Hendricks.

Fast überall hinkt Deutschland beim Klimaschutz hinterher

Statt 40 Prozent weniger Treibhausgase schafft Deutschland nur maximal 32 Prozent. Das sei ein verheerendes Signal, heißt es von den Umweltverbänden. "Ich glaube, es wird auch öffentlich und international immer stärker wahrgenommen, dass Deutschland seine Klimaziele nicht erreicht", sagt Sven Harmeling von der Hilfsorganisation CARE International.

In der Verkehrspolitik sind die Treibhausgas-Emissionen seit 1990 leicht gestiegen. Auch die Landwirtschaft hinkt hinterher. Und dann der größte Brocken - die Kohlekraftwerke: Unter dem Strich gibt es seit 2009 keinen Fortschritt beim Klimaschutz.

Hoffen auf die neue Regierungskoalition

Stoßstange an Stoßstange (Symbolbild) (Foto: picture-alliance / dpa -)
Umweltschützer fordern ein neues Verkehrskonzept, damit es weniger Staus gibt. picture-alliance / dpa -

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte im Wahlkampf optimistisch angekündigt: "Ich sage, dass wir Wege finden werden, wie wir bis 2020 unser 40-Prozent-Ziel einhalten werden - das verspreche ich ihnen." Und das muss sie den Wählern jetzt auch beweisen.

Professor Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung erwartet von einer neuen Jamaika-Regierung schnelle Taten: "Sie muss auf jeden Fall aus der Kohle aussteigen. Sie muss einen Fahrplan vorlegen, wie das gehen soll. Sie muss den europäischen Emissionshandel sanieren, und sie müsste dafür sorgen, dass eine Verkehrswende sinnvoll eingeleitet wird."

Schnell handeln lautet das Motto - etwa bei der Kohle

Ein Radfahrer auf dem Radweg in Karlsruhe (Foto: SWR, picture-alliance / dpa -)
Kanzlerin Merkel hat neue Wege zur Erreichung der Klimaziele versprochen. picture-alliance / dpa -

2020 ist schon übermorgen: Die Klimaschützer nutzen die Chance einer Klimakonferenz im eigenen Land und machen Druck auf die Sondierer und möglichen Koalitionäre. Deshalb fordert Christoph Bals von der Denkfabrik Germanwatch, dass die Hälfte aller Kohlekraftwerke bis dahin abgeschaltet sein muss. Nur so bleibe Deutschland auch bei der Klimakonferenz glaubwürdig, sagen die Klimaschützer.

Die künftige Regierung hat es in der Hand. Und Berlin und Bonn werden sich in den kommenden beiden Wochen noch fröhlich Bälle hin und her werfen.

Von Werner Eckert, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Tobias Frey

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