Welternährungstag Insekten-Burger statt Fleischkäse-Brötchen

Weltweit leiden 821 Millionen Menschen an Hunger. Ihre Zahl steigt wieder. Experten beschäftigen sich schon lange damit, wie alle Menschen ernährt werden könnten - zum Beispiel mit Insekten.

Der Nudel an sich würde man ihren Inhalt nicht ansehen: gemahlener Buffalo-Wurm. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Der Nudel an sich würde man ihren Inhalt nicht ansehen: gemahlener Buffalo-Wurm. picture-alliance / dpa -

Neue Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen: Elf Prozent der Weltbevölkerung müssen Hunger leiden. 2017 seien weltweit insgesamt 821 Millionen Menschen chronisch unterernährt gewesen. Damit sei die Zahl der Menschen, die Hunger leiden müssen, im vergangenen Jahr zum dritten Mal in Folge gestiegen. Die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) macht für den erneuten Anstieg der Zahl der chronisch unterernährten Menschen - nach jahrelangem Rückgang - vor allem Klimaschwankungen und -extreme verantwortlich. Daneben hätten Konflikte und Gewalt in Teilen der Welt zur höheren Zahl hungernder Menschen beigetragen.

Das Ernährungsproblem auf der Welt ist größer, als es sein müsste. Denn noch nutzen wir nicht alle Möglichkeiten, uns mit Nährstoffen zu versorgen. Insekten auf dem Teller sind für viele Europäer ein Tabu - aber das müsste nicht sein.

Fragen an Stefanie Peyk, SWR Umwelt und Ernährung

Was ist bei uns an Insekten-Lebensmitteln auf dem Markt?

Schon heute ist das Angebot vielfältig. Es reicht von ganzen Insekten über Burger aus Käferlarven, Nudeln und Keksen mit Insektenmehl bis hin zu Proteinriegeln mit vermahlenen Grillen. Und, ganz speziell: Es gibt auch Insekten-Lutscher mit Orangengeschmack und eingeschlossenem, echtem Mehlwurm.

Das Fleisch eines Insekten-Burgers besteht zu rund fünfzig Prozent aus Würmern. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Das Fleisch eines Insekten-Burgers besteht zu rund fünfzig Prozent aus Würmern. picture-alliance / dpa -

Vieles davon wird im Internet vertrieben. Aber auch in Restaurants und in Supermärkten werden immer mehr Insektenprodukte verkauft - so wie andere, gängige Lebensmittel auch.

Burger aus sogenannten Buffalo-Würmern gibt es in bestimmten Rewe-Märkten. Insekten-Pasta aus Pforzheim wird zum Beispiel bei Real in Böblingen-Hulb oder bei Metro in Korntal angeboten.

Was spricht für Insekten-Food?

Zum einen die Inhaltsstoffe: Insekten enthalten viel Protein. Insektenfette sind reich an wichtigen ungesättigten Fettsäuren. Manche Insektenarten können auch mit hohen Gehalten an Zink und Eisen punkten. Und: Die Insektenhaltung ist umweltfreundlicher als die von Rindern oder Schweinen.

Erstens brauchen Insekten weniger Futter. Um ein Kilo Grillen zu produzieren, braucht man etwa 1,7 Kilo Futter - für ein Kilo Rindfleisch sind laut Welternährungsorganisation dagegen acht Kilo Futter nötig. Außerdem brauchen Insekten weniger Wasser. Und laut einer niederländischen Studie werden bei der Insektenzucht auch weniger Treibhausgase produziert als in der Rinder- und Schweinehaltung.

Wie schmecken die Insekten-Lebensmittel?

Pulver aus Larven eines Getreideschimmelkäfers kann in Lebensmittel verarbeitet werden. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Pulver aus Larven eines Getreideschimmelkäfers kann in Lebensmittel verarbeitet werden. picture-alliance / dpa -

Angeblich erinnern geröstete Mehlwürmer an Pinienkerne oder frittierte Heuschrecken an Shrimps. Der Burger aus Buffalo-Würmern soll nussig schmecken.

Insekten als Nahrungsmittel sind nur bei uns etwas Neues - in Asien, Lateinamerika und Afrika werden sie schon lange Zeit gegessen. Es soll an die 2.000 Insektenarten geben, die von Menschen gegessen werden.

Was sollten Verbraucher beachten, wenn sie Insekten ausprobieren möchten?

Verbraucherschützer warnen: Wer auf Garnelen allergisch reagiert, der reagiert auch häufig auf Mehlwürmer.

Es ist auch keine gute Idee, sich aus Spaß Insekten fürs Mittagsessen einfach aus dem Zoo-Fachhandel zu holen oder die Käfer von der Fensterscheibe zu pflücken. Diese Insekten können Keime oder Parasiten enthalten. Also: Wenn schon Insekten-Snacks, dann aus der Zucht für Lebensmittel.

Online: Jutta Kaiser

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